Ein sozialer Volltreffer

VN / 12.04.2026 • 10:55 Uhr
Carmen Huber
Beim Schießen mit der Pistole lässt sich Carmen Huber durch nichts ablenken.

Carmen Huber organisiert mit dem Combat Club Dornbirn auch Spendenveranstaltungen.

Hohenems Mit sanfter Strenge ruft Carmen Huber (48) ihren bellenden Hund zur Ordnung. Der 14 Monate alte Dobermannrüde „Harrison“ verlangt nach Aufmerksamkeit. Doch Carmen vermag den quirligen Vierbeiner rasch zu beruhigen. Ebenso gut beherrscht die Emserin den Umgang mit Waffen. Seit mehr als 20 Jahren ist sie Mitglied im Combat Club Dornbirn und seit 2025 dessen Oberschützenmeisterin. Carmen Huber beschreibt das Schießen als eine Art von mediativem Vorgang: „Am Schießstand kann ich abschalten, da gibt es nur noch den Fokus auf Konzentration und Sicherheit.“ Beim Combat Club zählt aber mehr, als ins Schwarze zu treffen, nämlich soziales Engagement.

Carmen Huber
Carmen Huber (l.) mit Anita Dietl, der Obfrau des Vereins “Herzenssache für Kinder”.

Geld bleibt im Land

Alle zwei Jahre wird eine Charity-Veranstaltung für wohltätige Vereine organisiert, zu deren Nutznießern unter anderem der Verein „Vorarlberger Herzenssache für Kinder“ zählt. Am kommenden Wochenende ist es wieder so weit. „Alle 90 Plätze sind vergeben“, freut sich Carmen Huber über die große Nachfrage von Schützinnen und Schützen auch aus der Schweiz und Deutschland. Außerdem konnten 650 Lose für eine Tombola verkauft werden. Die Anfrage eines Schützenvereins aus Deutschland, ob der Combat Club bei einem Charity-Event mitmachen würde, brachte den Stein ins Rollen. „Wir waren gerne dabei, das Geld musste aber im Land bleiben”, lautete die Voraussetzung. Ein Teil des Erlöses ging damals gleich an den Verein „Herzenssache für Kinder“ und das nicht ohne Grund: „Das Konto war praktisch leer“, erinnert sich Carmen Huber. Nach einer Überweisung von 5500 Euro sah die Welt wieder besser aus.

Carmen Huber
Mit “Harrison” ist Carmen Huber am liebsten im Wald unterwegs.

Der Verein beteilt die Geburten- und Kinderstationen in den Krankenhäusern des Landes mit allem, was Kleine benötigen. Frauen stricken, häkeln und nähen Bekleidung, Deckchen und anderes, wie etwa Stoff-Sternchen, die Eltern von Sternenkindern als Erinnerung mitgegeben werden. Carmen Huber ist der Verein ans Herz gewachsen. Deshalb unterstützt sie ihn inzwischen auch als Schriftführerin. Vom Erlös aus der aktuellen Charity-Veranstaltung wird zumindest die Hälfte auf das Vereinskonto wandern.

Carmen Huber
Carmen Huber ist eine Powerfrau, sie hat auch ihr Motorrad fest im Griff.

Disziplin und Verantwortung

Schützenvereine sind nach wie vor eine Männerdomäne. Der Combat Club Dornbirn zählt rund 250 Mitglieder, davon sind etwa 60 aktiv. Carmen Huber ist die erste Frau an der Spitze. „Man kann sich bewerben, dann wird gewählt“, erklärt Huber. Sie bewarb sich und schaffte es. Huber hat Erfahrung. Schon als junges Mädchen machte sie, vom Vater motiviert, Bekanntschaft mit dem Schießen. Kleinkaliber und Luftgewehr waren ihre Domäne. Nach erfolgreichen Jahren folgte eine längere Pause, ehe die zweifache Mutter wieder ihre Leidenschaft aufnahm. Das Schießen verlangt Disziplin und Verantwortung. Deshalb müssen mentale und körperliche Fitness regelmäßig trainiert sowie Sicherheitsschulungen absolviert werden. Carmen Huber würde sich trotzdem oft einen anderen Blickwinkel auf den Schießsport wünschen, denn Einwände wie „Waffen, wie kann man nur“ hört sie immer wieder einmal. Doch sie weiß solche Vorurteile zu parieren: „Es ist nicht die Waffe, sondern der Mensch, der sie führt, auf den es ankommt.“

Zur Person

Carmen Huber

Alter 48

Wohnort Hohenems

Beruf Fahrlehrerin

Familienstand verheiratet (ihr Mann ist Zeugwart beim Combat Club), 2 Kinder

Hobbys Waldspaziergänge mit dem Hund, Motorradfahren, Lesen