Warum dem Biber im Schweizer Ried bald Schlimmes droht

Im Rheintaler Naturjuwel erwachen Vegetation und Tierwelt zu neuem Leben.
Lustenau Gebietsaufseher Reinhard Hellmair (64) hat viel Positives zu berichten. “Stellt euch vor, wir haben in unserem Gebiet erstmals eine Schafstelze entdeckt. Der schrill gelb gefärbte Vogel scheint im Ried ideale Lebensverhältnisse vorzufinden. Das tun auch die Kibitze. Immer wieder flatterte der Wiesenbrüter in den letzten Jahren zwischen Sein und Nichtsein. Nun kann er im vor zwei Jahren angelegten Biotop in Ruhe brüten. “Acht Paare haben das dort schon getan”, erzählt Hellmair. Der Bau des durch einen Wasserkanal abgetrennten Biotops ging auf seine Initiative zurück. Durch die Wasserbarriere sind die Kibitze von Fuchs, Dachs und Marder geschützt.

Bunte Vogelschar
Die Kibitze sind an diesem diesigen Märztag nicht zu sehen. Dafür Turmdohlen und Turmfalken. Sie haben in den extra für sie auf den Strommasten gebauten Häuschen eine ideale Brutstätte erhalten, flattern aufgeregt zwischen Bäumen und Himmel herum. “Die VKW hat diese Häuschen auf meine Bitte hin genehmigt und sogar selbst hingebaut”, freut sich Hellmair über einen Partner in seinem “Hoheitsgebiet”.
Dass einige Störche bereits munter die Grasflächen nach Fressbarem abklappern, gehört im Schweizer Ried bereits zum Alltagsbild. “Die Störche sind immer da”, weiß der Gebietsaufseher, der gleichzeitig auch Jäger ist.

Ebenfalls Präsenz zeigt eine Gruppe von Rehen. Die Tiere blicken neugierig Richtung menschlicher Ried-Besucher. Gut zwei Dutzend halten sich nach Einschätzung des Experten derzeit in seinem Revier auf. Mehr, als noch vor einiger Zeit.

Vor der Hasenzählung
Nicht so ist das bei den Feldhasen. Im Gegenteil. “Es gab im letzten Jahr einen massiven Einbruch im Bestand der Hasen hier im Ried. Grund dafür ist die sogenannte Hasenpest. Von 200 ging die Zahl auf 100 zurück. Bald werden wir hier wieder zählen”, erzählt Hellmair. Die Hasenpest rafft offensichtlich auch andere Nager hin. “Eichhörnchen habe ich überhaupt keine mehr gesehen. Ich könnte mir vorstellen, dass die auch ein Opfer der Seuche wurden.”

Die Umweltsünder
Zum größten Sorgenkind im Schweizer Ried ist mittlerweile der Biber geworden. Dessen Schaffenskraft schließt Bäume gleichwohl wie das sensible Kanalsystem des Riedes mit ein. Hellmair zeigt im Dickicht abseits des Weges einige Beispiele für das Wirken des Bibers: ganz gefällte Bäume bzw. massiv angenagte finden sich einige. “Jetzt, in der bald folgenden wärmeren Jahreszeit, sind die Biber nicht mehr so aktiv. Aber das wird ihnen wohl nichts mehr nützen. Ich denke, man wird sie bald regulieren”, freut sich Hellmair über diese Entwicklung ganz und gar nicht. Er rechnet mit einer baldigen Abschussverordnung. “Das müsste wahrscheinlich dann ich tun.”

Wenig Freude hat der Aufseher auch mit diversen Gegenständen, die in der prächtigen Kulturlandschaft einfach abgelegt werden. Jüngstes Beispiel: Teile eines Kinderwagens, die am Eingang zum Riedgebiet neben der Holzhütte einfach hingeschmissen wurden.