Flammeninferno im Alamannendorf: “Da war dann plötzlich diese undurchdringliche Nebelschicht”

Das Langhaus des bekannten Freilichtmuseums der Alamannen in Mäder fiel in der Nacht auf Samstag den Flammen zum Opfer. Obmann Brandolf Höss erinnert sich.
Darum geht’s:
- Langhaus des Alamannendorfs in Mäder brannte vollständig nieder.
- Zwei Kursteilnehmer erlitten Rauchvergiftung und Brandblasen.
- Wiederaufbau des Hauptgebäudes ist bereits geplant.
Mäder Der Schock sitzt tief bei den Mitgliedern des Alamannenkreises Mäder. Am Samstag um 2.25 Uhr stand das Hauptgebäude des Freilichtmuseums in Mäder innerhalb weniger Minuten plötzlich lichterloh in Flammen. Es war das Langhaus. Gebaut aus Lehm, Holz und einem Strohdach. Die authentische Nachbildung des Hauptgebäudes eines Alamannendorfes. Genau so, wie man es sich in der zweiten Hälfte des sechsten Jahrhunderts vorstellen kann. Damals, als der Volksstamm der Alamannen in Vorarlberg sesshaft wurde.

Das mühevoll und mit Liebe zum Detail errichtete Langhaus war seit etlichen Jahren der Stolz des Alamannenkreises Mäder, dessen Obmann Brandolf Höss das Brauchtum mit seiner Frau Heria und zahlreichen Mitgliedern aus nah und fern nicht nur pflegt, sondern auch lebt. Auf eine außergewöhnliche und eindrucksvolle Weise. In Tracht, Lebensweise und einer ausgeprägten Verbundenheit zur Natur.

Frühmittelalterliche Hütten
Brandolf ist Wildnislehrer. Regelmäßig bringt er seine Erfahrungen in Kursen einem Kreis von Interessierten näher. So auch am vergangenen Freitag. Acht Teilnehmer versammelten sich im Alamannendorf im Ulimahd in Mäder. Ein verwunschener Winkel am Rande der kleinen Vorderländer Gemeinde, umrandet von dichtem Strauchwerk und von außen kaum einsehbar.
Wildnispädagogik stand auf dem Programm. Teil des Erlebnisses war auch die Übernachtung in der naturnahen, stillen Atmosphäre. Als die Dunkelheit einbrach, ahnte noch niemand etwas von dem Desaster, das am frühen Morgen inmitten des reizvollen Ensembles von frühmittelalterlichen Hütten, dessen Zentrum das aufwendig errichtete Langhaus war, ausbrechen sollte.

Brandolf Höss selbst schlief in einem Zelt, als ihn plötzlich Geschrei aus dem Schlaf riss. Den VN schilderte er die dramatischen Minuten, die danach folgten: “Da war da plötzlich diese undurchdringliche Nebelschicht. Es war klar, das Langhaus brannte. Es entwickelte sich in Sekunden eine unglaubliche Hitze.”
In dem Hauptgebäude befanden sich zwei Teilnehmer des Kurses. Es gelang ihnen, noch rechtzeitig aus dem sich rasant ausbreitenden Flammeninferno zu entkommen. “Ich rief ihnen zu: hierher, hierher!”, so Höss. Die Flüchtenden fanden sichere Zuflucht auf dem Spielplatz des angrenzenden Kindergartens.

“Wir haben sofort die Feuerwehr alarmiert. Zwei der Kursteilnehmer erlitten eine Rauchgasvergiftung und trugen Brandblasen davon. Alles in allem ging es jedoch noch für alle glimpflich ab. Und das ist das Wichtigste, was für mich zählt”, blickt der Alamannen-Obmann zurück. Ursache für den Brand dürfte eine umgefallene Kerze gewesen sein.
Ein Nachruf zum Gedenken
Doch wie geht es nun weiter? In den sozialen Medien widmeten die Alamannen dem altehrwürdigen Langhaus am nächsten Tag einen Nachruf in ergreifenden Zeilen wie: “Es wuchs aus der Erde wie ein lebendiger Gedanke der Vergangenheit, mit Muskelkraft errichtet, mit Schweiß getränkt.”
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“Am Montag werden wir uns zu einer Krisensitzung treffen”, sagte Höss am Sonntag gegenüber den VN. “Und dann auch mit dem Bürgermeister sprechen.” Das Ziel ist schon jetzt klar gesetzt. Die Wiedererrichtung des symbolträchtigen Hauptgebäudes des Freilichtmuseums. Und zwar noch größer, noch schöner, noch stolzer.