Die Notwendigkeit von Anerkennung steht außer Zweifel

Kultur / 06.03.2026 • 17:00 Uhr
Die Notwendigkeit von Anerkennung steht außer Zweifel
Im Jahr 2025 wurde die Theatermacherin und Kunstvermittlerin Brigitte Walk mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Die Anerkennungspreise gingen an die Künstlerin Christine Lederer und den Musiker Martin Schelling. Museumsleiter Hanno Loewy wurde mit dem Sonderpreis der Jury gewürdigt. VN/Paulitsch

Kunst- und Kulturpreis der Vorarlberger Nachrichten in Zusammenarbeit mit der Wiener Städtischen Versicherung wird wieder vergeben. Die Jury tagt.

Schwarzach „Eigentlich möchte ich die Floskel ‚in Zeiten wie diesen‘ gar nicht benützen, doch allein die neue Zuverdienstregel neben dem AMS-Bezug bedroht einmal mehr die Arbeitsrealität von Künstlerinnen und Künstlern. Vielleicht ist es ja erwünscht, dass Arbeiten für Kunst- und Kulturschaffende finanziell immer unattraktiver wird und sie aus ihrem erlernten Beruf aussteigen. Preise und Auszeichnungen können die prekäre Lage nicht kompensieren, aber sie sind ein wichtiges Signal und machen Hoffnung, dass außer Zweifel steht, wie notwendig materielle Anerkennung für künstlerisches und kulturelles Schaffen sind und bleiben.“ Barbara Herold benennt mit ihrem aktuellen Zitat Wesentliches, das die Jury des Kunst- und Kulturpreises der VN und der Wiener Städtischen neben der Erstellung der Nominierungsliste für die diesjährige Preisvergabe beschäftigt. Sabine Benzer verweist auf eine Aussage des Schriftstellers Daniel Kehlmann, die für sie zutreffend ist. Auf die Frage nach der Wirkung von Kunst in unsicheren Zeiten betonte Kehlmann, dass die Kunst immer schon eine Schule der Aufmerksamkeit und Empathie sowie eine Begegnung mit Geist, Schönheit und Witz ist.

Aufgabe der Jury

Die Jury ist mit fünf Expertinnen und Experten besetzt, die in der ersten Sitzung eine Nominierungsliste mit würdigen Preisträgerinnen und Preisträgern erstellt. Dem wertschätzenden Umgang mit Künstlerinnen und Künstlern entsprechend, fällt die Entscheidung erst nach mehreren Zusammenkünften bzw. Diskussionsrunden. Aktuell sind die Regisseurin und Autorin Barbara Herold, der Komponist und Universitätsprofessor Richard Dünser, die Galeristin Lisi Hämmerle sowie die Kulturvermittlerin und Autorin Sabine Benzer mit der Projektleiterin und Kulturjournalistin Christa Dietrich im Team.

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Projektleiterin und Kulturjournalistin Christa Dietrich

Barbara Herold war an verschiedenen Bühnen, etwa dem Vorarlberger und Tiroler Landestheater, dem Münchner Volkstheater, dem Theater Ingolstadt oder an der Badischen Landesbühne als Regisseurin tätig. Sie hat zudem mit zahlreichen Theaterarbeiten in der Freien Szene reüssiert und wurde mehrfach ausgezeichnet. 2009 hat sie in Vorarlberg das Ensemble dieheroldfliri gegründet, für das sie neue Stücke entwickelt, verfasst und inszeniert hat. 

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Regisseurin und Autorin Barbara Herold

Die Werke (Solostücke, Kammermusik, Orchesterwerke und Opern) des Komponisten Richard Dünser wurden von bedeutenden Interpreten, Ensembles und Orchestern weltweit aufgeführt und liegen umfassend dokumentiert auf. Bei den Bregenzer Festspielen wurde seine Oper „Radek“ uraufgeführt. Neben seiner kompositorischen Tätigkeit unterrichtete Richard Dünser als Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz. 2024 wurde ihm das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen.

