Zu geringe Deutschkenntnisse an Schulen – MS Rheindorf in Lustenau erhält Unterstützung

Einige Vorarlberger Schulen werden teilweise als „Brennpunktschulen“ bezeichnet – wie berechtigt ist diese Bezeichnung?
Lustenau „Wir haben Schüler mit Migrationshintergrund, die nur ‚Sehr gut‘ schreiben und Lustenauer Dialekt sprechen. Genauso gibt es Schüler, bei denen der Migrationshintergrund ein starkes Problem ist“, schildert Christine Hopfner, Direktorin der Mittelschule (MS) Rheindorf in Lustenau. Sie ist der Ansicht, dass die Herausforderungen dort größer sind als an anderen Schulstandorten in Vorarlberg. Doch der seit einiger Zeit kursierende Ausdruck „Brennpunktschule“ sei unpassend. Weniger stigmatisierend wäre die Bezeichnung „Bunte Schule“.

Sprachdefizite
Das Wort „Brennpunktschule“ kam auf, als vor Kurzem bekanntgegeben wurde, dass Schulen mit besonders herausfordernden Rahmenbedingungen ab Herbst den sogenannten Chancenbonus erhalten werden. Ausgewählt wurden sie anhand ihrer soziökonomischen Ausgangslage – dazu zählen zum Beispiel der Migrationshintergrund und die Alltagssprache der Kinder, aber auch der Bildungsstand und das Einkommen der Eltern. In Vorarlberg handelt es sich dabei um elf Schulstandorte, die schon bald zusätzliche Ressourcen erhalten werden – die MS Rheindorf in Lustenau ist eine davon.
Außerdem zählen dazu die Volksschulen Augasse, Rieden und Schendlingen in Bregenz, die Mittelschule Kirchdorf Lustenau und die Mittelschule Frastanz. Genauso werden die Volks- sowie die Mittelschule Feldkirch-Levis, die Mittelschule Bludenz, die Volksschule Bludenz Mitte und die Volksschule St. Peter den Chancenbonus erhalten.

Vorarlberger Schulen im Chancenbonus-Programm
Bregenz
- Volksschule Augasse
- Volksschule Rieden
- Volksschule Schendlingen
Lustenau
- Mittelschule Kirchdorf Lustenau
- Mittelschule Rheindorf
Frastanz
- Mittelschule Frastanz
Feldkirch
- Mittelschule Feldkirch-Levis
- Volksschule Feldkirch Levis
Bludenz
- Mittelschule Bludenz
- Volksschule Bludenz Mitte
- Volksschule St. Peter
Die größte Herausforderung an der MS Rheindorf sind Sprachdefizite. Deshalb ist Direktorin Hopfner grundsätzlich froh über den Chancenbonus. Damit soll unter anderem das Lehrpersonal für spezifische Deutschförderung aufgestockt werden.

Das sagen Eltern und Schüler
„In Lustenau gibt es viele Menschen mit Migrationshintergrund, es ist eine facettenreiche Gesellschaft. Aber die Schule ist für mich wie jede andere“, meint Elisabeth Hofer, Schriftführerin des Elternvereins der MS Rheindorf.

„Für uns ist es nichts Neues, dass unsere Schule einen sozioökonomischen Hintergrund hat, der unterstützenswert ist. Das ist schon lange so und die Schule arbeitet auch schon lange daran“, sagt Christine Bösch-Vetter, Obfrau des Elternvereins MS Rheindorf und außerhalb davon Abgeordnete zum Vorarlberger Landtag (Grüne). „Schule ist ein Ort, wo Kinder auch lernen, wie Gemeinschaft funktioniert. Und hier lernen sie das unter realistischen Voraussetzungen.“

Für eine gute sprachliche Entwicklung sollte man laut Bösch-Vetter schon im Kindergarten ansetzen. „Dabei ist es nicht hilfreich, dass man in diesen jetzt vielerorts Stunden kürzt.“ Sie hält nichts davon, Eltern mittels Strafen – beispielsweise durch Kürzungen bei Sozialleistungen aufgrund von Sprachdefiziten ihrer Kinder – stärker in die Pflicht zu nehmen. Solche Maßnahmen würden auch die Kinder indirekt treffen.
Mehrere Schüler wie die 13-jährige Anika Hitthaler und der 14-jährige Liam Schwarz würden die MS Rheindorf offenbar auch nicht mit dem Begriff „Brennpunktschule“ identifizieren. Auf die Frage nach der größten Herausforderung an der Schule nannten sie etwa nicht Kinder mit Migrationshintergrund, sondern Hauptfächer wie Mathematik.

Außerdem sei es an Schulen von Geschwistern oft turbulenter. „Mein Zwillingsbruder geht in ein Unterstufengymnasium und dort geht es wilder zu als bei uns, weil die Schule dort viel größer ist“, meint die 14-Jährige Pia Fetty. Diese Aussagen und schulische Angebote wie Schach passen nur schwer zum Bild einer klassischen „Brennpunktschule“.
