Neues Leben in zweiter Heimat

VN / 16.03.2026 • 15:15 Uhr
Feriz Fejzaj lebt seit 20 Jahren in Bregenz, seiner zweiten Heimat. HRJ
Feriz Fejzaj lebt seit 20 Jahren in Bregenz, seiner zweiten Heimat. Heidi Rinke-Jarosch

Feriz Fejzaj erinnert sich an Krieg, Flucht und das Ankommen in Vorarlberg.

Bregenz Ein Koffer und 50 Euro. Mehr hatte Feriz Fejzaj nicht bei sich, als er sein Heimatland, den Kosovo, verließ. Traumatisiert von den Kriegsereignissen sah er dort keine Zukunft mehr. In Vorarlberg angekommen, begann er als Tellerwäscher in einer Pizzeria. Heute führt der 43-jährige Kosovo-Albaner zwei Restaurants.

Als Feriz am 23. Oktober 1982 zur Welt kam, war der Kosovo noch Teil Jugoslawiens, jedoch bereits geprägt von wachsenden Spannungen zwischen der albanischen Bevölkerungsmehrheit und der serbischen Minderheit. Feriz wuchs in Bellopojë (Bjelo Polje), einem Dorf im Nordwesten des Landes, mit drei Brüdern und einer Schwester auf. Er ist der Älteste.

Der Geflüchtete aus dem Kosovo hat es vom Tellerwäscher zum Chef geschafft. HRJ
Der Geflüchtete aus dem Kosovo hat es vom Tellerwäscher zum Chef geschafft. HRJ

Zerstörung und Vertreibung

16 Jahre alt war er und Schüler der Technischen Schule für Informatik in der nahegelegenen Stadt Istok, als Ende Februar 1998 der Kosovo-Krieg ausbrach. Über ein Jahr dauerte der bewaffnete Konflikt zwischen der serbisch-jugoslawischen Armee und der albanischen Untergrundorganisation UÇK, die für die Unabhängigkeit des Kosovo kämpfte. Ab dem 24. März 1999 bombardierte die Nato 78 Tage lang Serbien und Montenegro – das verbliebene Rest-Jugoslawien. “Wir haben uns über die Nato-Angriffe gefreut, denn wir glaubten, wir Albaner seien nun frei”, erinnert sich Feriz. So war es nicht. Eines Tages standen Angehörige einer serbischen Sonderpolizeieinheit vor dem Haus der Familie Fejzaj. “Sie plünderten, legten Feuer, und uns jagten sie fort. Wir flüchteten in die nahen Berge. Von dort aus sahen wir, wie unser Haus bis auf die Grundmauern niederbrannte.” Diese und viele andere traumatische Erfahrungen kehren zurück, sobald in Feriz’ Gegenwart das Wort “Krieg” fällt: “Da wird etwas in mir ausgelöst, das mir die Tränen in die Augen treibt.”

2001 verließ die Familie Fejzaj den Kosovo. Der Krieg war beendet, doch die Angst vor Verfolgung saß tief. Die Fejzajs schlossen sich einem Flüchtlingskonvoi an, der sich in Richtung Albanien bewegte. Von dort führte ihre Route über Italien und Österreich nach Deutschland. In Schwalbach bei Frankfurt am Main ließen sie sich nieder, stellten Asylanträge. “Wir wurden abgelehnt. Und so kehrten wir eineinhalb Jahre später nach Bellopojë zurück”, erzählt Feriz.

Gemeinsam mit seinen Brüdern Endrit und Elvis übernahm Feriz vor vier Jahren das Restaurant „Reblaus“. HRJ
Gemeinsam mit seinen Brüdern Endrit und Elvis übernahm Feriz vor vier Jahren das Restaurant “Reblaus”. HRJ

Endgültige Flucht

Der Vater setzte das zerstörte Haus notdürftig instand. Feriz schloss die Informatikschule ab und begann ein Studium an der Technischen Universität in der Hauptstadt Pristina. Nach acht Monaten hielt er es nicht mehr aus in dem Land, das auch in der Nachkriegszeit von Spannungen geprägt war und ein Brennpunkt geblieben ist. Er entschloss sich, endgültig wegzugehen: “Mit einem Koffer und 50 Euro im Geldbeutel machte ich mich auf den Weg nach Vorarlberg.” In Bregenz lebte ein Verwandter, der ihm Arbeit in seiner Pizzeria verschaffte.

Zunächst wusch der damals 19-Jährige Feriz Geschirr, bald wechselte er in den Service. 2012 eröffnete er in Bregenz seine eigene Pizzeria “Don Camillo”. Vor vier Jahren übernahm er gemeinsam mit seinen Brüdern Elvis und Endrit zusätzlich das Restaurant “Reblaus”.

Wenn das Wort Krieg fällt, wird etwas in mir ausgelöst, das mir die Tränen in die Augen treibt.”

Feriz Fejzaj, Gastronom

Heute ist Feriz Vater einer neunjährigen Tochter, eines achtjährigen Sohnes und vierjähriger Zwillinge. Mit seiner Ehefrau Shqipe und den Kindern wohnt er in Bregenz. Seit zehn Jahren ist er Österreicher. Deutsch zu lernen sei nicht schwierig gewesen: “Deutsch ist die beste Sprache neben Albanisch.”

Feriz Fejzaj erzählt, warum er den Kosovo verließ und in Vorarlberg gelandet ist. HRJ
Feriz Fejzaj erzählt, warum er den Kosovo verließ und in Vorarlberg gelandet ist. HRJ

Heimweh? “Ja. Oft. Der Kosovo ist meine erste Heimat – dort bin ich geboren und aufgewachsen. Alles dort hat für mich eine besondere Bedeutung. Vorarlberg ist meine zweite Heimat. Hier lebe ich mit meiner Familie, hier fühle ich mich zu Hause und zu tausend Prozent akzeptiert.”