In Lochau marschieren noch die “Rätscher” durchs Dorf

VN / 29.03.2026 • 06:20 Uhr
Die „Rätscha-Buaba“ vom Ortsteil Bäumle im Jahr 1999 mit Simon Forster, Daniel Renn, Christoph Heiß und Lukas Forster (vorne) sowie Thomas Grass, Johannes Bawart aus Weiler, Andreas Feder, Fabian Schmölzer und Benedikt Matt (hinten).
Die “Rätscha-Buaba” vom Ortsteil Bäumle im Jahr 1999 mit Simon Forster, Daniel Renn, Christoph Heiß und Lukas Forster (vorne) sowie Thomas Grass, Johannes Bawart aus Weiler, Andreas Feder, Fabian Schmölzer und Benedikt Matt (hinten).Manfred Schallert

Als alter Osterbrauch soll das “Rätschen” in der Gemeinde jedoch wieder lauter werden.

Lochau Wenn in vielen Regionen Österreichs während der Kartage, von Gründonnerstag bis zur Osternacht, die Kirchenglocken und die Orgeln verstummen, übernehmen traditionell die Rätscher-Gruppen deren Aufgabe. Mit ihren hölzernen Instrumenten, mundartlich “Rätscha” genannt, ziehen sie durch das Dorf, kündigen die Gebets- und Messzeiten an und bewahren damit ein jahrhundertealtes Brauchtum. Denn laut dem alten Volksglauben sind in dieser Zeit “die Glocken nach Rom geflogen”. Die liturgische Stille erinnert zudem an das Leiden und Sterben Jesu.

Erfreulicherweise dürfen seit vielen Jahren auch Mädchen beim „Rätschen“ mitmachen. Im Bild die „Rätscher-Gruppe“ aus dem Jahr 2017 mit Johanna Faisst, David Schmid und Samuel Schmid (vorne) sowie Annalena Faisst, Elena Schmid, Sarah Brugger und Alena Forster (hinten).
Erfreulicherweise dürfen seit vielen Jahren auch Mädchen beim “Rätschen” mitmachen. Im Bild die “Rätscher-Gruppe” aus dem Jahr 2017 mit Johanna Faisst, David Schmid und Samuel Schmid (vorne) sowie Annalena Faisst, Elena Schmid, Sarah Brugger und Alena Forster (hinten).

Das Rätschen speziell in Lochau

In Lochau war das Rätschen über viele Generationen hinweg – nachweislich mit einem Foto aus dem Jahr 1936 – am Gründonnerstagabend, am Karfreitag und am Karsamstag bis hin zum Osternachtgottesdienst, besonders in den Ortsteilen Dorf, Kugelbeer und Bäumle, ein vertrauter Klang.

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Traditionell waren es die “Rätscha-Buaba”, doch erfreulicherweise dürfen seit vielen Jahren auch Mädchen mitmachen. Trotzdem wurden die Rätscher von Jahr zu Jahr leiser. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die diesen schönen Brauch weiterführen, ist deutlich zurückgegangen. So ist seit einigen Jahren nur noch eine einzige Rätscher-Gruppe im Dorf unterwegs. Es sind dies die Kinder der Familien Faisst, Forster, Schmid und Brugger.

Die „Rätscher-Gruppe Kugelbeer“ im Jahre 2003 mit Aaran Leitner, William Hörburger, Tobias Hopfner, Fabrizio Pritzi (vorne) sowie Mathias Schneider, Daniel Hopfner, Niklas Hörburger, Benjamin Leitner und Anna Klucsarits (hinten).
Die “Rätscher-Gruppe Kugelbeer” im Jahr 2003 mit Aaran Leitner, William Hörburger, Tobias Hopfner, Fabrizio Pritzi (vorne) sowie Mathias Schneider, Daniel Hopfner, Niklas Hörburger, Benjamin Leitner und Anna Klucsarits (hinten).

Erinnerungen an die Kindheit

Bürgermeister Frank Matt liegt es besonders am Herzen, dieses wertvolle Brauchtum zu bewahren und wieder sichtbarer zu machen. Er erinnert sich: In meiner Kindheit bin ich selbst mit den “Rätscha-Buaba” durchs Dorf marschiert, immer darauf bedacht, den richtigen Rhythmus zu halten. Denn zum einen sollte damit eine einheitliche, halbwegs wohlklingende Klangwolke erzeugt werden, und zum anderen waren die speziellen “Melodien” einem anderen Zweck gewidmet. Wurde den Rätschern beispielsweise mit einer Spende gedankt, erwiderten sie dies mit einem entsprechenden besonderen Rätscha-Klang. Gab es keinen Dank oder wurden die Rätscher gar ignoriert, wurden die Übeltäter mit einem besonders schrillen Rätscha-Klang “ausgerätscht”.

Mit „Rätscher-Hauptmann“ Daniel Reichart war die „Rätscher-Gruppe Dorf“ im Jahre 2012 unterwegs: Laura Pichler, Viktoria Bonat, Katharina Bonat, Daniel Reichart, Johannes Pichler, Sabrina Reichart und Sara Bertel.
Mit “Rätscher-Hauptmann” Daniel Reichart war die “Rätscher-Gruppe Dorf” im Jahr 2012 unterwegs: Laura Pichler, Viktoria Bonat, Katharina Bonat, Daniel Reichart, Johannes Pichler, Sabrina Reichart und Sara Bertel.

Früher, als sich der Verkehr ohne Pfändertunnel noch häufig durch Lochau staute, begleiteten die “Rätscha-Buaba” gerne auch die im Stau stehenden Autofahrer ein Stück des Weges – in der Hoffnung auf einen kleinen Obolus.

Wer als Kind das erste Mal als Rätscher mit von der Partie war, erhielt einen sogenannten “Klöpfler”. Erst im zweiten Jahr durfte der Nachwuchs mit einer richtigen Rätschn zum unüberhörbaren Rätscha-Klang beitragen.

Aufruf zum Erhalt des Brauchtums

In der letzten Ausgabe der Gemeindezeitung “Z’Lochau” wurde zum Erhalt dieses alten Brauchtums ein Aufruf gestartet. Handwerklich begabte Männer und Frauen aus der Gemeinde, die Lust haben, zusammen mit dem Bürgermeister neue Rätschen zu bauen, sollen sich melden. Gemeinsam will man dann auch im kommenden Jahr als “Erwachsenen-Rätscher-Gruppe” diese Tradition in Lochau verstärkt fortsetzen. Gesucht werden zudem alte Original-Rätschen, die als Vorlage für möglichst authentische Nachbauten dienen können. “Erfreulich, dass diesbezüglich schon erste Meldungen eingetroffen sind”, so der Bürgermeister.

Schon seit einigen Jahren ist in Lochau nur noch eine Rätscher-Gruppe im Dorf unterwegs. Es sind dies die Kinder der Familien Faisst, Forster, Schmid und Brugger, wie uns das Bild aus dem Jahr 2019 zeigt.
Schon seit einigen Jahren ist in Lochau nur noch eine Rätscher-Gruppe im Dorf unterwegs. Es sind dies die Kinder der Familien Faisst, Forster, Schmid und Brugger, wie uns das Bild aus dem Jahr 2019 zeigt.
William Hörburger (2003).
William Hörburger (2003).
Jana Schmid (2015).
Jana Schmid (2015).