Neuer Modezweig zeigt Stil

Die erste Modedesign- und Grafik-Abschlussklasse der HTL Dornbirn bereitet gerade eine Fashion-Show vor.
Dornbirn Die Nähmaschinen surren, Stoffbahnen gleiten über die Zuschneidetische, an Kleiderstangen hängen halbfertige Entwürfe. In den Ateliers der HTL Dornbirn wird aktuell konzentriert gearbeitet. In wenigen Wochen sollen aus Skizzen und Stoffmustern tragbare Kunstwerke werden. Am 23. April präsentiert die erste Maturaklasse des neuen Ausbildungsschwerpunkts “Modedesign und Grafik” ihre Abschlusskollektionen – auf dem Laufsteg bei der Fashion-Show “Golden Hour”.

Fünf Jahre Ausbildung liegen hinter den 15 Schülerinnen und einem Schüler der 5aMD. Für sie geht damit eine Schulzeit zu Ende, in der Kreativität eine zentrale Rolle spielte. “Es ist beeindruckend zu sehen, wie selbstständig die Klasse arbeitet und wie sie das Gelernte der letzten Schuljahre umsetzt”, sagt Fachvorständin Corinna Stocker voller Stolz. Materialauswahl, Schnittzeichnen, Modeillustration, Fotografie, Grafikprogramme oder Arbeitsorganisation – all das fließt nun in die Abschlussarbeiten ein.

Kreativität auf dem Laufsteg
Die Modeschau bildet den Höhepunkt dieser Ausbildung. Jede Schülerin und ein Schüler entwerfen dafür eine eigene Kollektion mit sechs Outfits – von der ersten Idee bis zum fertigen Kleidungsstück. Auch organisatorisch sind die Jugendlichen gefordert. Die Models müssen sie selbst finden, während die dritte Klasse des Modezweigs die Show auf die Beine stellt.

Die Vorbereitungen laufen seit Monaten. Schon in der vierten Klasse begann die Ideensammlung. Nach den Diplomarbeiten zu Schulbeginn widmete sich die Klasse vollständig der Modeschau. Seit Ende Oktober entstehen in den Ateliers Schritt für Schritt die Kollektionen, begleitet von Corinna Stocker sowie den Lehrpersonen Karin Schröpel und Alexandra Kegele, die die zwei Ateliergruppen betreuen.

Themen wie “Toxische Liebe”, “Sieben Todsünden” oder “Subcutis – Unter der Haut” zeigen, wie unterschiedlich die Inspirationen sein können. Der neue Zweig soll genau das ermöglichen – “individuellen Stil entwickeln und kreative Ideen sichtbar machen”, beschreibt Stocker.

Von Honig bis Papagei
Ann Kathrin Pongruber arbeitet gerade an ihrer Kollektion zum Thema Vergänglichkeit und näht ein Kunstfell an ein Oberteil – Teil eines Zweiteilers. Neben ihr hängt bereits der Rest der Kollektion an einer Stange. Die Stoffe wirken bewusst etwas gealtert, passend zum Titel ihres Konzepts.

Ein paar Tische weiter beschäftigt sich Annika Sargant mit dem letzten Stück ihrer Kollektion “Flüssiges Gold”. Ihr Entwurf ist von Honig inspiriert, der golden fließt. Viele Teile bestehen deshalb aus Satin oder Samt. Besonders auffällig ist ein körperbetontes Jerseykleid, auf dessen Oberteil eine Struktur aus Honigwaben angebracht wird. Die einzelnen Elemente werden mit kleinen Magneten befestigt.

Auch Pelin Boran hat ihre Inspiration in der Natur gefunden – allerdings sehr persönlich. Vorbild für ihre Kollektion ist ihr eigener Graupapagei Doman. Grau-rote Farbkombinationen, rote Akzente an Hosen und ein Oberteil mit Papageienmotiv spiegeln das Gefieder ihres Haustiers wider. “Die Kollektion ist ihm gewidmet”, sagt sie lachend.
Bühne frei für den großen Auftritt
Wenn am 23. April die Scheinwerfer auf den Laufsteg gerichtet werden, soll all diese Arbeit sichtbar werden. Dann zeigen 15 Schülerinnen und ein Schüler ihre ersten großen Kollektionen – und ganz viel Kreativität, die darin steckt. Für viele von ihnen ist es zugleich der erste große Auftritt vor Publikum. cth