Als Lochau um sein Seeufer bangen musste

Der Kampf um die Autobahntrasse bei Lochau prägte Politik und Umwelt.
Lochau Beim Anblick des Fotos von der sogenannten “Unterflurtrasse” werden aus Lochauer Perspektive einige markante Ereignisse aus den Anfängen der über 70-jährigen Geschichte der Autobahntrasse A 14 und des Pfändertunnels im Besonderen wieder lebendig.

Bereits Mitte der 1950er-Jahre begann das politische Ringen um die Festlegung der Autobahnführung im Raum Bregenz. Rund 30 verschiedene Varianten wurden diskutiert, die speziell das Lochauer Gemeindegebiet betroffen haben. Ob Berg-, Hang- oder Seetrasse, immer stand auch die Bodenseegemeinde im Mittelpunkt.
Die Beschreibungen der einzelnen Trassenführungen, insbesondere aber die “Hangtunneltrasse”, die von Hohenweiler kommend entlang des Pfänderhanges mit Backenreutetunnel, Klausbergtunnel, Gehrentunnel, Weißenreutetunnel und Gebhardsbergtunnel samt den verschiedenen Hangbrücken bis hin zur Anschlussstelle Lauteracher Kreuz geführt hätte, lesen sich heute fast wie ein Kriminalroman.
Entscheidung für die Unterflurtrasse
Am 20. Jänner 1969 fiel die endgültige Entscheidung für die sogenannte “Unterflurtrasse”, die von Bregenz entlang des Seeufers nach Lochau und weiter nach Deutschland führen sollte. Dieser Beschluss wurde im Einvernehmen zwischen den damaligen Landespolitikern um Landeshauptmann Herbert Kessler und dem langjährigen Bregenzer Bürgermeister Karl Tizian an der Spitze sowie den Bundespolitikern rund um Bundeskanzler Josef Klaus getroffen. Unter anderem betraf dies auch den fixen Abbruch der Lochauer Rhomberg-Kaserne.

Noch zehn Tage zuvor, am 10. Jänner 1969, hatte die Lochauer Gemeindevertretung dieses Unterflurprojekt sowie auch die amtliche Variante einer Pfändertunneltrasse mit einem Tunnelausgang an der Klause einstimmig abgelehnt.
Stattdessen forderte man eine Autobahnlösung nach den Plänen des damaligen Lochauer Bauamtsleiters Eduard Riedmann in Form eines Basistunnels durch den Pfänder in der heutigen Form. Für seine wegweisenden Vorschläge zur umweltschonenden Autobahntrassierung erhielt Riedmann 1975 den Dr.-Toni-Russ-Preis.

Lochauer Bürgerinitiative
Bereits im Juli 1968 hatte sich eine parteiunabhängige Lochauer Bürgerinitiative formiert. Angeführt von Lothar Schmid, Erwin Bennat, Liselotte Hanl, Siegfried Ganahl, Gerhard Stöckler und Alois Erath organisierte das Aktionskomitee “Freies Bodenseeufer” eine Demonstration unter dem Motto “Lochauer, rettet euer Ufer!”. Mit großartiger Unterstützung der Bevölkerung wehrte man sich vehement gegen die geplante Unterflurtrasse. Hätten sich die Pläne durchgesetzt, wären die heute beliebten Bereiche Pipeline, Strandbad, Kaiserstrand mit Seehotel oder das Schwarzbad mit Hafenanlage zur Autobahn sowie zum Autobahnzollamt geworden. Lochau wäre vom Seeufer abgeschnitten worden.

Am 24. Jänner 1969 kam es zu einer weiteren großen Kundgebung, unterstützt von den “Vorarlberger Nachrichten”. Tausende Menschen aus Bregenz, Lochau und Hard versammelten sich vor dem damaligen Landesregierungsgebäude.
Politische Veränderungen
Mit den Wahlen im Jahre 1970 änderte sich dies alles schlagartig. Die neu gewählte österreichische Bundesregierung unter Bundeskanzler Bruno Kreisky hob den Baubescheid für die “Unterflurtrasse” auf und beschloss stattdessen den Bau des heutigen Pfändertunnels.
Wie im Bund verlor die ÖVP auch bei der Gemeinderatswahl 1970 in Bregenz ihre absolute Mehrheit. Neuer Bürgermeister wurde Fritz Mayer (SPÖ). Die Autobahn am See war Geschichte.
Nach über fünfjähriger Bauzeit wurde dann am 10. Dezember 1980 der 6.718 Meter lange, einröhrige Pfändertunnel offiziell in Betrieb genommen – ein besonderer Festtag für die Lochauer Bevölkerung.