David Rader zeigt “Linien der Begegnung”

Bei der Ausstellung in Mesmers Stall traf Kunst auf lateinamerikanische Musik.
Alberschwende Mit seiner Ausstellung “Linien der Begegnung” zeigt der junge Alberschwender Künstler David Rader 243 Zeichnungen – weit mehr als bloße künstlerische Momentaufnahmen. Es sind verdichtete Begegnungen, spontane Dialoge ohne Worte, entstanden im gemeinsamen Tun mit Menschen unterschiedlicher Herkunft.

Eröffnet wurde die Ausstellung mit DJ “Son of a Gun”. Tags darauf lud ein Kleidertausch zum Mitmachen ein – mit sichtbarem Erfolg: “Dieses Kleid habe ich vom tollen Kleidertausch”, sagte Rosemarie Plötzender am Freitag strahlend und führte gleich vor, wie nachhaltig Mode Freude machen kann.

Rader bedient sich eines einfachen Prinzips: des Zeichenspiels “Cadavre Exquis”. Kopf, Körper, Beine – aufgeteilt, weitergereicht, ergänzt. Was spielerisch beginnt, wird zum verbindenden Element. “Beim Zeichnen begegnet man sich auf Augenhöhe”, sagt der 2005 geborene Künstler. Und tatsächlich erzählen die ausgestellten Blätter von Nähe und Unsicherheit, von Humor und Überraschung. Sie sind ein Archiv flüchtiger Momente – und zugleich ein starkes Plädoyer für Menschlichkeit.

Über zwei Jahre hinweg hat Rader diese Arbeiten gesammelt, im Bregenzerwald ebenso wie während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Spanien. Entstanden ist ein vielschichtiges Panorama: Jede Zeichnung trägt die Spuren mehrerer Hände – und damit auch die Geschichte eines kurzen, aber intensiven Austauschs.

20 Jahre – eigene Ausstellung
Mit “japanischer Exaktheit” fertigte Rader in mehreren 16-Stunden-Tagen die Rahmen für alle Werke selbst – aus speziellem “Jeans-Papier”, eigens aus Italien bezogen. Handarbeit, die so präzise wirkt, dass man sie eher einer CNC-Maschine zuschreiben würde.

Der rustikale Rahmen von Mesmers Stall verleiht der Ausstellung Bodenhaftung, ohne ihr die Leichtigkeit zu nehmen. Besucherinnen und Besucher bewegen sich frei zwischen den Arbeiten, verweilen, kommen ins Gespräch – oder greifen selbst zum Stift, ganz im Sinne des Künstlers.

Für musikalisches Flair sorgte am Freitag die Band “Brasilieno” mit Robert Rader (Gesang, Gitarre, Cavaquinho, Percussion), Wolfgang Holzer (Flöte), Markus und Thomas Hupp (Gitarre und E-Bass). Unter dem augenzwinkernden Motto “Papa und seine Truppe heizen ein” zog brasilianisches Lebensgefühl in den Stall ein – zwischen Wänden, an denen die Kunstwerke in präziser Ordnung hängen. Rader erwies sich dabei auch als kenntnisreicher Vermittler brasilianischer Musik. Zwischen oft sentimentalen Liedern – viele davon von Antônio Carlos Jobim – erzählte er von seinen Reisen und auch davon, wie er sich vor Ort in die komplexe Welt brasilianischer Harmonien einarbeitete. 20 Akkorde in einem Lied? Kein Stress in der Musikschule in Brasilien: Im Kreis sitzend übten die Gitarristen leise und geduldig, bis der Meister sich jeden Einzelnen vornahm.

“Girl from Ipanema” im Dialekt
Neben portugiesischen Originalen gab es auch charmante “Gustostückle” auf Vorarlbergerisch. Nach einer bildreichen Einführung – inklusive der Vermutung: “die Textilien müssen exorbitant teuer sein” – hatte das Publikum seine ganz eigene Vorstellung vom “Girl from Ipanema”.
Zwei Zugaben – darunter eine mit der Charango, deren Klangkörper ursprünglich aus einem Gürteltierpanzer gefertigt wurde – führten das aufmerksame Publikum in einen stimmungsvollen Ausklang. Für Bewirtung und wohlige Wärme sorgte die “Kulturmeile Alberschwende”, auch nachdem die “heiße Musik” längst verklungen war.









