Wie lange wollen wir uns Stillstand noch leisten?

Die Diskussion über die hohen Verteilernetzkosten im Energiebereich in Österreich zeigt einmal mehr sehr gut unser strukturelles Grundproblem: Wir leisten uns zu viele kleine Einheiten, zu viele Parallelstrukturen, zu viel Verwaltung. Das ist nicht nur ineffizient – das ist sehr teuer. Und am Ende zahlen es die Bürgerinnen und Bürger (zur Erinnerung: Unsere Steuer- und Abgabenquote liegt bei einem weltweiten Spitzenwert von ca. 44 %).
Bei den Verteilernetzen wird das besonders sichtbar. Österreich hat im europäischen Vergleich eine auffallend hohe Zahl an Netzbetreibern. Jede Gesellschaft braucht ihre Geschäftsführung, ihre Verwaltung, ihre IT, ihre Rechtsabteilung, ihre Gremien. Das verursacht hohe Kosten – unabhängig davon, wie viel Strom tatsächlich durch die Leitungen fließt. Eine Reduktion der Verteilernetzbetreiber würde Skaleneffekte ermöglichen: gebündelte Investitionen, professionellere Strukturen, geringere Stückkosten. Das würde mittel- bis langfristig wohl auch die Leitungskosten nachhaltig senken. Nicht sofort, aber über einen klar definierten Reformzeitraum. Größe und Vereinfachung schaffen Effizienz. Reduktion schafft Professionalität. Professionalität schafft Qualität.
Was im Energiebereich gilt, gilt stellvertretend ebenso für die Gemeinden. Österreich hat über 2000 Gemeinden. Viele davon sind finanziell stark belastet, manche sehr hoch verschuldet. Gleichzeitig sind die Aufgaben komplexer geworden: Kinderbetreuung, Pflege, Integration, Digitalisierung, Infrastruktur. Das alles mit immer weniger (qualifiziertem) Personal – Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind kaum mehr zu finden. Das Ehrenamt stößt an seine Grenzen.
Die Steiermark hat mit ihrer Gemeindestrukturreform vorgemacht, dass Bündelung möglich ist. Die Zahl der Gemeinden wurde deutlich reduziert (zumindest die “leicht” gingen). Das Ziel war nicht nur Einsparung, sondern vor allem Leistungsfähigkeit. Größere Einheiten können professioneller arbeiten, Kompetenzen bündeln und Doppelgleisigkeiten abbauen. Genau hier liegt der Kern: Weniger Parallelstrukturen bedeuten weniger Verwaltungsaufwand – und das eröffnet Spielraum, um langfristig Abgaben- und Steuerquoten zu senken. Wer Strukturen verschlankt, schafft Luft für Entlastung und die Chance zur Vermögensbildung und somit Freiheit!
Gerade in Vorarlberg mit seinen 96 Gemeinden wäre eine Reform überfällig. Würde man auf 32 reduzieren und diese in drei starke Regionen bündeln, entstünden klarere Zuständigkeiten, weniger Doppelstrukturen und geringere Verwaltungskosten. Das wäre kein Identitätsverlust, sondern ein Modernisierungsschritt. Heimat definiert sich nicht über Gemeindegrenzen oder Bürokratie, sondern über Lebensqualität.
Und es geht nicht nur um Netzbetreiber oder Gemeinden. Auch in Kammern, Verbänden, öffentlichen und halböffentlichen Organisationen gibt es gewachsene Strukturen, die kaum jemand hinterfragt. Jede Einheit verteidigt sich selbst – bezahlt wird das System von allen.
Wir stehen an einem Punkt, an dem wir uns entscheiden müssen: Wollen wir weiterhin kleinteilige Strukturen verwalten – oder endlich gestalten? Die Reduktion von Verteilernetzbetreibern wäre ein naheliegender Anfang, der beispielgebend rasch realisiert werden sollte. Sie könnte zeigen, dass Reform nicht Bedrohung bedeutet, sondern Effizienz, Professionalität und langfristig niedrigere Kosten für alle. Mutige Reformen tun weh. Aber Stillstand ist um vieles teurer.