Es gibt ein Leben vor dem Tod

Mutmacher Andreas Wassner über Leistungsdruck, Zusammenbruch und Neubeginn.
Bregenz Früher glaubte Andreas Wassner, unzerstörbar zu sein. Nach Burnout, Depressionen und der Diagnose Multiple Sklerose kennt er heute seine Grenzen. “Ich bin realistischer geworden und habe mein Leben neu ausgerichtet”, sagt der 54-Jährige, der am Sonntag beim LionMind Summit in Nenzing über seine Lebenserfahrungen sprechen wird.
Gelernt hat er vor allem, “mich nie wieder einer permanenten Stresssituation auszusetzen”. So wie damals, als er bereits während seines Wirtschaftsstudiums in Wien und danach in Vorarlberg als Eventmanager tätig war. Mehr als 300 Arbeitsstunden im Monat führten ihn ins Burnout und in eine schwere Depression mit Suizidgedanken. “Die Depression war die härteste Schule meines Lebens und zugleich ein Geschenk”, sagt Wassner. “Durch sie habe ich zu meinem Glück gefunden.” Mit fachärztlicher Unterstützung bewältigte er die psychische Erkrankung.
Wieder ausgebrannt
Ein weiteres Burnout – und die Ankündigung eines dritten – brachten ihn schließlich dazu, die Reißleine zu ziehen. Er nahm eine berufliche Auszeit und segelte als Skipper im Mittelmeer und in der Karibik, zunächst als Matrose, später als Kapitän. Drei Jahre war er auf See, bevor er nach Vorarlberg zurückkehrte. Nach mehreren Stationen fand er beim Leukämiehilfe-Verein “Geben für Leben” in der Öffentlichkeitsarbeit eine erfüllende Aufgabe. 2024 wechselte er zu Integra, ebenfalls in die Öffentlichkeitsarbeit.

Andreas Wassner ist auch als Autor aktiv. Veröffentlicht hat er bisher “Der kleine Prinz wird erwachsen” (2017), “Lass uns offen reden – Wie uns Krisen zu glücklichen Menschen machen” (2021) und “33 wundersame Geschichten von Geben für Leben” (2022). Sein viertes Buch, “Sunburn statt Burnout – Es gibt ein Leben vor dem Tod”, ist in Arbeit. Darin beschreibt er, wie er nach Burnout und Depression Freude am Leben und Glück wiederfand.
Zudem hält er Vorträge und Workshops zur Persönlichkeitsentwicklung für Erwachsene und Jugendliche, insbesondere für Lehrlinge. Im Mittelpunkt stehen der Umgang mit Krisen sowie die Frage, wie man trotz Herausforderungen Lebensfreude bewahrt – basierend auf seinen Erfahrungen mit Burnout, Depression und MS. Diagnostiziert wurde die Multiple Sklerose 2002, ausgebrochen ist die chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems zehn Jahre später. “Am Anfang war das heftig. Heute ist die Krankheit Teil meines Lebens. Durch sie habe ich gelernt, bewusster und achtsamer zu leben – und ein glücklicher Mensch zu sein.”
Vortrag beim LionMind Summit
Über all das spricht Andreas Wassner beim LionMind Summit 2026 am Sonntag, 22. Februar, im Join Jugendhaus in Nenzing (9 bis 18 Uhr, Anmeldung unter mutort.at/lionmind-summit). Er ist einer von sieben Referierenden, die zu Themen wie Krieg, Gesundheit, Sexualität und dem Leben im Allgemeinen sprechen. Sein Vortrag von 11.30 bis 12.15 Uhr trägt den Titel: “Sunburn statt Burnout – Wertvolle und unterhaltsame Erfahrungen mit schmerzhaften Themen”. HRJ
