Ein altes Künstlerhaus mit vielen Erinnerungen

“Open Studio Day” bietet nochmals Einblicke in das Wirken von Künstler Christoph Lissy.
Hörbranz Das alte Gebäude in der Lindauer Straße 68 blickt auf eine außergewöhnliche Nutzung zurück. Als Bürger- und Arzthaus mit Standesamt oder auch als Eisenwarenladen war es zuletzt Wohn- und Arbeitsstätte des renommierten Hörbranzer Künstlers Christoph Lissy. Im vergangenen Herbst wechselte die direkt am Dorfbach gelegene Liegenschaft den Besitzer. Eine Immobilieninvestorengruppe aus dem benachbarten Lindau übernahm – nach einem Versprechen gegenüber den bisherigen Eigentümern – das Gebäude samt Inventar. Aufmerksam wurde das Unternehmen über einen persönlichen Kontakt. “Wir sind selbst in einem Altbestand wohnhaft und waren sofort hingerissen”, gibt Domenika Tomann zu verstehen. Für das Immo-Team stand schnell fest: Das Arrangement hat großes Entwicklungspotenzial und eine ganz eigene anziehende Wirkung.

Kreatives Vermächtnis
Im regen Austausch mit der Gattin des betagten Bildhauers Lissy wurde deutlich, wie sehr ihr am Herzen lag, dass das Haus nachfolgend in verantwortungsvolle Hände kommt. Die neuen Eigentümer übernahmen somit auch die verbliebenen Kunstobjekte. “Wir haben uns rasch überlegt, wie wir mit diesem kreativen Vermächtnis umgehen”, so Tomann. In wochenlanger Detailarbeit wurde das Haus aufgeräumt, Bilder sortiert, Exponate und deren Hintergrund recherchiert und teils wieder zusammengesetzt. Um das außergewöhnliche Schaffen Lissys einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, organisierte das Unternehmen im vergangenen Dezember spontan eine Ausstellung.

Nicht alltäglicher Weg
“Trotz engem Zeitplan gelang es, ein sehr stimmiges Gesamtbild zu schaffen”, konstatiert die Lindauer Unternehmerin begeistert. Schützenhilfe für die Ausstellung gab es von Judith Reichart (Kulturservice Bregenz). Die Hilfe sei wichtig gewesen, da man zwar viel Gespür habe, allerdings nicht dem Berufsstand der Galeristen angehöre, so Tomann weiter. Gewiss ein nicht alltäglicher Weg, um die Künstlerpersönlichkeit zu würdigen. Im Endeffekt war das Interesse groß und so mancher Gast hatte auch gleich die persönlichen Erinnerungen zum markanten Haus in der Nähe des Hörbranzer Dorfzentrums im Gepäck. In Bälde gibt es nun eine weitere Möglichkeit für eine exklusive Besichtigung.

Grenzüberschreitende Kunst
Im Rahmen der fünften Auflage des grenzüberschreitenden “Open Studio Day” – hier geben eine Vielzahl an Kunstschaffenden einen Einblick in ihre Arbeit – von Bregenz über Lochau und Hörbranz bis nach Lindau öffnen die Besitzer am Samstag, den 21. März (11 bis 18 Uhr) neuerlich die Pforten. Dabei können sich die Gäste abermals einen Überblick über das Wirken des expressionistischen Künstlers verschaffen, dessen Werke auch u. a. an mehreren Orten präsent sind. Viele seiner Arbeiten widmete Lissy übrigens, getragen von persönlichen Schicksalsschlägen, seinen “Wahlvätern”, darunter Autoren und Musikern, die ihn persönlich prägten. MST




