Vorarlberger Igelpfleger treffen sich in Lustenau – und geben Gartenbesitzern Tipps

Mit steigenden Temperaturen beginnen Arbeiten im Garten – zum Leidwesen vieler Tiere.
Lustenau Am Wochenende trafen sich engagierte Igelpfleger aus ganz Vorarlberg bei Sabine Matt in Lustenau. Wie rund zehn weitere Privatpersonen kümmert sie sich zu Hause um kranke und unterernährte Igel und hilft ihnen, den Winter zu überstehen. In Lustenau tauschten sie sich über ihre Erfahrungen aus, diskutierten die wachsenden Herausforderungen für Igel in der Region und gaben Tipps, wie jeder mit einfachen Mitteln zum Schutz dieser Tiere beitragen kann.

Lebensraum für Igel schwindet
Früher konnten Igel deutlich älter werden, heute liegt ihre Lebenserwartung nur noch bei drei bis vier Jahren. “Der Lebensraum der Igel wird zunehmend durch den Menschen zerstört. Sie finden immer weniger Nahrung, was ihr Immunsystem schwächt. Zudem sind sie in Gärten Pestiziden ausgesetzt”, erklärt Krimhild Böttig, Igelpflegerin aus Fußach. Auch Rasenroboter stellen eine Gefahr für die stacheligen Gartenbewohner dar. “Wenn der Roboter mäht, dann bitte nur tagsüber”, appelliert Böttig. Besonders ab Mai, wenn Mutterigel mit ihren Jungen unterwegs sind, werden Mähroboter zur tödlichen Falle. Die Igelpfleger verfolgen ein gemeinsames Ziel: den Igeln zu helfen. “Sie sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Ohne uns hätten viele keine Überlebenschance”, betont Böttig.

Rückzugsorte für Igel schaffen
Sabine Matts Garten zeigt, wie einfach es sein kann, zu helfen: Ein paar wilde Ecken, in denen Laub und Äste liegen bleiben, bieten ideale Rückzugsorte. “Bäume müssen zwar jetzt geschnitten werden, aber Stauden und Gräser sollten möglichst erst ab Mitte April zurückgeschnitten werden, darin überwintern viele Insekten”, erklärt Matt. Igel, die zu spät in den Winterschlaf finden, bekommen von den Helfern selbst gebaute Igelhäuser, die im Garten aufgestellt werden. “Wir bauen die Häuschen selbst, weil viele im Handel angebotene Modelle ungeeignet sind und von den Tieren nicht angenommen werden”, sagt Hichsfi Küng aus Fußach, die derzeit 35 Igel pflegt. Ihre Kollegin Juliane Isele aus Lauterach betreut 23 Igel im Garten und einen weiteren im Haus, der noch krank ist. Häufig sind die Tiere von Milben oder Zecken befallen. “Bei starkem Milbenbefall verlieren die Igel ihre Stacheln, was sie noch anfälliger macht”, erklärt Matt. Die Pflege der kranken Tiere ist zeitintensiv, doch die Helfer nehmen diese Aufgabe gerne an. Gemeinsam mit der Wildtierhilfe setzen sie sich für das Überleben der Igel ein.

Was tun bei einem kranken oder umherirrenden Igel?
Wer unter Tags einen umherlaufenden Igel sieht, sollte das Tier sichern. “Igel sollten jetzt eigentlich noch schlafen. Wenn sie unterwegs sind, sind sie wahrscheinlich krank”, erklärt Juliane Isele. Im ersten Schritt sollte die Notfallnummer der Wildtierhilfe gewählt werden, die dann den Kontakt zu den elf Igelpflegern in Vorarlberg herstellt. Bis die Igelpfleger vor Ort sind, sollte man den Tieren nichts einflößen. Es genügt, eine Schale Wasser sowie hochwertiges Katzenfutter oder weiches Rührei bereitzustellen. Die Igelhelfer möchten den Tieren einen Lebensraum bieten, in dem sie überleben können. Eine Anleitung für den Bau eines Igel- und Futterhauses ist auf der Homepage der Igelfreunde für ganz Österreich zu finden. Die Futterhäuser, bestückt mit Soldatenfliegenlarven oder hochwertigem Katzenfutter, sollten in einem igelfreundlichen Garten nicht fehlen. Zusätzlich sind verschiedene Wasserstellen im Garten wichtig, nicht nur für Igel, sondern für alle Tiere. Gemeinsam betreuen die Vorarlberger Igelpfleger rund 90 stachelige Tiere und bieten ihnen Schlaf- und Futterplätze. BVS




