Festival der Uraufführungen in Messmers Stall

Besonderer Theaterabend des Erinnerungs- und Generationentheaters in Alberschwende.
Alberschwende Die Leiterin der Theatergruppe 60+/-, Anita Ohneberg, konnte eine interessierte Gästeschar in Messmers Stall begrüßen, darunter auch zwei Autorinnen von Stücken, die an diesem Abend uraufgeführt wurden: Petra Pellini, Bestsellerautorin des Buches “Der Bademeister ohne Himmel”, und Ingrid Hofer, Kinderbuchautorin und Liedermacherin, bekannt durch Teddy Eddy. Sie beide sind die Verfasserinnen der Stücke “Schlafende Hunde führen nach Rom” und “Savasana”. Nicht dabei war der Autor des Bühnenspiels “Die Anklage”, der mit zahlreichen Auszeichnungen bedachte Buchautor und Poetry-Slammer Ivica Mijajlovic. Für heitere und besinnliche Momente sorgte zwischendurch Autor Arno Gander von Literatur Vorarlberg mit Kurzgeschichten und lyrischen Texten.

Themen, die zu Herzen gehen
Gleich zu Beginn fesselte Isolde Janner in dem Zweipersonenstück “Schlafende Hunde führen nach Rom” (von Petra Pellini) als verwirrte Frau im Altersheim. Zusammen mit der Darstellerin taucht man ein in den Zustand eines Menschen, der an Demenz leidet, der sich weder in seiner Umgebung noch in seinen Gedanken zurechtfindet. Die Verzweiflung und der Irrgarten, in dem sich die Frau befindet, überträgt sich auf die Zuschauenden auf beklemmende Weise. Ebenso die Unsicherheit und Trostlosigkeit, wie die Angehörigen damit umgehen, dargestellt von Herma Comper als Tochter.

In dem zeitgemäßen Theaterstück “Die Anklage” (von Ivica Mijajlovic) wird die ganze Menschheit angeklagt. Klimakrise, Pandemie und Ressourcenmangel, Kriege, Armut und Hunger – die Welt gerät aus den Fugen. “Für jeden achtlosen Schritt, den wir machen, wird unsere Spezies letztendlich den Preis bezahlen!”, heißt es im Text. Trotz dieser ernsten Themen, von denen die Zuschauer als Angeklagte nicht ausgenommen werden, kommt hier auch der Humor nicht zu kurz. Nicht zuletzt tragen aufwendige Kostüme, von Isabella Heim und Monika Zech selbst geschneidert, zum Erfolg des Bühnenspiels bei, das den Spielerinnen und Spielern mit anspruchsvollen Textpassagen einiges abverlangt.
Yogatechnik und Gedankenkarussell
Die Lacher auf ihrer Seite hatten ganz besonders Herma Comper und Sandra Meindl, die das von Ingrid Hofer verfasste Stück “Savasana” charmant, spritzig und gekonnt darstellten. Eine Yogastunde, in der sich die Anweisungen der Yogalehrerin abwechselnd mit den Gedanken einer Teilnehmerin äußern, wird zum witzigen Zwiegespräch. Die Lehrerin, die konzentriert genaue Anweisungen gibt, und die Yogini, die fleißig mitturnt, in deren Gedanken aber das pralle Leben vorherrscht: Einkaufslisten, Familienlogistik – was macht die Frau neben mir – Geschenksidee – das Muster an der Decke – und existenzielle Gedanken erschweren die Entspannung, die sich bis zum Schluss nicht einstellen will.

Herzlicher Applaus für eine fröhliche Truppe von theaterbegeisterten und -begeisternden Menschen, die Darstellerinnen und Darsteller sowie für die Regie von Elisabeth Riem und Anita Ohneberg. VV










