Tschaggunser Auwald soll im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme gerodet werden

VN / 04.03.2026 • 16:07 Uhr
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Michael Mangeng und Tanja Ganahl wehren sich gegen die Rodung des Auwalds und haben eine Petition gestartet. Bilder: VN/JUN

Die illwerke vkw planen gewässerökologische Maßnahmen an der Ill. In Tschagguns regt sich Widerstand gegen die dafür vorgesehene Rodung eines Auwalds.

Tschagguns Der schützenswerte Auwald auf Tschaggunser und Schrunser Gemeindegebiet soll auf einer Fläche von zwei Hektar und einer Länge von 800 Metern gerodet werden. Damit werde ein Naherholungsgebiet für die Einheimischen und der Lebensraum von zahlreichen Tieren zerstört. Auch der Fußweg zwischen Radweg und Ill falle der Rodung zum Opfer. Aus Sicht von Michael Mangeng und Tanja Ganahl wurde das Vorhaben nicht ausreichend kommuniziert, weshalb sie zu einer Bürgerinformation luden.

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Mit blauen Punkten markiert ist der Bereich, der gerodet werden soll.
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Vorher/Nachher-Vergleich

30 Tschaggunser versammelten sich im betreffenden Waldabschnitt. Die Rodung sei laut Initiatoren eine Ersatzmaßnahme der illwerke vkw. Sie kritisieren, dass sich durch die geplante Verdoppelung der Flussbreite das Gewässer stärker aufheizt und Fische verenden könnten. Dabei wollen die illwerke vkw das Flussbett eben genau wegen der Fische aufweiten.

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Circa 30 Tschaggunser versammelten sich im betreffenden Waldabschnitt, der bald Geschichte sein soll.
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Martin Müller hat die Dezibelzahl gemessen, die mit oder ohne Baumbestand stark variiert.

Noch wurde das Projekt nicht eingereicht; naturschutz- und forstrechtliche Gutachten stehen aus. „Ein riesiges Naherholungsgebiet ist in Gefahr“, sagte Anrainer Franz Wachter und fragte sich, warum die „Renaturierung“ ausgerechnet auf diesen 800 Metern erfolgen müsse, obwohl die Ill 40 Kilometer lang ist. „Noch können wir uns dagegen wehren“, sagte Tanja Ganahl. Michael Mangeng kritisierte, dass das Projekt „einfach stillschweigend durchgeboxt“ werde.

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Reinhard Sirowy findet die Rodung “eine Frechheit”.
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Tanja Ganahl zeigt, auf welchem Flussabschnitt der Baumbestand schrumpfen wird.

„Es ist ein schützenswerter Raum“, ist auch Reinhard Sirowy der Meinung. Ökologisch sinnvoll fand keiner der Anwesenden die Rodung. „Eine Frechheit“, schimpfte Sirowy. Für was genau die Ersatzmaßnahme sein soll, ist den Tschaggunsern schleierhaft. „Gegen den Hochwasserschutz sind diese Maßnahmen nicht“, ist Michael Salzgeber überzeugt.

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Dieser Naturpfad wird es in seiner jetzigen Form auch nicht mehr geben.
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Laut illwerke vkw wird es aber einen durchgehenden Auwald-Streifen im Böschungsbereich weiterhin geben.

Dem Bürgermeister ist das Projekt bekannt

Der Bürgermeister von Tschagguns, Gerhard Vonier, weiß über die vorgesehenen Maßnahmen Bescheid: „Das Projekt wurde den Gemeinden Schruns und Tschagguns bereits im Jahr 2022 vorgestellt.“ Im Herbst 2022 fand zudem eine mündliche Verhandlung statt, die laut Vonier öffentlich war und ordnungsgemäß kundgemacht wurde.

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Der Pfad spendet gerade im Sommer Schatten.
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Immer wieder kann man ans Flussufer. Das soll auch nach den gewässerökologischen Maßnahmen so bleiben.

„Uns ist bewusst, dass der betroffene Auwald für viele Bürger ein wertvolles Natur- und Erholungsgebiet darstellt. Entsprechend nehmen wir die geäußerten Bedenken sehr ernst. Der Schutz der Natur, die Interessen der Bevölkerung sowie die Hochwassersicherheit müssen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden“, teilt Vonier mit. Die Gemeinde stehe dazu im Austausch mit den illwerken vkw und den zuständigen Fachstellen des Landes und wolle bei Neuigkeiten die Bevölkerung informieren.

