Alter Rhein künftig ohne Tante Schnuggi

Tante Schnuggi ist ein Fixpunkt am Alten Rhein. Diesen Sommer steht jedoch eine Veränderung an.
Lustenau Ein sonniger Morgen am Alten Rhein: Das Wasser liegt ruhig wie ein Teppich, eine friedliche Stille umgibt dieses Naturjuwel. Ab und zu ziehen Enten große Kreise auf der glatten Oberfläche. Am Ufer steht Friederike Buljat (61), vielen besser bekannt als „Tante Schnuggi“, die Eisverkäuferin. Mit einem zufriedenen Lächeln blickt sie über die ihr vertraute Umgebung. „Ich habe immer gesagt, dass ich den schönsten Arbeitsplatz der Welt habe“, sagt sie und atmet tief ein.
Seit 2019 verkaufte Friederike an sonnigen Tagen ihr selbstgemachtes Eis vom Eisfahrrad an der Liegewiese beim Volleyballplatz und versüßte damit Badegästen, Spaziergängern und Radfahrern den Tag. Doch die Zahl der Sonnentage reichte nicht mehr aus, ein Grund, warum sie sich nun beruflich neu orientiert.
Erfindergeist aus der Not heraus

Vor gut sechs Jahren wollte Friederike eine Eisdiele eröffnen, fand jedoch kein passendes Lokal. So entstand die Idee, das Eis direkt zu den Menschen zu bringen. Mit ihrem Eisfahrrad wurde sie schnell zur festen Größe an der Liegewiese. „Manche kamen sogar mit dem E-Bike aus dem Montafon oder dem Bregenzerwald, legten bei mir eine Pause ein und fuhren dann weiter“, erzählt sie. Die Nachfrage war groß: „An manchen Tagen reichte die Schlange bis zum Wasser.“
Zu wenige Sonnentage
„Im vergangenen Jahr gab es nur 58 Sonnentage, an denen ich mein Eis verkaufen konnte. Das ist zu wenig“, berichtet die Lustenauerin. Eigentlich könnte Friederike bereits in den Ruhestand gehen, doch daran denkt sie noch nicht. Stattdessen übernimmt sie gemeinsam mit einer Freundin den Rappenlochstadl in Dornbirn. „Ich verlasse den Alten Rhein mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt sie. „Hier ist es ruhig, selbst wenn viele Menschen da sind. Es ist einfach ein wunderschöner Ort“, betont sie und zeigt auf das Nilgans-Paar, das jedes Jahr mit seinen Jungen auf dem Wasser schwimmt. „Auch dieses Jahr sind es wieder acht Küken“, sagt sie lächelnd und hält den Moment mit ihrem Handy fest.
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Was Friederike besonders fehlen wird, sind die Stammgäste. Ihr Eisfahrrad bleibt jedoch erhalten: „Das habe ich mit in den Rappenlochstadl genommen und werde es weiterhin mit frischem Eis bestücken“, sagt sie glücklich. Sie freut sich auf das neue Kapitel ihres Lebens und hofft, viele alte Bekannte auch im Rappenlochstadl begrüßen zu dürfen. BVS
