„Wurde oft attackiert und schon vier Mal verletzt“- Jetzt spricht ein Polizist

VN / 27.02.2026 • 14:02 Uhr
„Wurde oft attackiert und schon vier Mal verletzt“- Jetzt spricht ein Polizist
Der Polizeibeamte Manuel Preiß weiß aus eigener Erfahrung nur zu gut, was bei Einsätzen auf die Exekutive zukommen kann.

Übergriffe gegen Polizeibeamte haben sich in Vorarlberg seit 2018 verdoppelt. Auch die Zahl von Verletzungen wird höher. Einer der Betroffenen ist Manuel Preiß, Beamter der Polizeiinspektion Hohenems.

Schwarzach Die Tatsachen kommen in den Verhandlungssälen des Landesgerichtes Feldkirch ans Licht. Abseits von den Augen der Öffentlichkeit. Pro Woche werden dort durchschnittlich mindestens drei Fälle von “Widerstand gegen die Staatsgewalt” verhandelt. Mit Polizistinnen und Polizisten, die als Opfer von Gewalt aussagen.

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Manuel Preiß, Beamter der Polizeiinspektion Hohenems, hatte diese Erfahrung nicht nur einmal. Preiß ist auch Gewerkschafter und Personalvertreter der Polizei. Und seit Jahren als Beamter im Außendienst. Und dort immer wieder mit Gewalt konfrontiert.

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VN-gsManuel Preiß ist Beamter der Polizeiinspektion Hohenems, Polizeigewerkschafter und Personalvertreter.

Auf welche wüste Art Konfrontationen eskalieren können, schildert der Polizeibeamte als selbst Betroffener beispielhaft an einem Vorkommnis: “Es war vor etwa einem Jahr. Ein Mann hatte seine Ex-Frau bedroht und genötigt. Ich forschte ihn aus und sprach die Festnahme aus. Doch er flüchtete. Ich verfolgte ihn zu Fuß durch Hohenems. Als ich den Mann schlussendlich stellen konnte, wehrte er sich massiv und attackierte mich mit seinem Ellenbogen. Ich erlitt eine Schulterverletzung. Schließlich setzten wir Pfefferspray ein, wobei ich noch selbst kontaminiert wurde.”

Misshandlungsvorwürfe

Ein paar Monate später sah sich Preiß selbst mit Misshandlungsvorwürfen seitens des Täters ausgesetzt. “Ich musste meine Amtshandlung beim Landesverwaltungsgericht rechtfertigen und bekam schließlich Recht.”

Eine lästige Prozedur allemal. “Doch auch das gehört zum Job”, sagt Preiß aus Erfahrung. Auch als Personalvertreter ist er regelmäßig mit ähnlichen Erfahrungen seiner Kollegen konfrontiert. Etwa im November 2025, als Polizeikräfte von Randalierern in einem Hohenemser Hotel angegriffen und fünf Beamte verletzt wurden. Oder bei den Ausschreitungen beim Fußballspiel in Altach.

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“Ich wurde oft attackiert und schon vier Mal verletzt”, schildert Preiß weiter. Dabei erlitt er zumeist Abschürfungen und Prellungen. Hinter der Aggression seitens der Täter stünde oft Berauschung durch Alkohol und Drogen. “Oft ruft uns auch das Rote Kreuz, wenn es zu Auseinandersetzungen mit Patienten kommt. Probleme gibt es immer wieder auch bei Verkehrskontrollen.”

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Haben Polizisten Angst vor solchen Einsätzen? “Nein. Denn wir sind durch regelmäßiges Einsatztraining geschult und stellen uns auf solche Situationen ein”, so der Polizeibeamte.

Aber da ist auch noch etwas anderes.

“Falsches Rechtsverständnis”

Denn ist der uniformierte Polizist noch eine Respektperson? “In diesem Punkt hat sich in den vergangenen Jahren gesellschaftlich viel verändert. Es entwickelte sich ein falsches Rechtsverständnis. Wenn sie uns angreifen, meinen die Täter, dass sie alles dürfen, wir aber nichts. Du darfst mich nicht festnehmen, sagen sie. Und dass wir sie bei Amtshandlungen absichtlich misshandelt hätten, ist nachweislich falsch”, sagt der Polizist.

Das 3 D – Prinzip

Polizeibeamte hätten bei ihren Einsätzen eine Prioritätsvorgabe: Das 3 D – Prinzip. “Das heißt bei Amtshandlungen: Erst der Dialog und dann die Deeskalation. Fruchtet das nicht, kommt die Durchsetzung”, erläutert Preiß die vorgegebene Vorgangsweise. Niemand von der Polizei würde gleich von Beginn an mit Gewalt gegen Provokationen oder Attacken vorgehen. Wenn ein Polizist bei einer Amtshandlung gegen aggressive Täter verletzt wird, müsste man eigentlich von einem Rückhalt durch den Dienstgeber, das Innenministerium, ausgehen können. Auch rechtlich, wenn es zu falschen Beschuldigungen und Verleumdungen kommt.

Doch dem ist nicht so. “Wenn wir etwa Schmerzengeldforderungen beanspruchen, bekommen wir vom Dienstgeber keine rechtliche Vertretung. Das übernimmt dann unsere Gewerkschaft, die Anwälte stellt und Entschädigungen vom Bund einfordert”, ergänzt Preiß.

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bmiPolizeigewerkschafter Sandro Wehinger fordert härtere Strafen.

Polizeigewerkschafter Sandro Wehinger fordert in diesem Zusammenhang, dass das bestehende Strafausmaß stärker ausgenutzt wird. Er kritisiert, dass Widerstand oder tätliche Angriffe gegen Beamtinnen und Beamte oft nur mit Anzeigen auf freiem Fuß enden. Um die Sicherheit der Polizisten zu gewährleisten, plädiert Wehinger dafür, auch von einer Haftstrafe Gebrauch zu machen, insbesondere im Falle von Wiederholungstätern. Die Gewerkschaft fordert daher eine konsequente Verfolgung und Bestrafung von Gewalttätern gegenüber Polizisten.

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