David Rader zeigt “Linien der Begegnung”

VN / 30.04.2026 • 13:20 Uhr
David Rader freut sich über den Erfolg seiner Ausstellung
David Rader freut sich über den Erfolg seiner Ausstellung.Merbod Sohm

Bei der Ausstellung in Mesmers Stall traf Kunst auf lateinamerikanische Musik.

Alberschwende Mit seiner Ausstellung “Linien der Begegnung” zeigt der junge Alberschwender Künstler David Rader 243 Zeichnungen – weit mehr als bloße künstlerische Momentaufnahmen. Es sind verdichtete Begegnungen, spontane Dialoge ohne Worte, entstanden im gemeinsamen Tun mit Menschen unterschiedlicher Herkunft.

So entstanden die Bilder - von einander unabhängig werden die Körper in drei Abschnitten gezeichnet
So entstanden die Bilder – voneinander unabhängig werden die Körper in drei Abschnitten gezeichnet.

Eröffnet wurde die Ausstellung mit DJ “Son of a Gun”. Tags darauf lud ein Kleidertausch zum Mitmachen ein – mit sichtbarem Erfolg: “Dieses Kleid habe ich vom tollen Kleidertausch”, sagte Rosemarie Plötzender am Freitag strahlend und führte gleich vor, wie nachhaltig Mode Freude machen kann.

Klein aber oho: die Charango klingt sehr hell (ähnlich wie ein alpenländisches Raffele)
Klein, aber oho: Die Charango klingt sehr hell (ähnlich wie ein alpenländisches Raffele).

Rader bedient sich eines einfachen Prinzips: des Zeichenspiels “Cadavre Exquis”. Kopf, Körper, Beine – aufgeteilt, weitergereicht, ergänzt. Was spielerisch beginnt, wird zum verbindenden Element. “Beim Zeichnen begegnet man sich auf Augenhöhe”, sagt der 2005 geborene Künstler. Und tatsächlich erzählen die ausgestellten Blätter von Nähe und Unsicherheit, von Humor und Überraschung. Sie sind ein Archiv flüchtiger Momente – und zugleich ein starkes Plädoyer für Menschlichkeit.

Einige der Zeichnungen können sogar selber stehen
Einige der Zeichnungen können sogar selber stehen.

Über zwei Jahre hinweg hat Rader diese Arbeiten gesammelt, im Bregenzerwald ebenso wie während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Spanien. Entstanden ist ein vielschichtiges Panorama: Jede Zeichnung trägt die Spuren mehrerer Hände – und damit auch die Geschichte eines kurzen, aber intensiven Austauschs.

in drei Zeilen Millimeter-genau positionierte Bilder
In drei Zeilen millimetergenau positionierte Bilder.

20 Jahre – eigene Ausstellung

Mit “japanischer Exaktheit” fertigte Rader in mehreren 16-Stunden-Tagen die Rahmen für alle Werke selbst – aus speziellem “Jeans-Papier”, eigens aus Italien bezogen. Handarbeit, die so präzise wirkt, dass man sie eher einer CNC-Maschine zuschreiben würde.

Präzise Handarbeit - David erklärt den Aufbau der Bilderrahmen
Präzise Handarbeit – David erklärt den Aufbau der Bilderrahmen.

Der rustikale Rahmen von Mesmers Stall verleiht der Ausstellung Bodenhaftung, ohne ihr die Leichtigkeit zu nehmen. Besucherinnen und Besucher bewegen sich frei zwischen den Arbeiten, verweilen, kommen ins Gespräch – oder greifen selbst zum Stift, ganz im Sinne des Künstlers.

Das Publikum fühlte sich sichtlich wohl
Das Publikum fühlte sich sichtlich wohl.

Für musikalisches Flair sorgte am Freitag die Band “Brasilieno” mit Robert Rader (Gesang, Gitarre, Cavaquinho, Percussion), Wolfgang Holzer (Flöte), Markus und Thomas Hupp (Gitarre und E-Bass). Unter dem augenzwinkernden Motto “Papa und seine Truppe heizen ein” zog brasilianisches Lebensgefühl in den Stall ein – zwischen Wänden, an denen die Kunstwerke in präziser Ordnung hängen. Rader erwies sich dabei auch als kenntnisreicher Vermittler brasilianischer Musik. Zwischen oft sentimentalen Liedern – viele davon von Antônio Carlos Jobim – erzählte er von seinen Reisen und auch davon, wie er sich vor Ort in die komplexe Welt brasilianischer Harmonien einarbeitete. 20 Akkorde in einem Lied? Kein Stress in der Musikschule in Brasilien: Im Kreis sitzend übten die Gitarristen leise und geduldig, bis der Meister sich jeden Einzelnen vornahm.

Abschiedsapplaus für
Abschiedsapplaus für “Brasilieno”.

“Girl from Ipanema” im Dialekt

Neben portugiesischen Originalen gab es auch charmante “Gustostückle” auf Vorarlbergerisch. Nach einer bildreichen Einführung – inklusive der Vermutung: “die Textilien müssen exorbitant teuer sein” – hatte das Publikum seine ganz eigene Vorstellung vom “Girl from Ipanema”.

Zwei Zugaben – darunter eine mit der Charango, deren Klangkörper ursprünglich aus einem Gürteltierpanzer gefertigt wurde – führten das aufmerksame Publikum in einen stimmungsvollen Ausklang. Für Bewirtung und wohlige Wärme sorgte die “Kulturmeile Alberschwende”, auch nachdem die “heiße Musik” längst verklungen war.

Messmers Stall: Idealer Raum für die Miniaturen
Mesmers Stall: Idealer Raum für die Miniaturen
die Bilder entstanden im Miteinander
Die Bilder entstanden im Miteinander.
Thomas Hupp am E-Bass
Thomas Hupp am E-Bass.
Gitarre mit sanften Soundeffekten und Percussion - Markus Hupp
Gitarre mit sanften Soundeffekten und Percussion: Markus Hupp.
Robert Rader schilder eindrücklich seine Reiseerlebnisse in Brasilien
Robert Rader schildert eindrücklich seine Reiseerlebnisse in Brasilien.
die Kunstwerke stehen zum Verkauf - es gibt auch einen Katalog
Die Kunstwerke stehen zum Verkauf – es gibt auch einen Katalog.
David sprach
David sprach “wildfremde” Personen an, um mit ihnen zeichnerisch zu spielen
Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
die Bilder gibt es auch als T-Shirts
Die Bilder gibt es auch als T-Shirts.
Wolfgang Holzer spielte Flöte und Percussion
Wolfgang Holzer spielte Flöte und Percussion.