Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Streiflicht: Kippmomente

VN / 25.02.2026 • 08:23 Uhr

Neonlicht, drei Wartende, die Uhr über der Tür zeigt 17.58 Uhr. „Acht Euro zwölf“, bestätigt die Verkäuferin und drückt dem Kunden das Rückgeld in die Hand. Schon wendet sie sich dem Nächsten zu. Ruckzuck. Erst vor dem Geschäft wird der Mann stutzig. Er wirft einen Blick in die Geldbörse: Tatsächlich, sie hat ihm drei Euro zu wenig herausgegeben. Also geht er zurück. Sie erklärt, entschuldigt sich, errötet – alles wieder gut. So etwas passiert. Es ist spät.

Das wirklich Wichtige bleibt ungesagt. Spulen wir zurück: Es ging so schnell. Die Münzen in seiner Hand fühlten sich zu leicht an. Er verlässt das Geschäft mit einem komischen Gefühl. Könnte das sein? Hat sie ihn übers Ohr gehauen? Warum hat sie den Betrag ausgesprochen? Um ihn zu täuschen? Er dreht um. Sie sieht ihn wieder ins Geschäft treten. „Du meine Güte!“, denkt sie. Hat er was vergessen? Der sieht nach Problemen aus. Bitte nicht, es ist gleich Schluss! Jetzt nicht noch Stress! 

So treffen sie erneut aufeinander: Verunsichert, an der Kippe zur Verärgerung. Und dann? Erklärung, Entschuldigung, gerötete Wangen, alles wieder gut. Die großen Probleme der Welt lassen uns ohnmächtig zurück. Aber der Umgang mit den kleinen Missgeschicken macht das Leben leichter. Den haben wir in der Hand. Jeden Tag.