“Ich nehm’ mir kein Blatt vor den Mund”

Bestsellerautor Hans Weiss (75) liest am Donnerstag, 26. Februar in der Landesbibliothek.
Bregenz Mit dem Ratgeberbuch “Bittere Pillen”, das Hans Weiss gemeinsam mit Kurt Langbein und Hans-Peter Martin schrieb, stand das Trio fast ein ganzes Jahr auf der Spiegel-Bestsellerliste. Weitere Sachbuch-Bestseller waren Schwarzbuch Markenfirmen, Korrupte Medizin oder Schwarzbuch Landwirtschaft. Am Donnerstag, 26. Februar, 19.30 Uhr, liest Hans Weiss in der Vorarlberger Landesbibliothek in Bregenz aus seiner druckfrischen Autobiografie mit dem Titel “Aufgedeckt. Ermittlungen gegen mich selbst”.
Was hat Sie dazu bewogen, genau dieses Sachbuch zu schreiben?
Weiss: Ich habe mir mit diesem Buch selbst die Frage gestellt: War es sinnvoll, was ich in meinem Leben gemacht habe? Doch mehr als fünf Millionen verkaufte Bücher weltweit zeigen, dass es bedeutsam war, was ich zu sagen hatte. Das wollte ich in meiner Autobiografie zusammenfassen und noch einmal erzählend darstellen. Ist mir das gelungen? Schriftsteller Christoph Ransmayr schrieb Folgendes: „Was für ein fesselndes und bewegendes Buch!“
Wie fallen Ihre Ermittlungen gegen sich selbst aus?
Weiss: Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit meinem vergangenen Leben, mit allem, was gut, und mit allem, was schlecht war. Hätte ich noch einmal die Wahl, würde ich genauso handeln.
Man muss sich verkleiden, um die Gesellschaft zu demaskieren, muss täuschen und sich verstellen, um die Wahrheit herauszufinden, lautet ein Zitat von Günter Wallraff. Sie waren ebenfalls Enthüllungsjournalist. Wie denken Sie nach all den Jahren darüber?
Weiss: Ich habe dazu eine andere Meinung. Um die Gesellschaft zu demaskieren, muss man nicht unbedingt täuschen oder sich verkleiden oder verstellen. Das ist eine journalistische Methode, die meiner Meinung nach nur unter ganz bestimmten Bedingungen verwendet werden sollte. Und zwar, wenn es um eine bedeutsame gesellschaftliche Frage geht und wenn es mit den üblichen journalistischen Methoden nicht möglich ist, an entsprechende Informationen zu gelangen. Man muss also immer abwägen: Ist das gesellschaftlich wichtig? Ist es zulässig, diese Methode anzuwenden? Ich habe das in jedem konkreten Einzelfall immer mit meiner Agentur in Berlin, mit Leuten aus dem Verlag und vor allem auch mit meinen Anwälten besprochen und diskutiert.
Wie könnte ein Zitat von Ihnen lauten?
Weiss: Als investigativer Journalist darf man sich von niemandem einschüchtern lassen.
Trafen Sie auf der Suche nach der Wahrheit am Ende immer auf die objektive Wahrheit?
Weiss: Nein! Was richtig ist oder falsch, hängt oft vom Standpunkt ab, den man bezieht. Eine bedeutsame Funktion des Journalismus besteht darin, die Mächtigen zu kontrollieren. Egal, wer an der Macht ist. Egal, ob es sich um eine Demokratie oder eine Diktatur handelt. Investigativer Journalismus dient als wichtiges Kontrollelement in einer Demokratie.
Wo sehen Sie die Grenzen und Möglichkeiten des investigativen Journalismus in Zukunft?
Weiss: Die Ausbreitung künstlicher Intelligenz macht mir Angst. Bei allem, was man in Zukunft liest oder hört oder sieht, wird man sich fragen müssen: Stimmt das oder ist es erfunden? Ich hoffe, dass es auch in Zukunft eine Art von investigativem Journalismus geben wird, der von realen Menschen bestimmt wird.
Was erfahren Ihre Lesenden bzw. die Besucher Ihrer Lesung über Sie, was bisher niemand wusste?
Weiss: Sehr viele Hintergrundinformationen zu Recherchen, die ich durchgeführt habe, und zu dem, was hinter den Kulissen von Verlagen und großen Medien passiert. Und sehr viel Persönliches von mir. Ich nehme mir kein Blatt vor den Mund.
CRO