Viele Hütten sind an den Wochenenden bereits jetzt ausgebucht: Das Problem mit den Mehrfachbuchungen und was Hüttenwirte dazu sagen

Viele Alpenvereinshütten sind an Sommerwochenenden bereits ausgebucht. Mehrfachreservierungen und No-Shows stellen Hüttenwirte vor Herausforderungen.
von Julia Böcken, Isabel Lochbühler und Franziska Eckert
Region Wer im Sommer ein Hüttenwochenende plant und noch keine Unterkunft gebucht hat, könnte bereits zu spät dran sein. Viele Hütten sind an den Samstagen im Juli und August bereits ausgebucht. Der anhaltend hohe Zulauf auf die Alpenvereinshütten zeigt, wie beliebt das Wandern in den Bergen ist. Eine Entwicklung, die der Alpenverein Vorarlberg begrüßt.

„Dass unsere Schutzhütten des Alpenvereins Vorarlberg bereits jetzt an vielen Samstagen im Juli und August ausgebucht sind, zeigt genau diese große Begeisterung. Besonders die Wochenenden in der Hauptsaison werden schon seit mehreren Jahren sehr lange im Voraus gebucht“, sagt Geschäftsführer Michael Mathis. „Dass Gäste heute früher buchen als noch vor einigen Jahren, ist ein Trend, den wir beobachten“, so Mathis. Planungssicherheit sei vielen Menschen wichtiger geworden.


Ein Problem seien Mehrfachbuchungen. „Dieses Thema beschäftigt nicht nur uns, sondern viele alpine Regionen“, sagt Mathis. Gemeinsam mit den anderen alpinen Vereinen arbeite man an einer Lösung, um Mehrfachreservierungen entgegenzuwirken, etwa durch Anzahlungen, wie sie in benachbarten Ländern bereits erfolgreich praktiziert werden. Ziel sei es, die Planungssicherheit für Hütten und Gäste gleichermaßen zu erhöhen.

Daher gibt es Stornoregelungen, die auf den jeweiligen Hütten-Websites angeführt werden. „Bei uns sind diese klar kommuniziert und werden von unseren Hüttenwirten konsequent und einheitlich gehandhabt“, betont Mathis. Durch Stornierungen werden immer wieder Plätze frei. Ein regelmäßiger Blick ins Reservierungssystem lohnt sich.

Markus Jankowitsch, Hüttenwirt der Tilisunahütte, kennt das Problem mit den Mehrfachbuchungen und der „Schönwetterbucher“, die mehrmals in der Saison buchen und letztlich nur einmal kommen. „Seit wir 2018 das Stornosystem eingeführt haben, hat sich dieses Problem ein wenig gebessert“, resümiert der Hüttenwirt. Die No-Shows seien zwar deutlich zurückgegangen, aber damit „zu kämpfen haben wir immer noch.“ Jankowitsch führt das Nichterscheinen zum Teil auf eine lasche Tourenplanung zurück. „Die virtuelle Planung entspricht oft nicht der Realität.“ Eine kostenlose Stornierung bis spätestens 72 Stunden vorher hält Jankowitsch für fair. „Die vakanten Plätze können oft nicht nachbesetzt werden. Das ist mir vergangenen Sommer öfter passiert. Da hast du mitunter am Samstag 30 freie Plätze.“

Viele Gäste würden die Stornoregelung akzeptieren, bei einigen stoße sie jedoch auf Unverständnis. „Das spiegelt sich dann in den Google-Bewertungen und in einem zum Teil sinnlosen Mailverkehr wider.“ Für Jankowitsch lasse sich das Problem nur mit finanziellen Konsequenzen lösen. „Am besten würden die Reservierungen funktionieren, wenn wir eine Anzahlung verlangen würden.“ Die Freiburger Hütte ist bereits einen Schritt weiter. Für eine Reservierung ist eine vollständige Adresse sowie eine Anzahlung von 20 Euro pro Person und Tag erforderlich. Erfolgt keine rechtzeitige Stornierung, spätestens vier Tage vor dem Ankunftsdatum, wird die Anzahlung einbehalten.

Auch auf der Lindauer Hütte ist das Thema Mehrfachbuchungen präsent, wenn auch weniger stark als auf manch anderen Alpenvereinshütten. Für Hüttenwirtin Nadja Köberle ist allerdings schwer nachvollziehbar, wie viele Absagen tatsächlich auf Doppelreservierungen zurückgehen. Das Reservierungssystem zeigt zwar Mehrfachbuchungen an, unterscheidet jedoch nicht zwischen mehreren Buchungen an einem Tag und einer gesamten Tourenplanung mit einem Log-in. Die bestehenden Stornogebühren führen laut Köberle dazu, dass Gäste ihre Reservierungen in der Regel rechtzeitig überdenken. Werden Plätze frei, können Interessierte über eine Warteliste nachrücken.

Seit Sommer 2025 kann man einen Schlafplatz auf der Neuen Heilbronner Hütte über das Hut-Reservation-System buchen. Die Hürden und der Aufwand sind dadurch geringer, man muss keinen Kontakt hinterlassen. Bereits jetzt sind die Wochenenden und die Tage unter der Woche gut gebucht. Hüttenwirtin Olivia Immler bemerkt jedoch, dass viele Reservierungen „auf gut Glück“ erfolgen.

Auffallend sei auch, dass die Wanderer knausriger geworden seien. Sie hätten hohe Ansprüche an die Hütte, wollen dafür aber nicht mehr bezahlen. „Wir Hüttenwirte leben von der Gastronomie, vom Konsum“, sagt Immler. Die Einnahmen aus den Nächtigungen gehen überwiegend an die Sektion. Mit No-Shows hätte Immler kein Problem: Die meisten Wanderer sagen rechtzeitig ab.