Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Streiflicht: Rollentausch

VN / 08.04.2026 • 13:01 Uhr

Irgendwann kehren sich die Dinge um. Der Ostersonntag dämmert herauf. Mittags wird gegrillt. Diesmal asiatisch, entscheiden die Kinder. Ach, die Kinder! Sind schon über 30 und heißen noch immer so. Plaudernd und lachend radeln sie in den Garten. Ihre Körbe quellen über. Alles haben sie mitgebracht. Ganz selbstverständlich übernehmen sie das Kommando. Später dann biegt sich der Tisch. Es duftet verführerisch. Bis in den Abend zerrinnt die Zeit, ohne auf die Uhr zu schauen. Als sie wieder gehen, klingt ihr Lachen noch nach. Nistet in den Sträuchern und wurzelt mit den Bäumen.

Irgendwann kehren sich die Dinge um. Kinder wachsen heran. Gestalten ihr eigenes Leben. Die Eltern treten in die zweite Reihe. Alles hat seine Zeit, steht in der Bibel. Aber wie gestaltet man die Übergänge? Wir sind nicht gut darin. Gläubige Hindus steuern ihr Leben nach dem Zenit in Richtung Rückzug und Entsagung. Aber wir sind keine Hindus. Denken bei Rindern an Schmorbraten. So wird das nichts mit der Entsagung. 

Eine kleine Rauchfahne kräuselt sich gen Himmel. Über leer gegessenen Schüsseln erklingen Seufzer vollständigen Wohlbefindens. Abwasch? Erledigt. Kaffee? Ist schon heiß. Also, die Rolle vom Gastgeber zum Gast zu wechseln, das hat ganz hinreißende Seiten. Und das mit der Entsagung … behalten wir für später auf.