In Lochau marschieren noch die “Rätscher” durchs Dorf

Als alter Osterbrauch soll das “Rätschen” in der Gemeinde jedoch wieder lauter werden.
Lochau Wenn in vielen Regionen Österreichs während der Kartage, von Gründonnerstag bis zur Osternacht, die Kirchenglocken und die Orgeln verstummen, übernehmen traditionell die Rätscher-Gruppen deren Aufgabe. Mit ihren hölzernen Instrumenten, mundartlich “Rätscha” genannt, ziehen sie durch das Dorf, kündigen die Gebets- und Messzeiten an und bewahren damit ein jahrhundertealtes Brauchtum. Denn laut dem alten Volksglauben sind in dieser Zeit “die Glocken nach Rom geflogen”. Die liturgische Stille erinnert zudem an das Leiden und Sterben Jesu.

Das Rätschen speziell in Lochau
In Lochau war das Rätschen über viele Generationen hinweg – nachweislich mit einem Foto aus dem Jahr 1936 – am Gründonnerstagabend, am Karfreitag und am Karsamstag bis hin zum Osternachtgottesdienst, besonders in den Ortsteilen Dorf, Kugelbeer und Bäumle, ein vertrauter Klang.
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Traditionell waren es die “Rätscha-Buaba”, doch erfreulicherweise dürfen seit vielen Jahren auch Mädchen mitmachen. Trotzdem wurden die Rätscher von Jahr zu Jahr leiser. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die diesen schönen Brauch weiterführen, ist deutlich zurückgegangen. So ist seit einigen Jahren nur noch eine einzige Rätscher-Gruppe im Dorf unterwegs. Es sind dies die Kinder der Familien Faisst, Forster, Schmid und Brugger.

Erinnerungen an die Kindheit
Bürgermeister Frank Matt liegt es besonders am Herzen, dieses wertvolle Brauchtum zu bewahren und wieder sichtbarer zu machen. Er erinnert sich: In meiner Kindheit bin ich selbst mit den “Rätscha-Buaba” durchs Dorf marschiert, immer darauf bedacht, den richtigen Rhythmus zu halten. Denn zum einen sollte damit eine einheitliche, halbwegs wohlklingende Klangwolke erzeugt werden, und zum anderen waren die speziellen “Melodien” einem anderen Zweck gewidmet. Wurde den Rätschern beispielsweise mit einer Spende gedankt, erwiderten sie dies mit einem entsprechenden besonderen Rätscha-Klang. Gab es keinen Dank oder wurden die Rätscher gar ignoriert, wurden die Übeltäter mit einem besonders schrillen Rätscha-Klang “ausgerätscht”.

Früher, als sich der Verkehr ohne Pfändertunnel noch häufig durch Lochau staute, begleiteten die “Rätscha-Buaba” gerne auch die im Stau stehenden Autofahrer ein Stück des Weges – in der Hoffnung auf einen kleinen Obolus.
Wer als Kind das erste Mal als Rätscher mit von der Partie war, erhielt einen sogenannten “Klöpfler”. Erst im zweiten Jahr durfte der Nachwuchs mit einer richtigen Rätschn zum unüberhörbaren Rätscha-Klang beitragen.
Aufruf zum Erhalt des Brauchtums
In der letzten Ausgabe der Gemeindezeitung “Z’Lochau” wurde zum Erhalt dieses alten Brauchtums ein Aufruf gestartet. Handwerklich begabte Männer und Frauen aus der Gemeinde, die Lust haben, zusammen mit dem Bürgermeister neue Rätschen zu bauen, sollen sich melden. Gemeinsam will man dann auch im kommenden Jahr als “Erwachsenen-Rätscher-Gruppe” diese Tradition in Lochau verstärkt fortsetzen. Gesucht werden zudem alte Original-Rätschen, die als Vorlage für möglichst authentische Nachbauten dienen können. “Erfreulich, dass diesbezüglich schon erste Meldungen eingetroffen sind”, so der Bürgermeister.


