Dornbirnerin Johanna Hefel erhält hohe Landesauszeichnung

Die Professorin hat so viel erreicht, dass es für mehrere Leben reichen würde.
Dornbirn Ein dichtes Berufsleben und zahlreiche Errungenschaften prägen den Lebensweg von Johanna Hefel: Die 62-jährige Dornbirnerin hat an der Fachhochschule Vorarlberg (FHV) in Dornbirn die Studiengänge Soziale Arbeit mitentwickelt, erhielt den Österreichischen Wissenschaftspreis der Sozialen Arbeit und gründete mit Kollegen die Österreichische Gesellschaft für Soziale Arbeit (ogsa), die sie heute als Präsidentin leitet.
Außerdem wurde Hefel für einen Beitrag, in dem sie eigene Erfahrungen wissenschaftlich reflektiert, bei der „Internationalen Konferenz über Trauer und Verlust in der heutigen Gesellschaft“ in Hongkong ausgezeichnet. Die Liste ihrer Leistungen ließe sich noch fortsetzen. Für ihren umfangreichen Einsatz wurde sie im März mit dem Großen Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg ausgezeichnet.

Sich für andere einsetzen
Hefels Weg in die Soziale Arbeit war nicht geplant. Sie arbeitete zunächst über zehn Jahre als medizinisch-technische Assistentin. In dieser Zeit betreute sie viele Patienten mit Migrationshintergrund. Dabei nahm sie Diskriminierung, Hürden und ungleiche Lebensbedingungen wahr – Erfahrungen, die sie schließlich dazu bewogen, Soziale Arbeit zu studieren.

„Gerechtigkeit und Gleichstellung haben mich schon immer angetrieben“, erzählt die zweifache Mutter. Schon in jungen Jahren war sie Feministin und politisch aktiv. Und auch die Soziale Arbeit ist für sie politisch: „Es geht dabei um Menschenrechte, jenseits von Parteipolitik.“
Pionierarbeit an der FHV
Mitte der 1990er-Jahre begann Hefel neben dem Beruf das Studium der Sozialen Arbeit. Bereits gegen Ende davon war sie in diesem Bereich tätig, aber bildete sich kontinuierlich weiter, etwa durch ein Magisterstudium und eine Promotion.
Im Jahr 2002 wurden in Österreich die Sozialakademien an die Fachhochschulen überführt. Bei diesem Prozess war Hefel an der FHV im Bereich der Sozialen Arbeit von Anfang an beteiligt. Sie entwickelte zum Beispiel den Lehrplan mit und begann auch zu unterrichten. Später kamen zur Pionierarbeit und Lehre auch die Forschung hinzu.

Viel ehrenamtlich
Neben ihrer Tätigkeit an der FHV war die Professorin für Tagungen, Lehrveranstaltungen und Forschungsprojekte international unterwegs, etwa in den USA und in England. Über 20 Jahre hinweg wirkte sie an einer internationalen Sommerschule in Finnland mit, die sie acht Jahre lang leitete. „Ziel war es, Studierenden der FHV, die kein Auslandssemester machen konnten, internationale Erfahrungen zu ermöglichen.“
Die Auslandseinsätze wurden von der FHV gefördert, dennoch waren sie für Hefel mit großem persönlichem Einsatz verbunden. Auch darüber hinaus investierte sie viel Freizeit in die Weiterentwicklung ihrer Profession: „Meine Arbeit in der ogsa war und ist zum Beispiel rein ehrenamtlich.“ Ebenfalls unbezahlt ist ihr Einsatz bei Gesetzesprozessen: Sie war an der Entwicklung des Sozialarbeits-Bezeichnungsgesetzes beteiligt und arbeitet aktuell am Berufsgesetz mit, das 2027 umgesetzt werden soll. „Obendrauf und unbezahlt ist ein Teil des akademischen Lebens“, meint sie schmunzelnd.

Hefel ist bereits pensioniert, aber weiterhin als Lehrende tätig. Außerdem ist sie noch in verschiedenen Projekten und Gremien aktiv, zum Beispiel ist sie stellvertretende Vorsitzende des Trauerforschungsinstituts „kleine Blume“, das sie mitbegründet hat. „Aber langsam ziehe ich mich zurück“, sagt sie. Ihr Ziel ist es, Türen für die nächste Generation zu öffnen, sie noch ein Stück zu begleiten und ihnen dann das Feld zu überlassen – im Vertrauen darauf, dass sie die Arbeit gut weiterführen werden.

Zur Person:
Johanna Hefel, Pionierin im Feld der Sozialen Arbeit
- Geboren: 5. Juni 1964
- Wohnort: Dornbirn
- Ausbildung: Diplom in Sozialer Arbeit in Bregenz sowie Magisterstudium und Promotion an der Universität Innsbruck
- Beruf: Pensioniert, aber noch als Lehrende an Hochschulen und Universitäten tätig
- Familie: Zwei erwachsene Kinder
- Hobbys: Reisen, Lesen, Wandern, Schwimmen in kalten Bergseen