Tradition trifft erneuerbare Energie

Ein Energieprojekt im Tiroler Jamtal hat überraschende Verbindungen nach Göfis.
Göfis Ausgangspunkt eines neuen Energieprojekts im Tiroler Jamtal ist ein Umstand, der vielen in Göfis und der Region kaum bekannt ist: Die Agrargemeinschaft Jamalpe verfügt dort über rund sechs Quadratkilometer Grundbesitz – nahezu eine Fläche in der Größe des gesamten Gemeindegebiets von Göfis. Dieses Alpgebiet liegt im Gemeindegebiet von Galtür und ist seit Jahrhunderten mit der Geschichte der Göfner Landwirtschaft verbunden.
Weiderechte für Göfis
Die Ursprünge dieses Besitzes reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Durch familiäre Verbindungen gelangten Weiderechte aus Galtür nach Göfis, aus denen sich in weiterer Folge der heutige Grundbesitz entwickelte. Über Generationen hinweg wurde das Vieh aus dem Walgau während des Sommers auf die Hochweiden im Jamtal getrieben, um die heimischen Wiesen für die Heugewinnung zu entlasten. Diese Form der Alpwirtschaft war für viele Höfe eine wichtige Grundlage der landwirtschaftlichen Nutzung. Früher wurde das Vieh in einem jeweils zweitägigen Fußmarsch über den Walgau, das Montafon und das Zeinisjoch ins Jamtal auf- und abgetrieben. Erst ab etwa 1948 wurden die Tiere zumindest bis nach Partenen befördert.
Neues Kleinwasserkraftwerk
Heute steht dieses historische Gemeindegut auch im Zusammenhang mit einem zukunftsorientierten Projekt: dem Kleinwasserkraftwerk Futschölbach im Jamtal. Das neue Kraftwerk soll zwei sanierungsbedürftige, bestehende Anlagen ersetzen. Wesentliche Anlagenteile – insbesondere die Wasserfassung – befinden sich auf Flächen der Agrargemeinschaft Jamalpe. In dieser Funktion ist die Gemeinde Göfis als Substanzverwalter in das Projekt eingebunden.
Das Kraftwerk wird von der „Kraftwerk Futschölbach GmbH“ errichtet, an der das Land Tirol, der Deutsche Alpenverein (Jamtalhütte), die Gemeinde Galtür sowie die Gemeinde Göfis zu gleichen Anteilen beteiligt sind und somit mittelfristig an den Erträgen mitlukrieren.
Nachhaltige Energiezukunft
Mit einer installierten Leistung von rund 500 Kilowatt soll künftig jährlich etwa 2.500 Megawattstunden Strom aus erneuerbarer Wasserkraft erzeugt werden. Ein Teil der Energie wird direkt im Jamtal genutzt, der übrige Strom wird in das regionale Netz eingespeist.
Das Projekt verbindet damit zwei Aspekte, die für die Gemeinde Göfis seit jeher prägend sind: den verantwortungsvollen Umgang mit historischem Gemeindegut und die Nutzung regionaler Ressourcen für eine nachhaltige Energiezukunft.