Entscheidet der Ramadan Fußball-Meisterschaften?

VN / 11.03.2026 • 15:26 Uhr
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Gegen die Vienna waren die Austria-Lustenau-Kicker zumeist einen Schritt langsamer als die Spieler des Gegners. Weil einige nicht bei Kräften waren? GEPA

Kein Wasser, keine Nahrung bei Tageslicht. Verantwortliche im Profi-Fußball sind beim Thema religiöses Fasten zurückhaltend.

Schwarzach Die Szene in der 20. Minute des Zweitligaspiels Austria Lustenau gegen die Vienna hatte eine besondere Bedeutung. Als Austria-Goalie Domenik Schierl zu Boden sank, war er nicht schwer verletzt. Die vermeintliche Behandlungspause ermöglichte es einigen Austria-Akteuren, hastig etwas Nahrung und Wasser zu sich zu nehmen: gläubige Moslems, denen das im aktuellen Ramadan nur nach Sonnenuntergang erlaubt ist. Sieben Spieler im aktuellen Austria-Kader sind gläubige Moslems, fünf davon halten die strengen Fastenregeln ein. Ob gläubige Moslems wie Diarra oder Quattara ihre saft- und kraftlose Darbietung im Heimspiel gegen die Vienna ihrem Fastenritual zu verdanken haben, bleibt Spekulation. Die Frage stellt sich trotzdem: Kann der Ramadan durch geschwächte Kicker Meisterschaften entscheiden?

Entscheidet der Ramadan Fußball-Meisterschaften?
Stiplovsek Dietmar PauschalAndreas Heraf und Markus Mader: In Sachen Ramadan-Fasten haben beide Trainer sehr viel Toleranz.

Meister trotz Ramadan

Auf diese Frage möchte Austria-Trainer Markus Mader gar nicht erst eingehen. “Es ist das Grundrecht eines Menschen, seinen religiösen Regeln zu folgen. Ich würde das nie verbieten wollen und das als Grund für unsere Niederlage im Spiel gegen die Vienna nennen”, sagt Mader. Ergänzung von Sportdirektor Dieter Alge: “Ich möchte darauf hinweisen, dass die Austria auch im Aufstiegsjahr moslemische Schlüsselspieler in ihren Reihen hatte, die im Ramadan gefastet haben. Die Fastenregeln des Ramadan beherzigen ja auch Kicker bei Real Madrid und Liverpool oder Angestellte bei der Firma Blum.”

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roland paulitschDieter Alge: “Die Austria schaffte vor vier Jahren auch mit gläubigen Moslems, die im Ramadan fasteten, den Aufstieg.”

Nur je einen Spieler, der die Fastenregel des Ramadan einhält, gibt es beim SCR Altach und bei SW Bregenz. Sowohl Altach-Sportdirektor Philipp Netzer als auch SW-Trainer Andreas Heraf signalisieren für ihre Angestellten volles Verständnis. “Wir respektieren das. Niemals würden wir eine Entscheidung über den Kopf des Betroffenen fällen”, betont Netzer. Und Heraf sagt: “Ich akzeptiere die religiöse Praxis von Spielern, die im Ramadan fasten, voll und ganz. Wichtig ist für mich die Leistungsfähigkeit. Früher war ich vielleicht nicht so tolerant.”

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Alexandra SerraPhilipp Netzer: “Wir würden nie über den Kopf eines gläubigen Spielers, der im Ramadan fastet, entscheiden.

Ein heikles Thema

Ob ein Verein gegen Spieler, die aufgrund religiöser Praktiken nicht voll leistungsfähig sind, Sanktionen verhängen kann, ist juristisch noch nicht wirklich erhellt. Horst Lumper, Ex-VFV-Präsident und Jurist: “Das ist ein heikles Thema. Grundsätzlich sind Sanktionen meinem Verständnis nach nicht möglich. Dies würde dem Gleichheitsgrundsatz widersprechen. Und das Fasten im Ramadan fällt in diesen Schutzbereich.” Nach einer Extra-Recherche für die Vorarlberger Nachrichten präsentierte Lumper jedoch auch einen anderen Zugang. “Eine juristische Rechtfertigung für Maßnahmen scheint unter einer Bedingung möglich: Wenn nämlich die Nichtbefolgung einer religiösen Praxis eine wesentliche berufliche Anforderung darstellt.” Das könnte auf das Ramadan-Fasten zutreffen. Lumper: “Das Thema ist auf alle Fälle spannend und könnte juristisch noch sehr herausfordernd werden.”

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vmhHorst Lumper: “Das Thema ist juristisch spannend und könnte eine Herausforderung werden.”

Leistungsabfall

Unbestritten sind die Einschränkungen der Leistungsfähigkeit von Leistungssportlern, die von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen und trinken. Dazu Dr. Marc Sohm, Sportarzt im Olympiazentrum: “Verschobene Essenszeiten mindern objektive und subjektive Leistungsfähigkeit. Grundsätzlich gilt: Der Körper eines Spitzensportlers braucht Protein und Kohlenhydrate und natürlich Wasser. Einschränkungen bezüglich Länge und Intensität des Trainings, vor allem bei extremen Bedingungen wie Hitze, sind bei Ramadan-Fastern notwendig.”

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Mirjam MayerDr. Marc Sohm: “Verschobene Essenszeiten mindern objektive und subjektive Leistungsfähigkeit.”

Nur gut für betroffene Profi-Fußballvereine: Kommende Woche am Donnerstag endet der Ramadan.