Sechs Unfälle in wenigen Wochen: Wie sicher sind Vorarlbergs Schutzwege wirklich?

VN / 23.02.2026 • 15:48 Uhr
Sechs Unfälle in wenigen Wochen: Wie sicher sind Vorarlbergs Schutzwege wirklich?
Ein gefährliches Pflaster: In Österreich werden pro Jahr im Schnitt elf Menschen auf Schutzwegen getötet. VN

Dunkle Kleidung und rücksichtslose Autofahrer können gefährliche Mitverursacher sein.

Schwarzach 13. Jänner, 17.45 Uhr: Ein 29-jähriger Fußgänger wird auf einem Schutzweg auf der Treietstraße in Klaus frontal von einem Auto erfasst. 13. Jänner, 18.45 Uhr: Zwei Fußgänger, 34 und 48 Jahre alt, werden bei Grünlicht auf einem Schutzweg auf der Hatlerstraße in Dornbirn von einem abbiegenden Auto erfasst. 7. Februar, kurz nach 10 Uhr: Eine 66-jährige Fußgängerin wird auf einem Schutzweg auf der Hofsteigstraße in Hard von einem Auto erfasst. 11. Februar, gegen 13.30 Uhr: Eine 66-jährige Fußgängerin wird auf dem Schutzweg auf der Stadtstraße beim Dornbirner Rathaus von einem Auto erfasst. 14. Februar, gegen 21.15 Uhr: Eine 63-jährige Fußgängerin wird auf einem Schutzweg auf der L190 in Dornbirn-Hatlerdorf von einem Auto erfasst. 19. Februar, kurz vor 19 Uhr: Zwei Fußgängerinnen, 30 und 35 Jahre alt, werden auf einem Schutzweg im Ortsgebiet von Hittisau von einem Auto erfasst.

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Reflektoren können einen entscheidenden Unterschied machen. vn

Sechs Schutzweg-Unfälle seit Jahresbeginn allein in Vorarlberg. Laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) werden in Österreich pro Jahr im Schnitt elf Menschen auf Schutzwegen getötet und mehr als 1000 verletzt. In Vorarlberg sind im Vorjahr 226 Fußgänger bei Verkehrsunfällen verletzt worden, 2023 waren es 196 und 2022 193. Wie aus der Statistik ebenfalls hervorgeht, passieren im Schnitt 30 Prozent dieser Unfälle auf Schutzwegen, die meisten davon auf ungeregelten Schutzwegen. Und: Ein Großteil der Fußgängerunfälle in Vorarlberg wurde in den vergangenen drei Jahren auf Straßen mit einem Tempolimit von 50 km/h (41,5 Prozent) registriert, gefolgt von Tempolimit 40 km/h (21,1 Prozent) und 30 km/h (19,5 Prozent).

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Martin Pfanner ist Landesleiter des KfV in Vorarlberg. kfv

Dass die Schutzwege ihrem Namen nicht immer gerecht werden, zeigt auch eine aktuelle Erhebung des KfV. Martin Pfanner, KfV-Landesleiter in Vorarlberg, erläutert: Im Rahmen der Studie wurden österreichweit 6400 Überquerungssituationen beobachtet. In acht Prozent der Fälle hielten die Lenker nicht an, obwohl die Fußgänger deutlich signalisierten, dass sie den Schutzweg überqueren wollen. In zwei Prozent der Fälle konnte ein Zusammenstoß nur durch abruptes Abbremsen oder ein Ausweichmanöver verhindert werden.

Sechs Unfälle in wenigen Wochen: Wie sicher sind Vorarlbergs Schutzwege wirklich?

Grundsätzlich gilt: Sobald jemand signalisiert, dass er einen Schutzweg überqueren möchte, darf er von Fahrzeuglenkern weder behindert noch gefährdet werden. “Fußgängerinnen und Fußgänger sollten allerdings nicht auf ihren Vorrang bestehen, wenn eine Situation gefährlich erscheint”, hält das Kuratorium für Verkehrssicherheit fest.

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Verkehrsexperte Martin Pfanner rät außerdem zu heller und reflektierender Bekleidung, denn: Rund 40 Prozent aller Verkehrsunfälle mit verletzten Fußgängern passieren bei Dunkelheit oder schlechter Sicht. Bei der Sichtbarkeitsstudie 2022 des KfV waren 63 Prozent der Fußgänger mit dunkler Kleidung unterwegs. 16 Prozent tragen zwar helle Kleidung, aber keine Reflektoren. “Reflektoren können lebensrettend sein. In dunkler Kleidung ohne Reflektoren werden Fußgänger erst in einer Entfernung von rund 25 Metern entdeckt, bei heller, kontrastreicher Kleidung aus rund 40 Metern und bei reflektierender Kleidung aus rund 140 Metern. Das kann einen deutlichen Unterschied machen, ob Autofahrende rechtzeitig reagieren und bremsen können. Das Unfallrisiko wird durch helle, reflektierende Kleidung um fast 50 Prozent gesenkt”, verdeutlicht der KfV-Landesleiter.