Historische Villa ist neuer Standort für den carla Store in Bludenz: Retro-Charme trifft Secondhand

VN / 03.03.2026 • 15:30 Uhr
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Sabine (hier gemeinsam mit ihrer Sozialarbeiterin Gabi Kopf) arbeitet seit mehr als einem Jahr im carla Store. Bilder: VN/JUN

Der carla Store ist in die Gassner-Villa übersiedelt. Hier stehen Arbeitsintegration, Kreislaufwirtschaft und die 70er-Jahre im Mittelpunkt.

Bludenz Die historische Villa Richard Gassner ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Seit Montag ist das Privathaus für die Öffentlichkeit zugänglich, denn der carla Store hat hier Quartier bezogen.

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Die historische Gassner-Villa liegt an der Werdenbergerstraße, unweit des Rathauses.
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Auch die Pferdeställe werden genutzt.
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Im Rahmen eines moderierten „Wohnzimmer-Dialogs“ beleuchteten Getzner-Holding-CEO Markus Comploj, Christina Hörburger, ÖVP-Landtagsabgeordnete (Umwelt), Bürgermeister Simon Tschann, AMS-Geschäftsführer Bernhard Bereuter und Caritasdirektor Walter Schmolly (v. l.) die wachsende Kreislaufwirtschaft in Vorarlberg.

Jeder Raum ist mit viel Liebe zum Detail dekoriert. Standortleiterin Miriam Auer erklärt das Konzept: Die gelbe Verkaufstheke aus einem ehemaligen Schuhgeschäft stammt aus den 70er-Jahren. Um diese Theke herum ist die gesamte Einrichtung abgestimmt. Wer den carla Store betritt, fühlt sich in die 70er-Jahre zurückversetzt: Retro-Radios, alte Lederkoffer, Schreibmaschinen, Röhrenfernseher. „Wir haben nichts zugekauft, außer die Kleiderstangen“, betont Miriam Auer, gelernte Dekorateurin. Besonders stolz ist sie auf das Gobelinzimmer, in dem Kunden auch einen Kaffee trinken können. Hier hängen 107 Gobelinbilder, also bestickte Bilder, an den Wänden.

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Saisonale Dekorationsartikel finden Kunden im ehemaligen Pferdestall.
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carla-Mitarbeiter sammelten seit August Dekoration für den neuen Store.
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Im carla Store gibt es Damen- und Herrenkleidung, Heimtextilien, Kleinmöbel, Haushaltsgegenstände, Accessoires und Vintageartikel. Im ehemaligen Pferdestall kann man saisonale Dekoration kaufen. Kinderspielzeug und größere Möbel führt der Standort in Bludenz nicht mehr, da in der Gassner-Villa der Platz fehlt. Markus Comploj, Eigentümer der Gassner-Villa und CEO der Getzner Holding, bezeichnete den carla Store schon immer als „lässiges Projekt“. Als die alte Villa nach dem Tod der Bewohner im vergangenen Jahr leer stand und der carla Store zeitgleich neue Räumlichkeiten suchte, entstand die Idee einer Zusammenarbeit.

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Der Eingangsbereich des carla Stores befindet sich auf der straßenabgewandten Seite.
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Im obersten Stockwerk ist die Startbahn Bludenz angesiedelt.
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Hier können sich Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren handwerklich und kreativ ausleben.

Eine zweite Chance

13 Transitmitarbeiter arbeiten im carla Store in Bludenz, im Lager und in der Warenannahme, im Verkauf oder als Allrounder. Die carla Shops beschäftigen am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen. Die Caritas Vorarlberg arbeitet dabei mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) zusammen. Menschen, die es schwer haben, eine Stelle zu finden, können in den carla Shops vorübergehend arbeiten. Sozialarbeiter unterstützen sie bei der Jobsuche.

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Im zweiten ehemaligen Pferdestall kann man gebrauchte Ware abgeben.
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Hier befindet sich das Lager.
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Standortleiterin Miriam Auer hat ein Händchen für geschmackvolle Vintage-Dekoration.

