“Ein Kasten voller Öle hat mein Leben verändert” – Vorarlbergs Duftpionierin

VN / 25.02.2026 • 13:37 Uhr
"Ein Kasten voller Öle hat mein Leben verändert" – Vorarlbergs Duftpionierin
Gertraud Lüftenegger in ihrer Duftmanufaktur Arte Verde. VN/Roland Paulitsch

Hinter einer kleinen Duftmanufaktur in Röthis steckt nicht nur Liebe, sondern viel Bürokratie und Analyse. Gertraud Lüftenegger zwischen Lavendel und Lebensmut.

Darum geht’s:

  • Gertraud Lüftenegger entwickelt Duftöle aus biologisch zertifizierten Zutaten.
  • Ihre Manufaktur beliefert Kliniken und soziale Einrichtungen.
  • Besonders gefragt sind Tonka- und Lavendelöle.

Röthis Wenn Gertraud Lüftenegger von Düften spricht, dann klingt das nicht nach Luxus, sondern nach Fürsorge. “Das sind viele kleine Fläschchen, mit denen ich mir selber helfen kann”, sagt die 66-jährige Vorarlbergerin und lächelt. Vor fast 30 Jahren stellte ihr jemand einen Kasten mit ätherischen Ölen in die Küche. “Zuerst habe ich gedacht: Was tue ich mit so vielen Fläschchen?” Heute führt sie die Arte Verde Duftmanufaktur – und beliefert Kliniken, Pflegeheime und soziale Einrichtungen im ganzen Land.

Was als Zufall begann, wurde zur Berufung. Lüftenegger begann zu lesen, zu experimentieren, absolvierte Ausbildungen und reiste nach Frankreich. Dort lernte sie von Expertinnen wie Monika Werner und Ruth von Braunschweig, vertiefte ihr Wissen über Destillation, Pflanzenkunde und Wirkung. Besonders prägend war für sie der Unterschied zwischen konventionellem und biologischem Anbau. “Ich wollte nur noch Bio-Öle. Da ist mehr Kraft drin, die Pflanzen werden besser behandelt.” Heute bezieht sie ihre Rohstoffe ausschließlich von biozertifizierten Destillerien – direkt aus Frankreich oder Italien.

"Ein Kasten voller Öle hat mein Leben verändert" – Vorarlbergs Duftpionierin
Die Duftexpertin liebt Blumen. Foto/Privat

Die Bürokratie kostet viel Zeit

In ihrer Manufaktur in Röthis werden die Öle geprüft, analysiert und abgefüllt. Jedes einzelne Produkt braucht ein Sicherheitsdatenblatt, jede Mischung muss zertifiziert werden. “Wir können nicht einfach irgendetwas mischen”, betont sie. Die Inhaltsstoffe müssen konstant bleiben, trotz unterschiedlicher Sonneneinstrahlung oder Bodenverhältnisse. Der bürokratische Aufwand ist groß, doch Lüftenegger sieht darin eine stabile Qualitätssicherung.

Gefüllt wird in Metall- oder Violettglasflaschen, letztere schützen besonders empfindliche Essenzen. Danach wird gelagert, etikettiert und schließlich weiterverarbeitet.

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Glücklich nach der Rosenernte in jungen Jahren in Frankreich. Foto/Privat

Tonkabohne beruhigt im Alltag

Besonders gefragt ist das Tonka-Wohlfühlöl. “Man schläft wie ein Engel”, sagt sie. Ein paar Tropfen auf den Solarplexus oder auf die Fußsohlen und die beruhigende Wirkung entfaltet sich. Auch Lavendel zählt zu ihren wichtigsten Essenzen. “Er wirkt stark beruhigend auf die Nerven.” Immortelle, die “Unsterbliche”, wird bei Hämatomen und zur Hautpflege eingesetzt. Und das Rosenhydrolat unterstützt die Aufnahme der Öle in die Haut – Wasser- und Fettphase bleiben getrennt, die Haut bekommt, was sie braucht, und wird zudem sehr sanft. Auch in der Mundpflege setzt Gertraud Lüftenegger auf Pflanzenkraft – etwa mit Sanddorn- oder Johanniskrautöl in speziellen Mischungen.

Im Pflegebereich spielen Düfte eine besondere Rolle. Orange etwa wecke vertraute Erinnerungen, Lavendel helfe bei Unruhe, Manuka unterstützt beim Einschlafen. Über den Geruchssinn lasse sich das limbische System aktivieren, erklärt Lüftenegger. Mit einem Arzt entwickelte sie sogar ein Riechserum, das gezielt zur Gedächtnisanregung eingesetzt wird.

"Ein Kasten voller Öle hat mein Leben verändert" – Vorarlbergs Duftpionierin
Ätherische Öle bringen Schwung ins Leben. Foto/Privat

Öle fachgerecht verwenden

Dosiert wird behutsam: fünf bis zehn Tropfen in eine Schale mit warmem Wasser reichen. “Es darf nicht überhandnehmen.” Für eine optimale Verteilung empfiehlt sich ein Raumdiffuser, den man mit Öl anreichern kann. Weniger ist in diesem Fall immer mehr.

"Ein Kasten voller Öle hat mein Leben verändert" – Vorarlbergs Duftpionierin
Entspannung findet Gea auf dem “Bänkle vor dem Haus”. VN/Roland Paulitsch

Und wenn sie nicht gerade Öle mischt? “Dann gehe ich in den Wald oder in den Garten.” Natur ist für sie Quelle und Rückzugsort zugleich – der Röthner Wald ebenso wie die Lavendelfelder Frankreichs.

Zur Person:

Gertraud Lüftenegger, Spitzname “Gea”

Alter 66 Jahre

Hobbys Waldspaziergänge, Frankreich und Italien

Familie Sohn Marian übernimmt im Herbst 2026 die Manufaktur Arte Verde

Lebensmotto Irgendwie geht es immer weiter