Vorarlberg wird zur Testregion für sichereres Radfahren

Auf der L50 zwischen Götzis und St. Arbogast erproben Forscher eine neue Lösung für fehlende Radwege auf Freilandstraßen.
Götzis Seit Mittwoch sind sie da: neue Bodenmarkierungen und Schilder auf der Walgaustraße (L50) zwischen Götzis und St. Arbogast. Das Besondere daran: Es handelt sich um keinen gewöhnlichen Anstrich, sondern um einen Test, der ein weitverbreitetes Problem lösen könnte.

Im Rahmen eines nationalen Forschungsprojekts untersucht Salzburg Research gemeinsam mit con.sens Verkehrsplanung und dem KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit), ob sogenannte Mehrzweckstreifen auf Freilandstraßen funktionieren und die Sicherheit für Radfahrer erhöhen können. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit sind im April und Mai 2026 Messfahrten und Befragungen geplant. „In anderen Ländern wie Deutschland oder den Niederlanden gibt es schon genügend Beispiele dafür. In der österreichischen Norm ist es noch nicht vorgesehen, dass Mehrzweckstreifen außerorts eingerichtet werden können“, erläutert Projektleiter Sven Leitinger von Salzburg Research.

Das Problem: Entlang vieler Freilandstraßen gibt es noch Lücken in der Radinfrastruktur. Baulich getrennte Radwege lassen sich nicht überall realisieren, sei es aufgrund der Topografie oder wegen des begrenzten Straßenraums.

Österreichweit werden insgesamt drei Teststrecken eingerichtet: eine im Burgenland, eine in Kärnten und eine in Vorarlberg. Die Vorarlberger Teststrecke auf der L50 ist knapp einen halben Kilometer lang. Sie verläuft im Gegensatz zu den beiden anderen bergauf und beginnt bei der Tempo-60-Begrenzung nach der Ortstafel Götzis und endet bei der Tempo-50-Begrenzung bei St. Arbogast. Der Mehrzweckstreifen ist 1,75 Meter breit, die Kernfahrbahn 4,61 Meter. Am Beginn und in der Mitte der Teststrecke werden Infotafeln aufgestellt, auf denen die empfohlene Verhaltensweise erklärt wird. Der Abschnitt wurde ausgewählt, weil er relativ gradlinig verläuft. “Wir wollten aufgrund der Sicherheit nichts Kurvenreiches haben, weil es doch nur eine Teststrecke ist”, führt der Projektleiter aus.

Für die Verkehrsteilnehmer gilt laut Leitinger ein einfaches Prinzip: Kraftfahrzeuge sollen grundsätzlich außerhalb des Mehrzweckstreifens fahren. In Situationen wie bei Gegenverkehr kann es erforderlich sein, den markierten Bereich kurz mitzubenutzen. Entscheidend ist, dass Radfahrende nicht bedrängt werden und beim Begegnen oder Überholen ein ausreichend großer Sicherheitsabstand eingehalten wird. “Der bergauf führende Streckenverlauf ist nicht nur für Vorarlberg ein Thema, sondern für alle westlichen Bundesländer. Gerade hier gibt es immer wieder Lücken in der Radinfrastruktur, weil baulich oft nicht viel möglich ist”, unterstreicht Sven Leitinger.

Bei der Untersuchung werden sowohl objektive Sicherheitsdaten als auch Erfahrungen und Wahrnehmungen erhoben. Geplant sind Testfahrten mit dem Forschungsfahrrad von Salzburg Research sowie Fahrten mit Testpersonen, darunter Radfahrer und Pkw-Lenkende. Parallel dazu wird eine Online-Befragung in den umliegenden Orten durchgeführt, um Rückmeldungen zur Markierung und zum Sicherheitsgefühl zu sammeln.
Die Onlinebefragung startet am 24. April 2026: http://r.kfv.at/befragung-rad-mehrzweckstreifen-vorarlberg
Studie MZSFreiland
MZSFreiland ist eine Studie zu Mehrzweckstreifen mit schmaler Kernfahrbahn auf österreichischen Freilandstraßen. Auftraggeber ist das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI). Finanziert wird das Projekt im Rahmen des Klima- und Energiefonds, Ausschreibung „Zero Emission Mobility plus 2024“. Die Studie läuft bis August 2026. Die Markierungen und Beschilderungen in Vorarlberg werden vom Amt der Vorarlberger Landesregierung, Abteilung Straßenbau finanziert.