Streiflicht: Wenn der Held mit Klötzchen wirft

VN / 24.03.2026 • 20:39 Uhr
Streiflicht: Wenn der Held mit Klötzchen wirft

Kinderzimmer können brutal sein. Immer gibt so ein Kind den Ton an. Kommandiert die anderen herum und spielt den Helden. Die Versager, das sind die anderen. Und wehe, wenn so ein Spiel nicht mit dem Sieg des strahlenden Helden endet, weil die anderen ihre Rolle satthaben!

Dann greint er los, der Siegfried im Matchboxformat und wirft mit Klötzchen. Zieht sich in den Schmollwinkel zurück und reißt sich noch rasch das begehrteste Requisit unter den Nagel: Das zur Krone erhobene Nudelsieb etwa oder das Szepter, mit dem sonst Mama das Gulasch umrührt. Sollen doch schauen, wie sie weiterkommen, grummelt er und wartet verächtlich auf Friedensangebote. Bleiben die aus, dann ab zur Mama. Aber meist sind die Gutmütigen in der Überzahl, und rasch schwingt er sich wieder aufs hohe Ross des Anführers und zückt das Holzschwert seiner zerfledderten Überlegenheit.

Kinderzimmer können brutal sein. Aber schlimmstenfalls geht man halt fernsehen. Das renkt sich wieder ein. Das Welttheater ist da anders. Irgendwie gnadenlos. Das Publikum ist in Geiselhaft einer Handvoll bösartiger alter Schauspieler mit Größenwahn, und die Türen ins Foyer sind zu. Da wünschte man sich wieder Klötzchen. Oder eine Kotztüte. Am besten beides.