Pfusch im Reinigungsgewerbe: Meldeplattform soll schwarze Schafe stoppen

VN / 27.02.2026 • 13:00 Uhr
Pfusch im Reinigungsgewerbe: Meldeplattform soll schwarze Schafe stoppen
“Ich habe mir zum Ziel gesetzt, dass sich die Leute auf unser Gewerbe verlassen können”, sagt Innungsmeister Martin Halbrainer.

Die Innung will aufklären und für mehr Sicherheit sorgen: “Viele wissen gar nicht, wie gefährlich das ist.”

Dornbirn Wer darf eigentlich was und wo werden andere Menschen gefährdet? Die Vorarlberger Landesinnung für chemisches Gewerbe, Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger und Hausbetreuer will die Branche sauber halten und Gewerberechtsverstößen, Schwarzarbeit, Verstößen gegen Arbeitsschutzbestimmungen oder unlauteren Geschäftspraktiken mit einer neuen Plattform für Compliance- und Pfuschermeldungen den Kampf ansagen.

Das Motto lautet: „Hinsehen. Melden. Verantwortung übernehmen.“ Über ein Online-Formular können Verdachtsfälle vertraulich gemeldet werden. Ein Gremium prüft die Meldungen und leitet sie an die zuständigen Stellen weiter. Das System wurde in den vergangenen knapp zwei Jahren im Hintergrund entwickelt. Jetzt fällt der offizielle Startschuss.

Pfusch im Reinigungsgewerbe: Meldeplattform soll schwarze Schafe stoppen
Martin Halbrainer (l., im Bild mit Sohn Tim) ist Geschäftsführer von Clean Consulting Austria.

Innungsmeister Martin Halbrainer (51) ist Geschäftsführer von Clean Consulting Austria, Hygiene- und Gebäudeforensiker und Sachverständiger. Nach 30 Jahren in der Branche hat er schon viel gesehen. „Es geht nicht darum, jemanden an den Pranger zu stellen. Wir möchten Kunden, Mitarbeiter und Betriebe aufklären und vor negativen Auswirkungen schützen. Es passiert so viel aus Unwissenheit“, sagt Halbrainer über die neue Hinweisgeberplattform.

Pfusch im Reinigungsgewerbe: Meldeplattform soll schwarze Schafe stoppen
“Wenn man einen Hausmeister eine Fassade reinigen lässt und er macht sie kaputt, ist er eigentlich gar nicht versichert”, erläutert Martin Halbrainer.

Was lapidar klingen mag, hat mitunter weitreichende Folgen. Abgesehen davon, dass viele Substanzen selbst gefährlich sein können, ruinieren falsche Mittel in Sekunden einen Boden oder begünstigen Krankheiten. „Da wird ein Desinfektionsmittel gegen Pilze eingesetzt, das gar nicht gegen Pilze wirkt oder auf Wasser geschüttet, wodurch die Wirkung aufgehoben wird“, nennt der Innungsmeister Beispiele. Legionellen, Magen-Darm-Infektionen, Krätze, Mattenpilz. „Wenn man nicht aufpasst und nicht weiß, was man tut, dann gefährdet man die Gesundheit von Mitmenschen und das müssen wir definitiv vermeiden. Viele wissen gar nicht, wie gefährlich das ist“, unterstreicht Martin Halbrainer.

Pfusch im Reinigungsgewerbe: Meldeplattform soll schwarze Schafe stoppen
Sandra Hirmann, Amtsleiterin des Arbeitsinspektorats Vorarlberg und Innungsmeister Martin Halbrainer. WKV

Grundsätzlich gilt: Ein Hausbetreuer hat ein freies Gewerbe und darf zum Beispiel keine Büros, Spitäler, Labors oder WC-Anlagen reinigen. Für Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger (DFG) braucht es hingegen einen Meisterabschluss. Verantwortung tragen im Schadensfall sowohl der Ausführende als auch der Auftraggeber. Wer die Gewerbeberechtigung nicht prüft, haftet mit. „Ich kann nicht den Hausmeister meine Arztpraxis reinigen lassen. Wenn bei einer Desinfektion etwas schiefgeht, möchte ich in keiner der beiden Häute stecken“, verdeutlicht der Innungsmeister.

Die Innung chemisches Gewerbe zählt in Vorarlberg rund 650 Mitgliedsbetriebe, 100 davon sind Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger, etwa 420 Hausbetreuer. Bereits jetzt gehen über die Plattform laut Halbrainer im Schnitt drei Meldungen pro Woche ein; in den meisten Fällen handelt es sich um Gewerbeübertretungen. Martin Halbrainer ergänzt: „Ich habe mir zum Ziel gesetzt, dass sich die Leute auf unser Gewerbe verlassen können, aber auch wissen, was erlaubt ist und was nicht. Bei uns in der Reinigung geht es schließlich auch um die Gesundheit. Wir dürfen einfach niemanden gefährden.“  

Reinigung bleibt Frauensache. Männer wirken unterstützend mit. APA
Mit einem falschen Reinigungsmittel können große Schäden angerichtet werden. APA

Prävention steht dabei nicht nur für die Innung im Mittelpunkt. Auch das Arbeitsinspektorat Vorarlberg hat angekündigt, den Arbeitsschutz in der Hausbetreuung und Gebäudereinigung heuer im Rahmen von Schwerpunktkontrollen in Zusammenarbeit mit der Innung gezielt in den Blick zu nehmen. „Klare Gefährdungsbeurteilungen, wirksame Unterweisungen und geeignete Schutzmaßnahmen sind zentrale Bausteine, um Unfälle zu vermeiden und die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen“, erklärt Sandra Hirmann, Amtsleiterin des Arbeitsinspektorats Vorarlberg.