Wenn das Krimifieber um sich greift

Die österreichische Autorin Edith Kneifl eröffnete die Krimitage in der Stadtbibliothek.
Dornbirn Seit 40 Jahren schreibt Edith Kneifl Kriminalromane – und war damit geradezu prädestiniert, die ersten Krimitage in Dornbirn, Lustenau und Hohenems unter dem Motto “Mörderischer Bezirk” zu eröffnen. In der Stadtbibliothek Dornbirn stellte die vielfach ausgezeichnete Autorin ihren neuesten Krimi “Der unheimliche Patient” vor, in dem der Psychoanalytiker Arthur Lang ermittelt.

Kneifl weiß, wovon sie schreibt: “Ich habe 25 Jahre eine eigene Praxis als Psychoanalytikerin geführt. Jetzt, in der Pension, habe ich genügend Distanz, um einen Psychoanalytiker auch literarisch ermitteln zu lassen”, erklärte sie. Ihre beruflichen Erfahrungen fließen dabei ebenso in die Handlung ein wie ihre genaue Beobachtungsgabe für menschliche Abgründe. “Der unheimliche Patient” ist bereits der zweite Kriminalroman rund um Arthur Lang – obwohl Edith Kneifl eigentlich bekennt, keine Serien zu mögen. “Ich wollte nie eine klassische Ermittlerfigur auf mehrere Bände anlegen”, sagt sie. “Aber Arthur Lang wird mir immer sympathischer, und ich denke, er wird mich noch ein bisschen länger begleiten.”

Angst und Aggression
Im Laufe des Abends wurde deutlich, wie eng Edith Kneifl mit ihren Protagonisten verbunden ist. “Figuren, die ich nicht mag, lasse ich im Verlauf der Geschichte sterben”, verriet sie. Dabei ist ihr Schicksal meist von vornherein besiegelt, wie sie im Gespräch mit Marina Höfler (Literaturhaus Vorarlberg) und Peter Ladstätter (Stadtbibliothek Dornbirn) erzählte. “Nur einmal war mir ein junger, fescher Kerl zu schade, um ihn sterben zu lassen – und ich ließ ihn entgegen meinem ursprünglichen Plot nur zusammenschlagen.”

Bereitwillig gewährte Edith Kneifl weitere Einblicke in ihr literarisches Schaffen und ließ das Publikum an ihren Gedanken rund um Figuren, Dramaturgie und Schreibprozess teilhaben. Auf die Frage, warum sie ausgerechnet Kriminalromane schreibe, antwortete Kneifl: “Es hat mit eigenen Ängsten und einem gewissen Aggressionspotenzial zu tun, das ich beim Krimischreiben ausleben darf.” Angst und Aggression seien, so die Autorin, oft wichtige Triebfedern – nicht nur für das Schreiben, sondern auch für das Lesen von Krimis.

Jung und Alt
Mit den Krimitagen “Mörderischer Bezirk” setzen die drei Bibliotheken ein neues, gemeindeübergreifendes Literaturformat um. Auch junge Krimifans kommen auf ihre Kosten: Mitmachaktionen unter dem Motto “Tatort Bibliothek” im Pfarrheim St. Martin sowie ein Krimidinner für Jugendliche sorgen für Nervenkitzel.

Am Samstagvormittag lösen Nachwuchsdetektive ab sechs Jahren einen mysteriösen Bibliotheksfall in der Stadtbibliothek Dornbirn, in der darauffolgenden Woche können sie sich in der Bibliothek Lustenau auf Schatzsuche begeben. Ein weiterer Höhepunkt ist der Besuch von Guido Buettgen in Lustenau, wo er aus seinen beliebten Champagnerkrimis lesen wird. Mit einem kniffligen Krimidinner finden die ersten Krimitage am kommenden Donnerstag ihren Abschluss in der Bücherei Hohenems – dieser Programmpunkt ist allerdings bereits ausverkauft, eine Warteliste wird geführt. LCF