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Der Radweg bleibt bestehen.

Naturschutzanwältin Katharina Lins findet eine gewässerökologische Verbesserung der Ill „grundsätzlich gut“, aber man könne „nicht auf der einen Seite eine Verbesserung erreichen wollen und gleichzeitig einen anderen Lebensraum kaputtmachen“. Auwälder seien wichtige Biotope, „von denen wir in Vorarlberg den größten Teil schon verloren haben“.

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Das Flussbett soll doppelt so breit werden.
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Die Initiatoren Michael Mangeng und Tanja Ganahl bei der gemeinsamen Begehung mit Michael und Linda Salzgeber (r.) sowie Oswald Geiger (Mitte).

Das sagen die illwerke vkw

Gottfried Gökler, Projektverantwortlicher bei den illwerken vkw, erklärt, dass die Kraftwerke laut einer EU-Vorgabe verpflichtet seien, diese gewässerökologischen Maßnahmen für Schwall und Sunk, also den täglich schwankenden Wasserpegel durch den Kraftwerksbetrieb, bis Ende 2027 umzusetzen.

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Das Illufer ist ein Naherholungsgebiet für die Einheimischen.
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In Zukunft soll es hier Schotterbänke an beiden Seiten geben, die zum Verweilen einladen sollen.

Durch das breitere Flussbett kann der Wasserspiegel sanft ansteigen und absinken, sodass sich Fische und andere Wasserbewohner rechtzeitig in andere Gewässer zurückziehen können und nicht austrocknen. Die Tiere sollen stabile Habitate vorfinden. Auch an neue Laichplätze wird gedacht. Durch die Schotterbänke seitlich des Fließgewässers wird zudem der Hochwasserschutz verbessert. Die Maßnahmen wurden mit der Boku Wien abgestimmt, die nach Prüfung der gesamten Ill-Strecke diesen Abschnitt als am geeignetsten bewertet hat.

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Zu Fuß im Auwald. Komplett kompensiert wird er laut illwerke vkw nicht. Es wird aber Ersatzpflanzungen geben.
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In Zukunft werde ein neuer Pfad errichtet.

Neben einem neuen Bachbettverlauf entsteht eine neue Uferstruktur mit Sukzessionsflächen, Kiesbänken und Böschungen. Dadurch wird der direkte Zugang zum Wasser für die Bevölkerung erleichtert. Vorgesehen ist weiterhin ein natürlich angelegter Pfad entlang der Ill.

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Bis ungefähr zu diesem Strommast soll das Flussbett verbreitert und der Auwald gerodet werden.
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Bis die Bäume nachwachsen, dauert es Jahrzehnte.

2022 wurden bei der mündlichen Verhandlung zusätzliche terrestrische Ausgleichsmaßnahmen gefordert. Für die Verbreiterung des Flussbetts müssen zwei Hektar Auwald gerodet werden. Ersatzpflanzungen sind entlang der Ill vorgesehen, jedoch nicht zusammenhängend und nicht im vollen Umfang. Die größte Fläche befindet sich im Bereich des Rifa-Beckens in Partenen. Insgesamt wollen die illwerke vkw 4000 Quadratmeter Auwald neu pflanzen.

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Projektverantwortlicher Gottfried Gökler erklärt, warum die illwerke vkw diese Maßnahmen umsetzen muss.
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So sieht die Planung aus.

„Mit diesen Adaptierungen gehen wir ins Rennen“, sagt Gökler. Nach Eingang der Stellungnahmen entscheidet die Bezirkshauptmannschaft; bei Genehmigung soll die Umsetzung in der nächsten Niedrigwasserperiode erfolgen.

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Hier ist auch der neue Wanderpfad und sein Verlauf gekennzeichnet.
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Ein Querschnitt des neuen Flussufers.
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Beispiele, wie die Ill und ihr Ufer nach den gewässerökologischen Maßnahmen aussehen könnten.
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Der Zugang zum Wasser soll erleichtert werden.

Die Initiatoren haben bereits eine Petition gegen die Rodung des Auwaldes ins Leben gerufen: https://www.openpetition.eu/at/petition/online/rettet-den-auwald-in-schruns-tschagguns#petition-main