Pflegemama mit großem Herz: Patrizia nahm schon 43 Kinder bei sich auf

VN / 08.03.2026 • 05:00 Uhr
Pflegemama mit großem Herz: Patrizia nahm schon 43 Kinder bei sich auf
Patrizia hat in der Bereitschaftspflege Zwillinge im Alter von vier Wochen bekommen. Nun sind sie drei Monate alt. VN/Paulitsch

Wenn ihr Mann von der Arbeit heimkommt, kann es sein, dass plötzlich ein Kind mehr am Tisch sitzt.

Darum geht’s:

  • Bereitschaftspflege bietet Krisenbetreuung für Kinder bis zu 5 Jahren.
  • Manche Pflegekinder werden in ihre Herkunftsfamilien zurückgeführt.
  • Es werden vor allem Bereitschaftspflegefamilien in Vorarlberg gesucht.

Bregenz Mehr als 40 fremde Kinder fanden bei Patrizia bereits ein Zuhause – meist auf Zeit. Manche blieben für ein paar Tage, andere für mehrere Monate oder Jahre. Drei davon wurden für sie wie leibliche Kinder.

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Patrizia ist seit über 20 Jahren Pflege- und Bereitschaftspflegemutter.Roland Paulitsch

Dauer- und Bereitschaftspflege

Patrizia (52) – die ihren Nachnamen aufgrund des Persönlichkeitsschutzes meist auch nicht mit der Herkunftsfamilie ihrer Pflegekinder teilt – hat zwei leibliche Kinder im Erwachsenenalter. Als die beiden selbst noch Kinder waren, vor 23 Jahren, bekam sie ihr erstes Pflegekind: „Ich hatte Kapazität, weil ich nicht berufstätig war. Und ich bin einfach mit Leib und Seele Mama.“

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Muttersein erfüllt Patrizia von ganzem Herzen. VN

So kam es, dass sie über die Jahre hinweg – ihre aktuellen Schützlinge miteingerechnet – 38 Kinder in Bereitschaftspflege und fünf in Dauerpflege hatte. Bereitschaftspflege bedeutet, dass Kindern bis zum Alter von fünf Jahren in akuten Krisen ein vorübergehendes Zuhause geboten wird. Ältere kommen in die Auffanggruppe des Vorarlberger Kinderdorfes in Bregenz. Die Bereitschaftspflege kann von wenigen Stunden bis hin zu zwei Jahren dauern. Das Herausfordernde daran: Die Aufnahmen sind sehr spontan. „Wenn mein Mann von der Arbeit heimkommt, kann es sein, dass plötzlich ein Kind mehr am Tisch sitzt“, erzählt Patrizia. „Zum Glück teilt er meine starke elterliche Fürsorge.“

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Reporterin Katja Grundner (re.) im Gespräch mit Patrizia (Mitte) und Claudia Hinteregger-Thoma, Bereichsleiterin der Pflegekinderhilfe des Vorarlberger Kinderdorfes. VN

In der Dauerpflege sind die Kinder meist bis zu sechs Jahre alt und werden für einen längeren Zeitraum oder auf Dauer betreut. Ungefähr 20 Prozent davon werden wieder in ihre Herkunftsfamilie zurückgeführt. Von Patrizias fünf Pflegekindern musste sie sich von zweien wieder verabschieden. „Ich vergieße bei jedem Abschied Tränen, aber bei Pflegekindern ist es schlimmer. Denn da ist man nicht darauf eingestellt. In der Bereitschaftspflege hingegen schon.“

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Der Abschied von einem Pflegekind fällt Patrizia sehr schwer, zugleich freut sie sich, wenn die leiblichen Eltern wieder selbst für ihr Kind sorgen können. VN

Aktuell hat Patrizia drei Monate alte Zwillinge in Bereitschaftspflege. Außerdem hat sie drei Pflegekinder, wobei zwei davon Jugendliche sind und eines bereits erwachsen und ausgezogen ist. „Sie sagen alle drei Mama zu mir und für mich gibt es zwischen ihnen und meinen leiblichen Kindern keinen Unterschied. Ich liebe sie alle gleich viel.“

Leibliche Eltern

Häufige Gründe für eine Unterbringung in einer Pflegefamilie sind psychische Erkrankungen der Eltern, Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie Gewalt unter den Erwachsenen. Aber in manchen Fällen liegt der Grund für eine Bereitschaftspflege auch in einem fehlenden sozialen Netz, zum Beispiel, wenn direkt nach der Geburt keine familiäre Unterstützung vorhanden ist. Patrizia betont: „Den leiblichen Eltern muss immer Platz im Leben der Kinder eingeräumt werden, egal ob sie da sind oder nicht.“ Denn die Herkunftsfamilie habe immer Bedeutung für sie.

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Die Zwillinge in der Bereitschaftspflege haben wöchentliche Besuchskontakte im Vorarlberger Kinderdorf.Roland Paulitsch

Eine Mutter habe Patrizia gegenüber einmal geäußert, sie hätte ihrem Sohn kein so gutes Leben bieten können, wie es bei ihr der Fall gewesen sei. „Oft sind mir die leiblichen Eltern dankbar.“

Pflegeeltern gesucht

Während eine Adoption aus dem Inland in Österreich nur schwer möglich ist, werden für alle Formen der Pflegschaft Eltern gesucht. „Speziell Bereitschaftspflegefamilien bräuchten wir noch“, sagt Claudia Hinteregger-Thoma (60), Bereichsleiterin der Pflegekinderhilfe des Vorarlberger Kinderdorfes. Grundsätzlich können auch Einzelpersonen Pflegemutter oder Pflegevater werden. „Dabei ist es jedoch wichtig, dass ein gutes soziales Netz vorhanden ist.“

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Claudia Hinteregger-Thoma mit einem Informationsflyer für Eltern, die sich für die Aufnahme eines Pflegekindes interessieren. VN

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Sieben Paare absolvieren derzeit einen kostenlosen Grundkurs zur Vorbereitung auf ihre künftige Betreuungsrolle. „Auch während der Zeit als Pflegeeltern gibt es fortlaufend Kurse, Gespräche und Begleitung“, hebt Hinteregger-Thoma hervor.

Zahlen und Fakten:

  • Aktuell gibt es in Vorarlberg 193 Kinder in 155 Pflegefamilien und 14 Kinder in neun Bereitschaftspflegefamilien.
  • Nur drei Familien machen wie Patrizia Dauer- und gleichzeitig Bereitschaftspflege.
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Claudia Hinteregger-Thoma in einem Gespräch mit Patrizia. VN

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