Nächster Streich von Broger-Greber-Project

Bezauer Architekt und sein Zimmermanns-Partner luden zur Firstfeier nach Schoppernau.
Schoppernau, Bezau Das Thema Wohnen beschäftigt nicht nur die Stammtische, es ist auch von der Landesregierung ausgehend bis in die Gemeindestuben immer wieder ein Aufreger. Aktuell schlägt es besonders im Bregenzerwald hohe Wellen, nachdem dort Eigentümern von unbewohnten und sanierungsbedürftigen Häusern mehr oder weniger unverhohlen mit Abbruchbescheiden gedroht wird, sollten sie ihre Immobilien nicht sanieren und dem Wohnungsmarkt zuführen.

Die Region ist gespalten
“Flankiert” wird derartiges Ansinnen auch noch mit der Zweitwohnsitzabgabe, sodass sich nicht nur die Hauseigentümer massiv unter Druck gesetzt fühlen. Auch in den Gemeindestuben gehen die Meinungen auseinander: Es gibt Kommunen, die in dieser “Drohung” ein taugliches Instrument sehen, Wohnraum zu aktivieren, andere wiederum lehnen die Strategie rundweg ab, weil sie leerstehenden Wohnraum etwas anders sehen – etwa der Andelsbucher Gemeindechef Bernhard Kleber, der klare Worte findet: “So geht man mit den Leuten nicht um”, begründet er kurz und knapp seine Weigerung, den “Abbruch-Drohbrief” zu verschicken. Und er führt ein verständliches Argument ins Treffen: Manche Familien hätten keinen aktuellen Wohnungsbedarf und meist auch nicht die finanziellen Möglichkeiten für eine sofortige Sanierung. Sie sehen im leerstehenden und sanierungsbedürftigen Altbestand aber eine Reserve für die nächste Generation, der man die Chance offenhalten will, erst in Zukunft das Objekt zu sanieren, wenn denn Bedarf an Wohnraum entstanden ist.

Interessanter Ansatzpunkt
Für den Bezauer Architekten Ralph Broger ist diese Sichtweise ein interessanter Ansatzpunkt: Für ihn sind komplett oder fast leerstehende Objekte – vielfach an prominenten Standorten – eine persönliche Herausforderung, und er hat es sich zur Aufgabe gemacht, solche Gebäude zu neuem Leben zu erwecken. Vor einigen Jahren hat er dafür einen Partner mit ins Boot geholt: “Architektur und Holzbaukultur” war das Motto für das “Broger-Greber-Project”, das er gemeinsam mit dem Zimmermeister Kaspar Greber entwickelte.

Mit dem Projekt Komot am Ortseingang von Bezau lieferten die beiden ein Paradebeispiel für ihr Wohnbaumodell ab: “In dem alten Gebäude wohnte nur noch eine Person, die restlichen Räume standen ebenso wie eine ehemalige Werkstätte leer. Wir sanierten, modernisierten und erweiterten – heute sind hier 16 Wohnungen und sechs Geschäftseinheiten untergebracht und der frühere Besitzer hat sich eine der Wohnungen gesichert”, erläutert Broger.
Unweit davon wurde nach diesem Muster ein baufälliges Objekt, das nur noch von einer Person bewohnt war, abgerissen und in gleichen Umrissen ein moderner Neubau errichtet, der Platz für 13 Wohnungen bietet, auch hier hat der frühere Eigentümer eine dieser Wohnungen übernommen.

Es muss nicht immer Altbau sein
“Aktuell”, so Broger, “sind wir an einigen interessanten Objekten dran, es ist aber noch nichts konkret.” Er gibt zu bedenken, dass diese Vorhaben speziell sind, weil dabei zusätzliche Kriterien zu berücksichtigen sind. Stattdessen ist für ein anderes Vorhaben dieser Tage Firstfeier begangen worden. “Hier haben wir in Schoppernau keinen Altbau saniert, sondern auf unverbautem Grund eine sinnvolle Verdichtung in der Parzelle Holderstauden vorgenommen”, so Broger beim “Festakt für die Zimmerleute”. Keine fünf Monate nach Spatenstich konnte jetzt Dachgleiche gefeiert werden, Ende des Jahres sollen die neun Eigentumswohnungen – 40 bis 70 Quadratmeter groß – bezugsfertig sein. Broger: “Ein Teil ist verkauft, aber es sind noch Wohnungen zu haben.” STP



