Nächster Streich von Broger-Greber-Project

VN / 16.03.2026 • 16:01 Uhr
Die Sanierungsspezialisten Ralph Broger (l.) und Kaspar Greber können auch Neubau. Der Baukörper fügt sich harmonisch in die bestehende Siedlungsstruktur im Weiler Holderstauden ein.
Die Sanierungsspezialisten Ralph Broger (l.) und Kaspar Greber können auch Neubau. Der Baukörper fügt sich harmonisch in die bestehende Siedlungsstruktur im Weiler Holderstauden ein.peter strauss

Bezauer Architekt und sein Zimmermanns-Partner luden zur Firstfeier nach Schoppernau.

Schoppernau, Bezau Das Thema Wohnen beschäftigt nicht nur die Stammtische, es ist auch von der Landesregierung ausgehend bis in die Gemeindestuben immer wieder ein Aufreger. Aktuell schlägt es besonders im Bregenzerwald hohe Wellen, nachdem dort Eigentümern von unbewohnten und sanierungsbedürftigen Häusern mehr oder weniger unverhohlen mit Abbruchbescheiden gedroht wird, sollten sie ihre Immobilien nicht sanieren und dem Wohnungsmarkt zuführen.

Die Firstfeier ist nach altem Brauch das Fest der Zimmerleute – üblicherweise werden aber auch andere Handwerker, die z. B. für das gemauerte Fundament zuständig waren, einbezogen.   
Die Firstfeier ist nach altem Brauch das Fest der Zimmerleute – üblicherweise werden aber auch andere Handwerker, die z. B. für das gemauerte Fundament zuständig waren, einbezogen.

Die Region ist gespalten

“Flankiert” wird derartiges Ansinnen auch noch mit der Zweitwohnsitzabgabe, sodass sich nicht nur die Hauseigentümer massiv unter Druck gesetzt fühlen. Auch in den Gemeindestuben gehen die Meinungen auseinander: Es gibt Kommunen, die in dieser “Drohung” ein taugliches Instrument sehen, Wohnraum zu aktivieren, andere wiederum lehnen die Strategie rundweg ab, weil sie leerstehenden Wohnraum etwas anders sehen – etwa der Andelsbucher Gemeindechef Bernhard Kleber, der klare Worte findet: “So geht man mit den Leuten nicht um”, begründet er kurz und knapp seine Weigerung, den “Abbruch-Drohbrief” zu verschicken. Und er führt ein verständliches Argument ins Treffen: Manche Familien hätten keinen aktuellen Wohnungsbedarf und meist auch nicht die finanziellen Möglichkeiten für eine sofortige Sanierung. Sie sehen im leerstehenden und sanierungsbedürftigen Altbestand aber eine Reserve für die nächste Generation, der man die Chance offenhalten will, erst in Zukunft das Objekt zu sanieren, wenn denn Bedarf an Wohnraum entstanden ist.

Zimmererlehrling Kaspar Kaaden war für den traditionellen Firstspruch verantwortlich: „. . . drum hebe ich das Glas und rufe laut: Glück und Segen diesem Haus. Gott schütze alle, die hier gehen ein und aus!“   
Zimmererlehrling Kaspar Kaaden war für den traditionellen Firstspruch verantwortlich: “… drum hebe ich das Glas und rufe laut: Glück und Segen diesem Haus. Gott schütze alle, die hier gehen ein und aus!”

Interessanter Ansatzpunkt

Für den Bezauer Architekten Ralph Broger ist diese Sichtweise ein interessanter Ansatzpunkt: Für ihn sind komplett oder fast leerstehende Objekte – vielfach an prominenten Standorten – eine persönliche Herausforderung, und er hat es sich zur Aufgabe gemacht, solche Gebäude zu neuem Leben zu erwecken. Vor einigen Jahren hat er dafür einen Partner mit ins Boot geholt: “Architektur und Holzbaukultur” war das Motto für das “Broger-Greber-Project”, das er gemeinsam mit dem Zimmermeister Kaspar Greber entwickelte.

Für die Baumeister-Arbeiten hatten Broger & Greber die Firma von Wilhelm Hager mit ins Boot geholt.
Für die Baumeister-Arbeiten hatten Broger & Greber die Firma von Wilhelm Hager mit ins Boot geholt.

