Maryna Liapina floh mit 44 Tieren von der Ukraine nach Österreich

Der Krieg trieb sie mit vielen Hunden und Katzen zu einer herausfordernden Flucht bis nach Vorarlberg.
Darum geht’s:
- Maryna Liapina engagiert sich seit der Fußball-Europameisterschaft im Jahr 2012 für Straßenhunde in der Ukraine.
- Flucht mit Tieren nur dank vieler Helfer möglich.
- Noch immer versucht sie Tiere aus der Ukraine zu retten.
Klaus Maryna Liapina ist zu Kriegsbeginn in der Ukraine mit über 40 Tieren nach Österreich geflohen. „Die meisten Hunde sind hilflos – wir können sie nicht im Stich lassen“, sagt die 38-Jährige aus Kiew, die nun in Klaus wohnt.

Die Anfänge
Liapina wuchs mit Hunden auf und zählt sie zu ihrer Familie. Als die Ukraine gemeinsam mit Polen im Jahr 2012 die Fußball-Europameisterschaft (EM) ausrichten sollte, erlebte sie die Vorbereitungszeit in ihrem Heimatland als besonders schockierend. „Schon zwei Jahre davor begannen sie bei uns, unzählige Straßenhunde mit Gift zu töten“, erzählt die ausgebildete Kamerafrau und Fotografin. „Die Tierheime waren überfüllt.“

Ab diesem Zeitpunkt engagierte sie sich gemeinsam mit ihren Eltern für Hunde, indem sie sie von der Straße holten, medizinisch versorgten, sterilisierten, impften und bei sich wohnen ließen, bis sie ein Zuhause gefunden hatten. Die Kosten trugen sie selbst.

Der Krieg
Auch in den Jahren nach der Fußball-EM setzte sich Liapina fortlaufend für das Wohl der Tiere in der Ukraine ein. Sie half unter anderem in Tierheimen. Dort traf sie eines Tages auf zwei Personen, die für ihre spätere Flucht von zentraler Bedeutung werden sollten: eine Amerikanerin, die die Tierschutzinitiative „Transform a Street Dog“ gründete, sowie den Mitarbeiter eines Grazer Tierheims.
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Kurz vor Kriegsbeginn kümmerten sich Liapina und ihre Eltern um insgesamt 20 Tiere, für die sie noch kein Zuhause gefunden hatten. Zwei lebten bei ihr, neun bei ihren Eltern und die anderen waren in kostenpflichtigen Tierpensionen untergebracht.

„Ich hielt es für unmöglich, dass Krieg ausbrechen würde. Es fühlte sich surreal an, als im Februar 2022 die Anschläge in Kiew begannen“, erinnert sich Liapina. Rund zehn Tage verbrachte sie mit mehreren Personen und Tieren schutzsuchend in einem Keller.

Die Flucht
„Zu Beginn dachte ich, dass ich in Kiew festsitze, weil mich mit den Tieren keiner mitnehmen wollte – und ohne sie wäre ich niemals geflüchtet.“ Doch nach vielen Ablehnungen ergab sich tatsächlich eine Lösung: Das Grazer Tierheim, von dem sie damals einen Mitarbeiter kennengelernt hatte, erklärte sich bereit, Tiere aufzunehmen und ein Auto nach Kiew zu schicken. Und die Amerikanerin half bei der Bezahlung einer teuren einheimischen Transportmöglichkeit.

Liapina, ihre Eltern und all ihre Tiere flüchteten nicht allein an die polnische Grenze: Eine ukrainische Tierschützerin schloss sich mit ihrem Fahrzeug, ihren zwei Kindern und weiteren Tieren an. Auch andere Menschen, die in die Westukraine wollten, sowie Tiere von beispielsweise Nachbarn kamen hinzu. Am Ende bestand der Konvoi aus drei Fahrzeugen, 14 Personen, 39 Hunden und fünf Katzen.

Von der polnischen Grenze nach Graz reduzierte sich die Personenanzahl auf sechs. Zwar gab es mit den Tieren viele Herausforderungen, doch nach wenigen Tagen in der Steiermark wandte sich vieles zum Guten: Eine Kontaktperson vom Tierschutzverein Rankweil fand für die Geflüchteten ein temporäres Haus in Meiningen. 22 Tiere übergaben sie in die Obhut des Grazer Tierheimes. Der Rest – also sechs Personen, eine Katze und 16 Hunde – machte sich auf den Weg nach Vorarlberg. „Uns wurde immer wieder geholfen. Ich bin extrem dankbar dafür.“

Mittlerweile arbeitet Liapina Vollzeit in Vorarlberg und bringe noch immer viel Geld für den Tierschutz in der Ukraine aus privater Tasche auf. Zweimal kehrte sie seit Kriegsbeginn in ihr Heimatland zurück, um Tiere zu retten. Außerdem organisiert sie mitunter Kunstausstellungen, um Spenden zu sammeln.



Wer spenden, freiwillig helfen oder ein Tier adoptieren möchte, kann Maryna Liapina via Instagram unter „liapina_photography_art“ kontaktieren.