Tschaggunser Auwald soll im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme gerodet werden

Die illwerke vkw planen gewässerökologische Maßnahmen an der Ill. In Tschagguns regt sich Widerstand gegen die dafür vorgesehene Rodung eines Auwalds.
Tschagguns Der schützenswerte Auwald auf Tschaggunser und Schrunser Gemeindegebiet soll auf einer Fläche von zwei Hektar und einer Länge von 800 Metern gerodet werden. Damit werde ein Naherholungsgebiet für die Einheimischen und der Lebensraum von zahlreichen Tieren zerstört. Auch der Fußweg zwischen Radweg und Ill falle der Rodung zum Opfer. Aus Sicht von Michael Mangeng und Tanja Ganahl wurde das Vorhaben nicht ausreichend kommuniziert, weshalb sie zu einer Bürgerinformation luden.


30 Tschaggunser versammelten sich im betreffenden Waldabschnitt. Die Rodung sei laut Initiatoren eine Ersatzmaßnahme der illwerke vkw. Sie kritisieren, dass sich durch die geplante Verdoppelung der Flussbreite das Gewässer stärker aufheizt und Fische verenden könnten. Dabei wollen die illwerke vkw das Flussbett eben genau wegen der Fische aufweiten.


Noch wurde das Projekt nicht eingereicht; naturschutz- und forstrechtliche Gutachten stehen aus. „Ein riesiges Naherholungsgebiet ist in Gefahr“, sagte Anrainer Franz Wachter und fragte sich, warum die „Renaturierung“ ausgerechnet auf diesen 800 Metern erfolgen müsse, obwohl die Ill 40 Kilometer lang ist. „Noch können wir uns dagegen wehren“, sagte Tanja Ganahl. Michael Mangeng kritisierte, dass das Projekt „einfach stillschweigend durchgeboxt“ werde.


„Es ist ein schützenswerter Raum“, ist auch Reinhard Sirowy der Meinung. Ökologisch sinnvoll fand keiner der Anwesenden die Rodung. „Eine Frechheit“, schimpfte Sirowy. Für was genau die Ersatzmaßnahme sein soll, ist den Tschaggunsern schleierhaft. „Gegen den Hochwasserschutz sind diese Maßnahmen nicht“, ist Michael Salzgeber überzeugt.


Dem Bürgermeister ist das Projekt bekannt
Der Bürgermeister von Tschagguns, Gerhard Vonier, weiß über die vorgesehenen Maßnahmen Bescheid: „Das Projekt wurde den Gemeinden Schruns und Tschagguns bereits im Jahr 2022 vorgestellt.“ Im Herbst 2022 fand zudem eine mündliche Verhandlung statt, die laut Vonier öffentlich war und ordnungsgemäß kundgemacht wurde.


„Uns ist bewusst, dass der betroffene Auwald für viele Bürger ein wertvolles Natur- und Erholungsgebiet darstellt. Entsprechend nehmen wir die geäußerten Bedenken sehr ernst. Der Schutz der Natur, die Interessen der Bevölkerung sowie die Hochwassersicherheit müssen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden“, teilt Vonier mit. Die Gemeinde stehe dazu im Austausch mit den illwerken vkw und den zuständigen Fachstellen des Landes und wolle bei Neuigkeiten die Bevölkerung informieren.

Naturschutzanwältin Katharina Lins findet eine gewässerökologische Verbesserung der Ill „grundsätzlich gut“, aber man könne „nicht auf der einen Seite eine Verbesserung erreichen wollen und gleichzeitig einen anderen Lebensraum kaputtmachen“. Auwälder seien wichtige Biotope, „von denen wir in Vorarlberg den größten Teil schon verloren haben“.


Das sagen die illwerke vkw
Gottfried Gökler, Projektverantwortlicher bei den illwerken vkw, erklärt, dass die Kraftwerke laut einer EU-Vorgabe verpflichtet seien, diese gewässerökologischen Maßnahmen für Schwall und Sunk, also den täglich schwankenden Wasserpegel durch den Kraftwerksbetrieb, bis Ende 2027 umzusetzen.


Durch das breitere Flussbett kann der Wasserspiegel sanft ansteigen und absinken, sodass sich Fische und andere Wasserbewohner rechtzeitig in andere Gewässer zurückziehen können und nicht austrocknen. Die Tiere sollen stabile Habitate vorfinden. Auch an neue Laichplätze wird gedacht. Durch die Schotterbänke seitlich des Fließgewässers wird zudem der Hochwasserschutz verbessert. Die Maßnahmen wurden mit der Boku Wien abgestimmt, die nach Prüfung der gesamten Ill-Strecke diesen Abschnitt als am geeignetsten bewertet hat.


Neben einem neuen Bachbettverlauf entsteht eine neue Uferstruktur mit Sukzessionsflächen, Kiesbänken und Böschungen. Dadurch wird der direkte Zugang zum Wasser für die Bevölkerung erleichtert. Vorgesehen ist weiterhin ein natürlich angelegter Pfad entlang der Ill.


2022 wurden bei der mündlichen Verhandlung zusätzliche terrestrische Ausgleichsmaßnahmen gefordert. Für die Verbreiterung des Flussbetts müssen zwei Hektar Auwald gerodet werden. Ersatzpflanzungen sind entlang der Ill vorgesehen, jedoch nicht zusammenhängend und nicht im vollen Umfang. Die größte Fläche befindet sich im Bereich des Rifa-Beckens in Partenen. Insgesamt wollen die illwerke vkw 4000 Quadratmeter Auwald neu pflanzen.


„Mit diesen Adaptierungen gehen wir ins Rennen“, sagt Gökler. Nach Eingang der Stellungnahmen entscheidet die Bezirkshauptmannschaft; bei Genehmigung soll die Umsetzung in der nächsten Niedrigwasserperiode erfolgen.




Die Initiatoren haben bereits eine Petition gegen die Rodung des Auwaldes ins Leben gerufen: https://www.openpetition.eu/at/petition/online/rettet-den-auwald-in-schruns-tschagguns#petition-main