Streiflicht: Das “Schüble”

VN / 22.04.2026 • 07:00 Uhr
Streiflicht: Das "Schüble"

Der Fred hat sich aber verändert! Er war ja länger nicht mehr zu sehen. Verreist vielleicht oder krank? Das aschfahle Gesicht lässt nicht auf Bestform schließen. Zugenommen hat er. Ein richtiges „Bröckle“ hat sich da schnaufend die Stiege hoch gequält. Der Sportlichste war der Fred ja nie! Schon in der Schule hat er ohne einen Schokoriegel nicht mal das Zimmer gewechselt. Sowas trägt Früchte. Aber dass er so aus dem Leim gegangen ist … schon ziemlich undiszipliniert.

Grau ist er geworden, der Fred, ein richtiger Senior. Es hat gedauert, bis er seinen alten Schulkameraden erkannt hat. Kramte erst umständlich die Brille aus dem Etui und raffte sich dann zu einem matten „Ach, Du bist ’s!“ auf. Ein bisschen mehr Begeisterung wäre angebracht gewesen. Er wirkte insgesamt eher abwesend und zerstreut. Wird doch nicht schon dement sein, der Fred? Man sieht es ja nicht auf den ersten Blick. Manche können das gut verbergen. Wie oft hat der Fred in der Schule Wissen vorgetäuscht, wo nur Ödland war. Ja, das konnte der.

Er hat halt ein richtiges „Schüble“ gemacht, der Fred. So nennt das der Volksmund. Richtig süß klingt das, „a Schüble“. Aber genug getrödelt, der Einkauf erledigt sich nicht von selbst. Wo ist die Einkaufsliste? Hat sie mir diesmal keine geschrieben? Richtig, es waren doch nur drei Dinge. Karotten, oder? Und Milch? War es Milch oder Margarine? Besser, ich ruf sie an. Sobald ich mein Handy gefunden hab. Dieses verflixte Handy…