Mit dem Projekt Komot am Ortseingang von Bezau lieferten die beiden ein Paradebeispiel für ihr Wohnbaumodell ab: “In dem alten Gebäude wohnte nur noch eine Person, die restlichen Räume standen ebenso wie eine ehemalige Werkstätte leer. Wir sanierten, modernisierten und erweiterten – heute sind hier 16 Wohnungen und sechs Geschäftseinheiten untergebracht und der frühere Besitzer hat sich eine der Wohnungen gesichert”, erläutert Broger.

Unweit davon wurde nach diesem Muster ein baufälliges Objekt, das nur noch von einer Person bewohnt war, abgerissen und in gleichen Umrissen ein moderner Neubau errichtet, der Platz für 13 Wohnungen bietet, auch hier hat der frühere Eigentümer eine dieser Wohnungen übernommen.

Diese atemberaubende Aussicht ist gratis: westseitig öffnet sich der Blick auf die – zum Zeitpunkt der Firstfeier wolkenverhüllte – Kanis. 
Diese atemberaubende Aussicht ist gratis: westseitig öffnet sich der Blick auf die – zum Zeitpunkt der Firstfeier wolkenverhüllte – Kanis.

Es muss nicht immer Altbau sein

“Aktuell”, so Broger, “sind wir an einigen interessanten Objekten dran, es ist aber noch nichts konkret.” Er gibt zu bedenken, dass diese Vorhaben speziell sind, weil dabei zusätzliche Kriterien zu berücksichtigen sind. Stattdessen ist für ein anderes Vorhaben dieser Tage Firstfeier begangen worden. “Hier haben wir in Schoppernau keinen Altbau saniert, sondern auf unverbautem Grund eine sinnvolle Verdichtung in der Parzelle Holderstauden vorgenommen”, so Broger beim “Festakt für die Zimmerleute”. Keine fünf Monate nach Spatenstich konnte jetzt Dachgleiche gefeiert werden, Ende des Jahres sollen die neun Eigentumswohnungen – 40 bis 70 Quadratmeter groß – bezugsfertig sein. Broger: “Ein Teil ist verkauft, aber es sind noch Wohnungen zu haben.” STP

Neben Handwerkern waren zur Firstfeier auch Nachbarn und künftige Bewohner der Anlage Holda eingeladen. Holda steht einerseits für Holderstaude und das Aufblühen dieser. „Da blühe ich auf“ ist deshalb auch das Motto für das Projekt.
Neben Handwerkern waren zur Firstfeier auch Nachbarn und künftige Bewohner der Anlage Holda eingeladen. Holda steht einerseits für Holderstaude und das Aufblühen dieser. “Da blühe ich auf” ist deshalb auch das Motto für das Projekt.
Mit dem Komot haben Ralph Broger und Kaspar Greber (von links) am Ortseingang von Bezau ein beispielhaftes Projekt umgesetzt: In einem weitgehend leerstehenden Objekt entstanden 16 Wohnungen und sechs Geschäftseinheiten. PETER STRAUSS   
Mit dem Komot haben Ralph Broger und Kaspar Greber (von links) am Ortseingang von Bezau ein beispielhaftes Projekt umgesetzt: In einem weitgehend leerstehenden Objekt entstanden 16 Wohnungen und sechs Geschäftseinheiten.
Bei einem ebenfalls nur noch von einer Person bewohnten alten Haus in der Parzelle Ellenbogen in Bezau ging Broger-Greber-Project einen anderen Weg.
Bei einem ebenfalls nur noch von einer Person bewohnten alten Haus in der Parzelle Ellenbogen in Bezau ging Broger-Greber-Project einen anderen Weg.
Das nicht mehr sanierbare Objekt – mehr als 200 Jahre alt – wurde komplett abgerissen und in den alten Umrissen ein zeitgemäßer Neubau errichtet, der 13 Wohnungen Platz bietet. Eine davon ist – so wie auch im Komot – für den früheren Besitzer reserviert   
Das nicht mehr sanierbare Objekt – mehr als 200 Jahre alt – wurde komplett abgerissen und in den alten Umrissen ein zeitgemäßer Neubau errichtet, der 13 Wohnungen Platz bietet. Eine davon ist – so wie auch im Komot – für den früheren Besitzer reserviert.