Vom Amtsleiter zum Archivar

VN / 27.03.2026 • 22:26 Uhr
Vom Amtsleiter zum Archivar

Karl Frick bringt sich weiterhin mit großem Engagement in seiner Heimatgemeinde Sulz ein.

Sulz Ein halbes Jahrhundert im Dienst der Gemeinde, dazu jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement: Karl Frick hat Sulz über viele Jahre hinweg mitgeprägt. Vom Buchhalter bis zum Amtsleiter, vom Fußballer bis zum Archivar – sein Wirken reicht weit über den Berufsalltag hinaus. Auch im Ruhestand bleibt er aktiv und widmet sich mit großer Leidenschaft der Geschichte seiner Heimatgemeinde. Im Gespräch erzählt er von Veränderungen, prägenden Momenten und seiner Verbundenheit zu Sulz.

Herr Frick, heuer feiern Sie Ihr 50-jähriges Dienstjubiläum bei der Gemeinde Sulz. Wenn Sie auf diese lange Zeit zurückblicken – was geht Ihnen als Erstes durch den Kopf?

Karl Frick: Wie ich zur Gemeinde kam. Das war ja von mir nicht angedacht. Anfang Jänner 1975 habe  ich meinen Präsenzdienst begonnen. Mitte des Jahres hat mich der damalige Bürgermeister Willi Baur besucht und mir vorgeschlagen, als Buchhalter in den Gemeindedienst einzutreten. Nach einigen Überlegungen, ich hatte auch andere Angebote, entschied ich mich für die Gemeinde. Dabei war nicht das Gehalt entscheidend, sondern die Nähe zum Arbeitsplatz und die Aussicht, 1985 die Amtsleitung zu übernehmen.

Sie haben Sulz über Jahrzehnte aus nächster Nähe erlebt. Wie sehr hat sich die Gemeinde in dieser Zeit verändert?

Karl Frick: Die größte Veränderung war sicher der Bevölkerungszuwachs. Sulz hatte 1975 ca. 1900 Einwohner, bei meiner Pensionierung 2020 rund 2.700. Bedingt durch den Anstieg der Einwohner hat sich auch das Ortsbild stark verändert. Viele Häuser wurden abgebrochen und durch Mehrfamilienwohnanlagen ersetzt. Weiters hat sich auch das bebaute Gemeindegebiet durch einige Umlegungen deutlich vergrößert.

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Gab es in Ihrer langen Zeit im Gemeindeamt Projekte oder Entwicklungen, auf die Sie besonders stolz zurückblicken?

Karl Frick: Für mich war die Einigung im Jahr 1995 der bis dahin vertretenen drei Parteien in der Gemeindevertretung zu einer Einheitsliste eine gute Entscheidung. Gerade für eine kleine Gemeinde wie Sulz ist eine Einheitsliste sinnvoll. Hier kennt der Wähler die nominierten Personen großteils noch persönlich und muss daher nicht eine Partei wählen; er kann die für ihn am besten geeigneten Kandidaten wählen. Das Abstimmungsverhalten in der Gemeindevertretung wird nicht von einer Partei, sondern vom einzelnen Gemeindevertreter oder der Gemeindevertreterin bestimmt.

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Sie gelten als „Sulner Urgestein“. Was bedeutet Ihnen Ihre Heimatgemeinde persönlich?

Karl Frick: Ich bin in Sulz aufgewachsen, wohne hier und war auch beruflich immer mit Sulz verbunden. Dadurch ist natürlich Sulz mein Lebensmittelpunkt geworden und bedeutet mir viel. So ist auch das Interesse an der Sulner Vergangenheit gestiegen.

Neben Ihrer Arbeit im Gemeindeamt haben Sie sich immer auch ehrenamtlich engagiert – etwa beim FC Sulz oder als Nikolaus. Warum ist Ihnen dieses Engagement für die Gemeinschaft so wichtig?

Karl Frick: Das Vereinsleben und die sportliche Tätigkeit waren und sind für mich wichtig. Mit der Übernahme ehrenamtlicher Vereinstätigkeit kann man wieder etwas zurückgeben. Als Nikolaus war ich für den RV Enzian Sulz etwa 45 Jahre tätig und konnte so viele Kinder besuchen und beschenken. Ein wichtiges Ehrenamt ist für mich auch die Mitarbeit in der Agrargemeinschaft, deren Wälder großteils im Frödischtal liegen. Sie sind zum großen Teil Schutzwälder, deren Erhaltung für unsere Gemeinde sehr wichtig ist.

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Der Fußball begleitet Sie schon lange – früher als Spieler, heute als Kassier im Verein. Welche Rolle spielt der FC Sulz für das Dorfleben?

Karl Frick: Der FC Sulz ist der Verein in Sulz, der den meisten Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bietet. Von den derzeit rund 200 aktiven Spielern und Spielerinnen sind etwa 150 Kinder. Aber auch mit Veranstaltungen wie Open Air, Faschings-Halli-Galli, dem Dartturnier u .a. trägt der Verein viel zum Dorfleben bei. 

Auch im Ruhestand bleiben Sie der Gemeinde erhalten – als Archivar. Was reizt Sie besonders an der Arbeit mit der Geschichte von Sulz?

Karl Frick: Schon in der Schule hat mich Geschichte interessiert, besonders Heimatkunde. Im Laufe meiner Tätigkeit bei der Gemeinde ist immer mehr die Dorfgeschichte in den Mittelpunkt getreten. Durch den Kontakt mit der Dorfbevölkerung konnte ich im Laufe der Zeit eine große Fotosammlung anlegen. Auch alte Aufzeichnungen, Pläne, Urkunden und Gegenstände konnte ich für das Gemeindearchiv sammeln. Natürlich haben mich dann auch die Geschichten interessiert, die hinter den Fotos stehen. Seit 20 Jahren stelle ich jedes Jahr den Kalender „Sulz in alten Ansichten“ zusammen. Dazu gibt es für jedes Monatsfoto eine Beschreibung. Viele heben diesen Kalender auf und haben damit inzwischen einen kleinen Einblick in die Sulner Geschichte der letzten 100 Jahre.

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Ihr Artikel über „80 Jahre Kriegsende in Sulz“ wurde viel gelobt. Warum ist es Ihnen wichtig, solche Erinnerungen festzuhalten?

Karl Frick: Im letzten Jahr fanden viele Veranstaltungen zum Ende des zweiten Weltkrieges statt. Da kam mir die Idee, die noch lebenden Zeitzeugen zu befragen und ihre Berichte in unserer Gemeindezeitung „Sulner Leaba“ zu veröffentlichen. Mir ist wichtig, Erlebnisse von Zeitzeugen zu dokumentieren und damit für die Nachwelt zu erhalten. Wie die zahlreichen Rückmeldungen zeigen, ist das Interesse groß. Nicht erwartet habe ich, dass sich auch jüngere Leute dafür interessiert haben.

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Gibt es Projekte oder Ideen, die Sie in den nächsten Jahren umsetzen möchten?

Karl Frick: Während meiner Berufslaufbahn habe ich unzählige Fotos von Ereignissen in Sulz gemacht. Die Aufarbeitung dieser Fotos wird eine Aufgabe in nächster Zeit sein. Auf Grund der positiven Rückmeldungen zum Artikel „80 Jahre Kriegende“ gibt es von der Gemeinde den Wunsch, weitere Berichte über unsere Gemeindegeschichte zu veröffentlichen.