Ein rund 180 Jahre alter Brauch wird einmal im Jahr zum Leben erweckt: ein Blick in die Werkstatt der Pumamacher

Seit rund 180 Jahren werden in Bürs die Puma zum Funkensonntag getragen. Die Pumamacher restaurieren die kunstvollen Gebilde in aufwendiger Handarbeit.
Bürs Ein uralter Brauch, den es in Vorarlberg nur in Bürs gibt, kann man am Funkensonntag erleben: Der Pumazug läutet den Funken ein. Die Pumamacher reparieren zurzeit die Puma, sodass sie bis zum Umzug wieder einsatztauglich sind. Die VN haben die Pumamacher in ihrer Werkstatt besucht.



Andrea Müller-Vonbank entfernt das alte, verblasste Papier einer Puma, die den Schriftzug „Feuerflammen brennen nicht so heiss wie heimliche Liebe, von der niemand weiss“ trägt. Auf der Rückseite klebt sie dann mit Holzleim ein neues, farbiges Papier mit einer Stärke von 60 Gramm pro Quadratmeter auf den Karton. „Dieses dünne Papier ist schwierig zu bestellen“, weiß Günter Rettenberger. Krepppapier würde das Kerzenlicht zu punktuell wiedergeben. „Bei unserem Papier gibt es eine gleichmäßige Streuung des Lichts“, erklärt er. Holzleim verwendet man deshalb, weil dieser am besten auf dem Karton haften bleibt. Auch die Kartons sind keine gewöhnlichen Pappkartons, sondern Buchbinderkartons, die besonders stabil sind.




Tragbare Straßenlaternen
Es ist ein vermutlich 180 Jahre alter Brauch. Wann genau die ersten Puma gebaut wurden, weiß niemand so genau. „Die Lampions sind die älteste Form.“ Sohn Christian Rettenberger hebt eine Puma an dem langen hölzernen Stiel hoch, die gerade restauriert wird. In der Mitte des Lampions steht eine weiße neue Kerze. Die Seitenwand fehlt zur Hälfte und muss mit neuem Papier bespannt werden. Die Verbindungsstreben aus Metall sind alte Bänder, mit denen früher die Baumwolle zusammengebunden wurde. Daher vermutet Günter Rettenberger, dass die Puma von Textilarbeitern als tragbare Straßenlaternen genutzt wurden, da es damals noch keine Straßenbeleuchtung gab. Die Stiele sind noch original und mittlerweile so abgegriffen, dass sie wie poliert aussehen.



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Das Wort „Puma“ leitet sich vom alten Wort „Pomeransche“ ab und bedeutet Orange – und diese Lampions ähneln von der Form her einer Orange. Später kamen dann die „Kübile“ hinzu, kastenartige Laternen. Allmählich entstanden immer größere Puma – kistenförmige Gebilde, an deren Seitenwänden verschiedenste Motive kunstvoll herausgeschnitten wurden. Die Familie Rettenberger pflegt dieses Brauchtum seit Generationen. Die Puma sind aber nicht in deren Besitz, sondern Allgemein- und Kulturgut der Gemeinde. Der Bestand wird fortlaufend erweitert.




Das älteste Motiv
Einige von den insgesamt 47 Puma haben „sehr traditionelle Motive“, erklärt Christian Rettenberger. Neben dem Bürser und Vorarlberger Wappen finden sich auch Bürser Vereine wie die Harmoniemusik wieder. „Das ist das älteste Blatt, das wir auf dem Dachboden gefunden haben“, sagt Christian Rettenberger und zeigt die „Genoveva“ aus dem Jahr 1892. Auch die Bürscher Krotta – die Kröte ist das Symbol der Bürser Fasnacht – ist mehrfach auf den Puma verewigt. Die größte und mit 13 Kilogramm schwerste Puma ist „die Spinnerin“, bei der sich das Spinnrad dreht. Sie bildet den Abschluss des Pumazugs. Die Puma „Gsellschaft“ mit dem Funkenspruch „Viva leba hoch“ geht voraus. Ob die Puma am Funkensonntag zum Einsatz kommen, hängt stark vom Wetter ab, denn es darf weder regnen, schneien noch stürmen.




Feinarbeit
Nicht jede Puma übersteht den Pumazug vom Sozialzentrum zum Funkenplatz unbeschadet. Während Bianca Zucalli ein neues Blatt Papier in Weiß-Gelb auf einer Seite des Kübile befestigt, schabt Eugen Müller an einem Lampion die Klebereste auf dem gebogenen Metallrahmen ab. Feinarbeit ist hier angesagt. Christian Torras nimmt sich der „Spinnerin“ an. Der Rock hat ein Loch, das Papier muss dort ausgetauscht werden.




Zuerst entfernt Eugen Müller die genagelten Leisten, die als Rahmen dienen und die Blätter zusammenhalten. Er hebt das Blatt heraus, sodass Christian Torras daran weiterarbeiten kann. Dazu trennt Christian Torras mit einem Skalpell vorsichtig das alte Papier ab. Er holt aus dem Papierschrank ein blaues Blatt Papier und legt es auf den Lichttisch, um zu schauen, wie die Farbe wirkt, wenn sie leuchtet. Dann schneidet er das Papier zu und klebt es auf den mit schwarzer Farbe gebeizten Karton. „Man versucht, handwerklich traditionell zu bleiben“, sagt Christian Rettenberger.
Alle Infos zu den Pumamachern in Bürs und dem Brauchtum gibt es auf der neuen Homepage https://www.puma-buers.at/