Die carla Shops stehen zudem für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, denn sie verkaufen ausschließlich gut erhaltene, gebrauchte Ware. „In den carla Shops finden Menschen, Kleidungsstücke und Gebrauchtwaren eine zweite Chance. Hier wird geteilt und nachhaltig konsumiert“, sagt Caritasdirektor Walter Schmolly. Für ihn sei der neue Standort „stimmig und ein schönes Gesamtensemble“. Bürgermeister Simon Tschann spricht von einem großen Mehrwert für den Vorarlberger Süden, weil der carla Store nicht nur erhalten bleibt, sondern sogar näher an die Innenstadt rückt.

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Die Einrichtung wurde auf diese gelbe Theke abgestimmt.
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Die Dekoration in den Räumen ist nicht käuflich.

Zwei Frauen, zwei Geschichten

Sabine (58) arbeitet seit 2024 im carla Store und damit länger als ursprünglich vorgesehen. Sie erlitt mehrere kleinere Schlaganfälle, verlor Job und Wohnung. Für sie ist es wichtig, dass sie sich mit ihrem Job identifizieren kann, weshalb sie nicht mehr in einem Seniorenheim arbeiten wollte. „Das war für mich nicht mehr stimmig“, sagt Sabine. Über das AMS erhielt sie schließlich die Stelle bei carla. „Ich dachte, ich wäre für den Verkauf nicht geeignet. Doch das System hier hat mich sehr angesprochen. Mit und für Menschen arbeiten – das hat mir zugesagt. Ich fühle mich hier gut aufgehoben“, sagt Sabine.

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107 Gobelinbilder zieren die Wände.
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Im Gobelinzimmer kann man gemütlich eine Tasse Kaffee trinken.
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Hikmet macht im carla Store eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau im Textilbereich.

Hikmet (46) absolviert derzeit eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau im carla Store. Im Sommer schließt sie diese ab. Auch sie hat gesundheitliche Probleme: Brust- und Lymphknotenkrebs machten sie arbeitsunfähig. Hinzu kam ihre Scheidung. Aufgrund anhaltender Schmerzen kann sie nur noch eingeschränkt arbeiten. Dennoch gibt sie nicht auf und plant im Anschluss eine Ausbildung zur Buchhalterin. „Es war immer mein Traum, eine Lehre zu machen und zu lernen“, sagt sie. Sie hofft, auch nach der Ausbildung im carla Store bleiben zu können.

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70 Tonnen Kleidung pro Woche werden in Hohenems sortiert. Ein Teil dieser Damen- und Herrenkleidung kann man in Bludenz erwerben.
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Heimtextilien, Dekoration, Geschirr: Farblich ist alles aufeinander abgestimmt.
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Birgit Petermann von der Startbahn Bludenz sitzt auf einem sogenannten Ruhsack, einem Projekt, das gemeinsam mit der Kunstuniversität Linz umgesetzt wurde.

Am neuen Standort ist zudem das Jugendbeschäftigungsprogramm „Startbahn“ untergebracht. Es unterstützt junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren beim Einstieg ins Berufsleben durch praktische Arbeitserfahrung und individuelle Begleitung. „Diese Kombination schafft konkrete Perspektiven für junge und ältere, am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen in der Region.“ Für Markus Comploj war dies Grund genug für eine Revitalisierung der alten Villa. Die historische Substanz blieb erhalten, gleichzeitig entstanden moderne, helle Verkaufs- und Arbeitsräume.

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Die Jugendlichen können zur Startbahn kommen, wenn sie Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder in der Schule benötigen.
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Bei der Eröffnung waren zahlreiche Gäste anwesend.
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Der Kleidung wird ein zweites Leben gegeben.
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Alte Koffer, ein Röhrenfernseher: Die Dekoration ist bis ins Detail abgestimmt.
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Caritasdirektor Walter Schmolly (r.) und AMS-Geschäftsführer Bernhard Bereuter (l.).
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