„Overshoot Day“ als Anlass: Bludenzer Eisdiele schafft Einwegbecher ab

„D‘ Eisprinza“ haben rund 6000 Einweg-Eisbecher entsorgt und setzen nun auf essbare Alternativen.
Bludenz Rund 6000 Eisbecher liegen auf dem Boden der Eisdiele „D‘ Eisprinza z‘ Bludaz“ in der Bludenzer Herrengasse. Mario Frank und Michael Tscholl haben den 2. April zum Anlass genommen, die restlichen Einweg-Eisbecher ein für alle Mal zu entsorgen und damit der Müllproduktion den Kampf anzusagen. Der „Overshoot Day“ markiert jenen Tag, an dem Österreich alle natürlichen Ressourcen verbraucht hat, die eigentlich für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen. Ab diesem Zeitpunkt lebt das Land sozusagen „auf Pump“, also auf Kosten der Umwelt.

„Wir hätten jetzt neue Becher bestellen müssen“, sagte Michael Tscholl. Eigentlich wollten sie schon vor zwei Jahren die Einweg-Eisbecher verbannen, die nach der Benutzung im Restmüll landen, doch es waren noch zu viele Becher übrig. Nun ist die Menge auf ein überschaubares Maß gesunken, sodass die Aktion umgesetzt werden konnte. Tscholl betonte, dass diese Becher so oder so weggeworfen worden wären, „mit oder ohne Eis drin“. Der Müll ist bereits beim Einkauf dieser Becher entstanden. Ungeöffnete Kartons mit den Eisbechern konnten sie zurückschicken.


Die konsequente Müllvermeidung war von Anfang an die Philosophie von Mario Frank und Michael Tscholl. „Wir sind sowieso schon sparsam mit den Bechern umgegangen.“ Statt der beschichteten Papierbecher boten sie Eis in Glasschälchen an. Jetzt sind sie auf komplett essbare Produkte umgestiegen: Die Becher bestehen aus einer Waffel, die Löffel aus härterem Biskuit.


Stadtmarketing-Chefin Natascha Arzberger machte sich selbst ein Bild von der Müllvermeidungsaktion. Sie findet es „wahnsinnig lässig, dass wir in der Stadt Nachhaltigkeitsexperten haben“. Tscholl kritisierte jedoch, dass sich niemand für ihr Nachhaltigkeitskonzept interessiere, weder Unternehmer noch Politiker. Tscholl und Frank hätten der Stadtpolitik bereits vorgeschlagen, eine Müll- beziehungsweise Einwegsteuer einzuführen. Einige deutsche Städte seien hier Vorreiter. „Doch das interessiert niemand. Das wird totgeschwiegen“, bedauert Tscholl. Dabei sei eine solche Steuer eine lukrative Einnahmequelle für die Stadt. Arzberger ist dankbar, dass die „Eisprinzen“ Pioniergeist zeigen und die Müllvermeidung selbst in die Hand nehmen, wenngleich sie bis jetzt die Einzigen sind, die es in dieser Konsequenz umsetzen.
