Erfolgreich verhandeln: Wie Frauen ihr Gehalt steigern können

VN / 25.04.2026 • 05:00 Uhr
Erfolgreich verhandeln: Wie Frauen ihr Gehalt steigern können
Iris Seewald betont, dass unter anderem eine klare Gehaltsvorstellung und ein selbstbewusstes Auftreten wichtig bei einer Gehaltsverhandlung sind.VN

Warum Frauen oft schlechter verhandeln – und wie sie lernen, mehr für sich herauszuholen.

Schwarzach „Fordernde Frauen werden oft kritisch gesehen, während man bei fordernden Männern eher denkt: ‚Die wissen, was sie wollen‘“, sagt Iris Seewald, Landesfrauenvorsitzende des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) Vorarlberg. „Dieser ‚Backlash-Effekt‘ zeigt, dass gleiche Eigenschaften je nach Geschlecht unterschiedlich wahrgenommen werden.“

Erfolgreich verhandeln: Wie Frauen ihr Gehalt steigern können
Iris Seewald hat viele Funktionen inne, sie ist zum Beispiel auch Betriebsratsvorsitzende beim Institut für Sozialdienste (ifs). VN

Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen führt sie vor allem auf strukturelle und gesellschaftliche Probleme zurück. Trotzdem könnten viele Frauen bei Gehaltsverhandlungen, also im individuellen Bereich, noch mehr herausholen.

Strukturelle Probleme

„Frauendominierte Berufe sind generell schlechter bezahlt“, sagt Seewald (56). „Teilweise heißt es dann, dass Frauen selbst schuld seien, wenn sie in diese Branchen gehen.“ Vielmehr bräuchte es faire Löhne durch beispielsweise Kollektivvertragsverhandlungen. Sie selbst verhandelt auf Landesebene die Kollektivverträge im privaten Sozial- und Gesundheitsbereich – eine der Branchen mit hohem Frauenanteil.

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Frauen werden durch die GPA unter anderem durch Vorträge, Podiumsdiskussionen und Trainingsprogramme gefördert.VN

Eine Analyse des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) zeigt, dass eine Lohnlücke aber auch dann bestehen bleibt, wenn strukturelle Unterschiede wie Branchenwahl und Teilzeitarbeit herausgerechnet werden. Mögliche Erklärungen sind Formen von Diskriminierung und Unterschiede bei Lohnverhandlungen, in denen Männer eher aktiv seien.

Praktische Tipps für Gehaltsverhandlungen

Laut Seewald haben Frauen nicht nur strukturell, sondern auch gesellschaftlich schwierigere Bedingungen: „Haben Sie schon einmal gehört, dass man sich bei einem Mann in einer Top-Position fragt, ob er als Vater von zwei Kindern alles unter einen Hut bekommt?“

Auch bei Gehaltsverhandlungen betont sie, dass Frauen mit anderen Voraussetzungen in das Gespräch gehen als Männer: zum Beispiel wegen des Backlash-Effekts und weil sie von klein auf eher darauf geprägt werden, Harmonie zu wahren. „Frauen verhandeln oft verhaltener und geben sich schneller zufrieden.“

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Zunächst brauche es ausreichend Mut, um mehr Gehalt einzufordern. Dafür sei eine gute Vorbereitung wichtig, in der man sich informiert, welche Gehälter in der Branche üblich sind. Seewald hofft, dass Gehälter durch die EU-Lohntransparenzrichtlinie bald vergleichbarer werden. Diese gibt zum Beispiel vor, dass Arbeitnehmer Auskunft über die durchschnittliche Entgelthöhe für gleiche oder gleichwertige Arbeit bekommen. Bis Juni 2026 hat die Regierung für die nationale Umsetzung der Richtlinie Zeit. Während die Wirtschaftskammer vor einer „Bürokratiekeule“ warnt und davon ausgeht, dass es keine Verbesserung in der Praxis bedeuten werde, sieht der ÖGB darin einen wichtigen Schritt zu mehr Gerechtigkeit.

Transparenz kann auch untereinander geschaffen werden, indem man mit Kolleginnen und Kollegen über das Gehalt spricht. Vor allem die gegenseitige Unterstützung unter Frauen sieht Seewald als wünschenswert. Daneben ist es wichtig, selbstbewusst aufzutreten. Das gelingt unter anderem, wenn man den eigenen Wert kennt und weiß, welchen Beitrag man zum Unternehmenserfolg leistet.

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Das interaktive Trainingsprogramm zur Vorbereitung auf Bewerbungs- und Mitarbeitergespräche kann von jedem kostenlos genutzt werden. VN

Die GPA hat ein interaktives Trainingsprogramm entwickelt, um sich auf Bewerbungs- und Mitarbeitergespräche vorzubereiten. Dieses ist kostenlos digital nutzbar und richtet sich speziell an Frauen, kann aber grundsätzlich von allen absolviert werden.