Alarm im Bachbett: Fischer Walter Leitner hat einen gefährlichen Einwanderer im Visier

Klein, aber hartnäckig: Der Signalkrebs breitet sich in Vorarlberg aus und setzt heimische Arten massiv unter Druck.
Thüringen, Thüringerberg Er stammt ursprünglich aus Nordamerika, fühlt sich hierzulande aber längst pudelwohl: Der Signalkrebs sorgt seit Jahren für Unruhe in Vorarlbergs Gewässern. 1978 in Wolfurt gezielt als Speisekrebs eingesetzt, tummelt er sich heute in zahlreichen Bächen, Flüssen, Seen und Teichen im Land. Walter Leitner (58) kämpft an vorderster Front gegen die weitere Ausbreitung des invasiven Allesfressers.

Die Problematik: Der Signalkrebs ist allein durch seine Größe und seine Vermehrungslust den heimischen Verwandten überlegen und verdrängt sie aus ihren Lebensräumen. Außerdem überträgt er die Krebspest, gegen die er selbst weitgehend immun ist, die aber beim Edel- oder Steinkrebs fast immer zum Tod führt. Seit 2016 steht der Signalkrebs deshalb auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung. Auch in Vorarlberg ist es strikt verboten, den Signalkrebs auszusetzen.

Walter Leitner ist Obmann der Hilti Sportfischer. Das Revier der Clubmitglieder ist der Montjola-Weiher in Thüringen. Seit einiger Zeit sind einige von ihnen auch regelmäßig im Gandatobelbach und im Gadenbach, oberhalb des Weihers, unterwegs. Ihr Ziel: Signalkrebse.

„Jetzt im Frühling fangen sie an zu laichen. Letzte Woche habe ich die Reuse eingesetzt“, sagt Walter Leitner. Er schnappt sich zwei Plastikeimer und Holzzangen aus dem Kofferraum seines Autos, dann kann es losgehen. Der Feldkircher und seine Kollegen haben bereits 680 Signalkrebse aus den beiden Bächen gefischt. Heute steht der erste Einsatz des Jahres an.


Walter Leitner arbeitet sich in Gummistiefeln durch das seichte Wasser zur Reuse vor. Da die Tiere hauptsächlich nachtaktiv sind, verstecken sie sich untertags oft in Höhlen, Spalten oder unter Steinen. „In der Nacht gehen wir regelmäßig mit Taschenlampen und Scheinwerfern den Bach hoch und lupfen vorsichtig die Steine. Darunter sitzen sie, ein paar siehst du aber auch am Tag“, erzählt der Obmann der Hilti Sportfischer, während er einen größeren Stein nach dem anderen anhebt. Diesmal hat er damit keinen Erfolg. Oben angekommen steigt die Spannung. Der erfahrene Fischer greift zu einem Seil und zieht damit den Fangkorb an Land. Bingo!


Zwei Exemplare sind diesmal ins Netz gegangen, beide sind knapp zehn Zentimeter lang. „Wahrscheinlich ist es noch etwas zu früh, obwohl es schon warm ist. Meistens sind zwischen 15 und 25 Stück drin. Der größte, den ich bislang hatte, war 23 Zentimeter lang. Der hat dann schon eine Kraft. Das ist dann wie ein Papagei, wenn er dich zwickt. Darum habe ich eine Grillzange dabei“, erzählt Walter Leitner und lacht. Die Signalkrebse kommen in den Eimer. Bevor sich der 58-Jährige wieder auf den Rückweg macht, befüllt er die beiden Lockfutter-Körbchen in der Reuse mit Fischabfällen. In ein paar Tagen wird er wiederkommen – mit Gummistiefeln, Kübeln und Zangen.



