Gemeinsamer Beginn von Ramadan und Fastenzeit: Austausch in St. Christoph

VN / 19.02.2026 • 11:07 Uhr
Gemeinsamer Beginn von Ramadan und Fastenzeit: Austausch in St. Christoph

Begegnung von Christen und Muslimen zum “Fasten-Jahrhundertereignis”: Pastoralleiter Alfons Meindl, Pfarrer Saver, der Imam von ATIB, Sahin Hasbek (Vorstand ATIB), Katherine Weiss (Diözese) und Sahin Özcan (ATIB).Carmen Thurnher

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Dornbirn Dass Aschermittwoch und Beginn des Ramadan auf denselben Tag fallen, ist eine sehr seltene Konstellation. Sie ergibt sich aus dem Zusammenspiel zweier unterschiedlicher Kalender. Während sich der christliche Aschermittwoch nach dem beweglichen Ostertermin richtet, folgt der Beginn des Ramadan dem islamischen Mondkalender. Da dieser jedes Jahr rund elf Tage früher liegt, fallen beide Termine nur in großen Abständen zusammen. Zuletzt war dies 1928 der Fall, das nächste Mal wird es erst in mehreren Jahrzehnten wieder so weit sein.

Gemeinsamer Beginn von Ramadan und Fastenzeit: Austausch in St. Christoph

Austausch über Bedeutung und Praxis des Fastens in beiden Religionen.

In diesem Jahr bot das “Jahrhundertereignis” in Dornbirn Anlass für eine besondere Begegnung. In der Pfarre St. Christoph im Rohrbach kamen Christen und Muslime zusammen, um den Beginn ihrer jeweiligen Fastenzeiten gemeinsam zu begehen – neugierig und offen füreinander.

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Die Besucher lauschten interessiert, was Fasten für die jeweilige Religion bedeutet.

Gegenseitiges Kennenlernen

Angestoßen wurde die Initiative von Katherine Weiss, Fachreferentin für interreligiösen Dialog der Diözese. Sie hatte auf das zeitliche Zusammenfallen aufmerksam gemacht und wandte sich vergangenen Herbst an die Pfarre Rohrbach. Pastoralamtsleiter Alfons Meindl war sofort begeistert. “In unserer Pfarre gilt, dass Kirche ein Ort der Begegnung sein soll, gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Gräben spürbarer werden. Es ist wichtiger denn je, einander wirklich kennenzulernen”, betonte er in seiner Begrüßungsrede.

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Imam und Pfarrer lasen aus Koran und Bibel zur gemeinsamen Einstimmung.

Als Partner gewann man den Moscheeverein ATIB Dornbirn, der der Einladung offen begegnete. Anfang des Jahres setzte man sich zusammen, um Ablauf und Inhalte abzustimmen – “damit es für beide passt”, so Weiss. Herausgekommen ist ein bewusst schlicht gehaltener Abend, bei dem Zuhören und Erklären im Mittelpunkt standen.

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Im Anschluss lud die Pfarre Rohrbach zum gemeinsamen Fastensuppen-Essen.

Zum Auftakt im Pfarrzentrum Rohrbach stellte sich die Runde vor. Anschließend las der Imam einen Koran-Vers zum Fasten, zunächst in der Gebetssprache Arabisch, dann auf Deutsch. Darauf folgte eine Lesung von Pfarrer Saver aus dem Buch Jesaja. Die Texte dienten als gemeinsame Einstimmung und machten deutlich, wie zentral das Motiv des Verzichts und der inneren Sammlung in beiden Religionen ist.

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Zahlreiche Interessierte nahmen am interreligiösen Abend teil.

Bedeutung des Fastens und viele Parallelen

Im weiteren Gespräch erklärten der Imam und Katherine Weiss, was Fasten im Islam und im Christentum bedeutet. “Der Ramadan ist eine Zeit der Besinnung, des Mitgefühls und der Geduld”, erläuterte der Imam. Eine spirituelle Phase, in der auch die Gemeinschaft, etwa beim abendlichen Fastenbrechen, eine wichtige Rolle spiele. “Auch im Christentum gehe es um bewussten Verzicht, um Nähe zu Gott und um die Frage, was dem Leben wirklich Halt gibt”, beschrieb Weiss darauf.

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Am Vormittag war Alfons Meindl bereits am Marktplatz mit der Aktion “Asche to go” unterwegs – die Katholische Kirche bietet in der Fastenzeit ein umfangreiches Programm.

Viele Parallelen wurden sichtbar. Die zentrale Botschaft des Abends fasste Meindl am Ende zusammen: “Glaube schafft Gemeinschaft.” Genau das wurde an diesem Abend und auch im offenen Austausch deutlich, als Fragen gestellt und persönliche Erfahrungen geteilt wurden. Den Abschluss bildete eine gemeinsame Fastensuppe. Eine einfache Mahlzeit, die Raum für ungezwungene Gespräche miteinander bot.

Fortgesetzt wird der Dialog am Freitag, 6. März, mit einer Gegeneinladung zum gemeinsamen Fastenbrechen in der Moschee. “Wir sind schon sehr gespannt und freuen uns darauf”, betonte Alfons Meindl.

Umfangreiches Programm in der Fastenzeit

Darüber hinaus laden die Pfarren in Dornbirn während der Fastenzeit zu weiteren Angeboten und Aktionen wie Fastensuppen mit Impuls bis hin zu stillen Begegnungen und Gottesdiensten ein. Alle Informationen dazu unter www.kath-kirche-dornbirn.at. cth