Die Dornbirnerach: Geschichte eines Flusses

Gerald Mathis lud zum Vortrag über die Dornbirner Ache und ihre Bedeutung für Fußach.
Dornbirn Das Bira-Foyer im Dornbirner Kulturhaus war letzte Woche bis auf den letzten Platz besetzt, als die Dornbirner Geschichtswerkstatt zu einem weiteren Vortragsabend lud. Als Referent war der Fußacher Historiker und Regionalexperte Gerald Mathis zu Gast. Er widmete sich der Dornbirner Ache, die früher auch “Fußach” genannt wurde und für die Entwicklung der Region von großer Bedeutung war.

Neben zahlreichen historisch Interessierten begrüßte Geschichtswerkstatt-Obmann Klaus Fessler auch politische Gäste. Unter ihnen waren Dornbirns Bürgermeister Markus Fäßler, der an diesem Abend seinen Geburtstag feierte, sowie Fußachs Bürgermeister Thomas Fitz.

Lebensader einer Region
In seinem Vortrag zeichnete Gerald Mathis die wechselvolle Geschichte der Dornbirner Ache nach. Der rund 30 Kilometer lange Fluss entspringt mit seinem Hauptarm, der Ebniter Ache, am Fuße des Hohen Freschen und wird im Gebirge von mehreren Nebenarmen gespeist. Vom Gütle aus fließt er als Dornbirner Ache durch die Rheintalebene bis zum Bodensee und prägte über Jahrhunderte hinweg die Landschaft und die Entwicklung der umliegenden Orte.

In früheren Jahrhunderten trug der Fluss selbst in Dornbirn den Namen “Fußach”, ein Hinweis darauf, wie eng die Entwicklung der beiden Orte mit diesem Gewässer verbunden war. Für die Gemeinde Fußach stellte der Fluss über lange Zeit hinweg die wirtschaftliche Lebensader dar. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein entwickelte sich der Ort zu einem bedeutenden Handels- und Umschlagplatz am österreichischen Bodensee. Waren aus Süddeutschland wurden über den See nach Fußach gebracht und von dort weiter über Feldkirch und die Alpenpässe nach Italien transportiert.
Der sichere Flusshafen im Ortszentrum war dabei ein entscheidender Standortvorteil. Schiffe konnten über die Ache direkt bis ins Dorf fahren. Rund um die Faktorei – eine große Lagerhalle für Waren – spielte sich der Umschlag der Güter ab. “Zeitgenössische Berichte schildern eine lebhafte Szenerie mit Kaufleuten aus Augsburg, Nürnberg oder Mailand”, erzählte Mathis.
Der Einschnitt durch den Rheindurchstich
Ein einschneidender Wendepunkt folgte gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Mit dem Rheindurchstich im Jahr 1900 wurde der alte Lauf der Ache mehrfach durchschnitten und von seiner natürlichen Wasserführung getrennt. Damit ging eine einzigartige Fluss- und Kulturlandschaft verloren. Mathis schilderte diesen Abschnitt der Geschichte beinahe wie einen politischen Thriller. Jahrzehntelang hatte sich Fußach gemeinsam mit dem Land Vorarlberg gegen die geplante Rheinregulierung gewehrt. Viele befürchteten – letztlich zu Recht –, dass der Eingriff vor allem der Schweiz Vorteile bringen würde, während die Region rund um die Fußacher Bucht erhebliche Nachteile zu tragen hätte.
Heute erinnert nur noch wenig an den einst mächtigen Fluss, der durch Fußach floss und bis zu 60 Meter breit war. Während die Dornbirner Ache heute als kanalartiges Gerinne bei Hard in den Bodensee fließt, ist der ehemalige Flusslauf im Ortszentrum von Fußach nur noch als schmaler Wasserlauf erkennbar.
Mathis betonte daher, die Geschichte dieses Flusses wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Schließlich habe die “Fußach” nicht nur dem Ort seinen Namen gegeben, sondern über Jahrhunderte hinweg auch seine Identität geprägt. Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher zeigten sich im Anschluss begeistert vom spannenden Vortrag, an dessen Recherche der Historiker rund 15 Jahre gearbeitet hatte. cth