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Komponist und Universitätsprofessor Richard Dünser

Die Bregenzer Galeristin Lisi Hämmerle ist eine versierte Kennerin der Kunstszene sowie Kunstvermittlerin. Sie hat in den letzten Jahrzehnten gut 200 Einzel- und Gruppenausstellung organisiert und realisiert. Dazu kommen zahlreiche Messebeteiligungen im In- und Ausland bei denen sie unter anderem viele Vorarlberger Künstlerinnen und Künstler bekannt gemacht hat. 

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Galeristin Lisi Hämmerle

Zu den Publikationen von Sabine Benzer zählen „Kultur für alle. Gespräche über Verteilungsgerechtigkeit und Demokratie in Kunst und Kultur“ sowie der neue Band „(Kultur)Arbeit der Zukunft“. Die Kunstvermittlerin und Autorin ist auch als Pädagogin tätig und ist als Geschäftsführerin im Feldkircher Theater am Saumarkt kenntnisreiche Beobachterin des Kulturgeschehens.

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Kulturvermittlerin und Autorin Sabine Benzer

Vierte Preisvergabe

Der Preis wird heuer zum vierten Mal vergeben. Gewidmet ist er in Vorarlberg professionell tätigen Personen oder Gruppierungen für herausragende Arbeiten und Projekte aus dem Bereich der bildenden Kunst, der Musik, der Literatur, der darstellenden Kunst, des Filmschaffens sowie der Kunstvermittlung. Neben der Fokussierung auf eine spezielle Leistung und die hohe Qualität der Werke, der Produktionen und Projekte, hat die Jury mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Zu diesen zählen unter anderem die Nachhaltigkeit und die thematische Relevanz der künstlerischen Arbeiten und Projekte sowie Arbeiten und Projekte, die im Besonderen zur Entwicklung von Kultureinrichtungen in der Region beitragen.

Interessante Termine

Vom Jurymitglied Richard Dünser wurde am 6. März in Konstanz ein Konzert für Klavier zu vier Händen und Orchester nach einem Quartett von Johannes Brahms uraufgeführt. Die österreichische Erstaufführung dieser Komposition findet am 16. April im Großen Musikvereinssaal in Wien statt. Für das Ensemble plus (dem 2023 der Anerkennungspreis des Kunst- und Kulturpreises verliehen wurde) schreibt Dünser ein weiteres Werk. Zudem hat er vom Symphonieorchester Vorarlberg einen Kompositionsauftrag bekommen.

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Die Künstlerin Christine Lederer, hier in ihrem Atelier in Bludenz, kuratiert nun die Ausstellungen in der Remise Bludenz. C. Dietrich
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Arbeiten von Christine Lederer (Anerkennungspreisträgerin 2025) werden in Zürich und Wien gezeigt. Reinhard Muxel

Neues gibt es auch von den früheren Preisträgern zu berichten. Die bildende Künstlerin Christine Lederer (Anerkennungspreisträgerin im Jahr 2025) stellt derzeit neue Arbeiten in der Anna Helwing Gallery in Zürich aus. Die Albertina in Wien präsentiert ab 11. März eines ihrer Werke und zudem ist sie Kuratorin im Kunstraum Remise in Bludenz, wo neuerdings Arbeiten von Mari Iwamoto zu sehen sind. Die Produktion „Maria, ein Roadmovie“ von Brigitte Walk (Hauptpreisträgerin 2025) steht wegen des Erfolgs erneut in Vorarlberg auf dem Programm, und zwar am 9. und 10. April im Alten Hallenbad in Feldkirch und am 11. und 12. April im Salomon-Sulzer-Saal in Hohenems.

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Die Produktion „Maria, ein Roadmovie“ von Brigitte Walk (Hauptpreisträgerin 2025) steht in Vorarlberg wieder auf dem Programm. Sarah Mistura
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Szene aus „Maria, ein Roadmovie“ von Brigitte Walk. Die Produktion läuft noch in Feldkirch und Hohenems. Sarah Mistura

Partner

Die Verleihung des Kunst- und Kulturpreises ist heuer wieder im Mai vorgesehen. Hauptpartner der Vorarlberger Nachrichten ist die Wiener Städtische Versicherung Vorarlberg. Unterstützer sind das Porsche Zentrum Vorarlberg – Rudi Lins, das Seehotel am Kaiserstrand und die Huber Uhren Schmuck GmbH. CD

kunstkultur.vn.at