So rettete er ein zehnjähriges Mädchen aus dem eiskalten Wasser eines Speichers

Ein Kind sank bis zum Hals beim schlammigen Speichersee in Hirschegg ein. Sein Retter kam zur rechten Zeit – mit einem ungewöhnlichen Hilfsmittel.
Mittelberg Der Kleinwalsertaler Ernst Fröschle ist nicht nur Wanderführer, sondern auch Seelsorger und Lektor der evangelischen Kirche. Das menschliche Wohl liegt ihm naturgemäß sehr am Herzen. Und das hat er am vergangenen Mittwochnachmittag eindrucksvoll bewiesen – indem er womöglich ein junges Leben rettete.

Es war gegen 15 Uhr, als der Kleinwalsertaler mit seinem Hund “Timmy” in Richtung des Rohrsees (Speicher) nahe seines Wohnhauses Gassi ging. “Für uns eigentlich keine gewöhnliche Route”, wie Fröschle im Gespräch mit den VN bemerkte. Doch an jenem Tag ein glücklicher Zufall.

“Da bemerkte ich zwei kleine Mädchen, die beim Teich spielten. Ich weiß, dass an diesem Ort großes Gefahrenpotenzial herrscht. Deshalb wollte ich meinen Hund nach Hause bringen und wieder zurückgehen, um die Kinder zu ermahnen, von dort wegzugehen.”
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Die Situation sofort erkannt
Kurz darauf sei eines der Mädchen verzweifelt zu einem Passanten mit Wanderstöcken gelaufen. “Dann sah ich, dass eines der Kinder in den See gestürzt war. Jetzt war schnelles Eingreifen vonnöten. Das Wasser ist dort eiskalt und würde einem Kind innerhalb von zehn Minuten die Kräfte rauben. Und aus einem Bergungsversuch mit Wanderstöcken wird in dieser Situation nichts, dachte ich mir und eilte zurück nach Hause. Noch auf dem Rückweg überlegte ich mir, einen Gurt anzulegen und mich zum Wasser abzuseilen. Doch dann fiel mir der Schneeschieber für meine Solarpaneele ein, eine bis zu acht Meter ausziehbare Teleskopstange.”

Fröschle schnappte sich den Schieber und zog ihn in die Länge, während er zum Ufer des Speichers eilte. “Dort legte ich mich auf die Mauer und ließ die Stange zum Mädchen runter, das sich dort bis zum Hals im Wasser befand. Es war sehr schlammig dort, weshalb das Kind feststeckte. Das Mädchen packte den Schieber und ich konnte es heraufziehen.” Kurz darauf trafen die vom Wanderer bereits alarmierten Rettungskräfte vor Ort ein und nahmen sich des geretteten, bereits unterkühlten Mädchens an.
“Eine Selbstverständlichkeit”
Für Fröschle war seine Tat eine Selbstverständlichkeit. Er möchte jedoch auf das Gefahrenpotenzial, das dieser Speichersee, dessen Ufer zwar von einer Korbmauer umgeben ist, aufmerksam machen. “Da er sehr oft von Leuten frequentiert wird, sollte man sich Gedanken über mehr Sicherheitsmaßnahmen an diesem Ort machen”, so der Kleinwalsertaler.