Mit Käppi, Stil und Spannung: So starteten Götzner Maturanten in die Deutsch-Klausur

Die schriftliche Matura hat am Dienstag begonnen. Zwischen Zuversicht, Anspannung und klaren Zukunftsplänen stellten sich die Schülerinnen und Schüler der ersten großen Herausforderung ihres Abschlussjahres.
Darum geht’s:
- Besondere Atmosphäre beim Bundesoberstufengymnasium Götzis.
- Zwei kleine Maturaklassen starten zentrales Reifeprüfungsmoment.
- Fokus der Schüler auf Themenwahl und Nervosität.
Götzis Bereits Anfahrt und Zugang zum hinter Bäumen verdeckten Schulgebäude lassen die besondere Atmosphäre am Bundesoberstufengymnasium Götzis erahnen. Mitten im Grünen wird da geschrieben, gerechnet, gepaukt und gechillt. Selbst Tag eins des schulischen Jahreshöhepunkts ändert wenig am besonderen Ambiente. Nur optisch fallen einige junge Protagonistinnen und Protagonisten der Bildungsstätte auf. Sie tragen feines Gewand und einige von ihnen jene Hauptbedeckung, die das Symbol des besonderen Ereignisses darstellt. Im edlen Zwirn mit weißem Hemd und Krawatte bereichert Direktor Edgar Mayrhofer (62) gut gelaunt das Gesamtbild. Es ist Tag eins der zentral vorgegebenen Reifeprüfung in ganz Österreich.

Sachlich, emotional
“Unsere zwei Maturaklassen sind heuer sehr klein. Die eine besteht aus zwölf Kandidatinnen und Kandidaten, die andere aus zehn. Das ist jedoch eine Ausnahme”, erzählt der Schulleiter.
Im Foyer stecken die Maturantinnen und Maturanten wenige Minuten vor dem Start der Deutsch-Klausur ein letztes Mal die Köpfe zusammen. “Ich bin zwar gut in Deutsch, aber zugegeben jetzt schon ein bisschen nervös”, gesteht Zoe aus Nenzing. Gespannt wartet sie mit ihrer Freundin Katharina aus Rankweil, bis das große akademische Abenteuer losgeht. Thematisch haben die beiden klare Ausrichtungen. Zoe wird jene Aufgabe wählen, in der Sachlichkeit gefragt ist. “Ich bin die Emotionale, werde mich für das entscheiden, bei dem ich Gefühle verarbeiten kann”, deklariert sich Katharina.

Reif zur Polizei
Keinerlei Nervosität zeigen Nicole und Pascal. Letzterer will sich bei seinem Thema so richtig austoben. “Ich hoffe, es kommt ein Leserbrief oder so etwas Ähnliches. Da kann ich dann scharf kritisieren.” Pascal will nach der Matura zur Polizei. In der Polizeischule hat er schon geschnuppert. “Der Beruf des Polizisten ist für mich ein Kindheitstraum.” Nicole, in Nevada geboren und deshalb auch amerikanische Staatsbürgerin, möchte nach bestandener Reifeprüfung ein Studium im Bereich Sozialarbeit starten.

Susanne Toelken-Mettauer (49), Klassenvorständin der 8b, ist an diesem frühen Morgen als Coach und psychologische Betreuerin gefragt. “Es ist halt schon etwas Besonderes, wenn du einer so kleinen Klasse vorstehst. Da entwickelt sich eine spezielle Beziehung”, sagt die Professorin für Englisch und Geschichte.

Klar geregelter Ablauf
Pünktlich um 8.30 Uhr haben sich die beiden Klassenverbände in ihren Räumen versammelt und sich hinter die Bildschirme ihrer Computer platziert. In der 8b hält Direktor Mayrhofer die dicke Packung mit dem gelben Kuvert in der Hand. “Ich hab’ selber keine Ahnung, was da drinnen ist. Aber ich bin überzeugt, dass ihr die Aufgaben bewältigt. Ich wünsche euch allen, dass ihr es schafft. Zeigt, was ihr könnt.”

Der Ablauf ist schnell erklärt. Die Arbeitszeit geht von 8.30 bis 13.30 Uhr. Aufs WC dürfen die Kandidatinnen von 9.40 bis 12.25 Uhr. Alle Handys mussten vor Klausurstart abgegeben werden. Dem Abenteuer schriftliche Matura steht nichts mehr im Wege, aus den jungen Köpfen steigt erster Rauch …
Deutschmatura 2026: Breite Themenpalette von Exil-Lyrik bis Sprachvielfalt
Zur Auswahl standen drei Themenpakete, aus denen jeweils zwei Schreibaufgaben zu bearbeiten waren.
Im ersten Paket „Literatur – Kunst – Kultur“ lag der Fokus auf der Interpretation zweier Gedichte des Exilautors Hans Sahl. Zudem sollten die Kandidaten in einem Kommentar die Rolle von Kunst im Zusammenhang mit Menschenrechten reflektieren.
Das zweite Themenfeld „Wissenschaft für alle“ beschäftigte sich mit Wissenschaftskommunikation. Hier wurde unter anderem analysiert, wie Humor wissenschaftliche Inhalte verständlicher machen kann, sowie in einem Leserbrief die Vermittlung von Forschung kritisch beleuchtet.
Im dritten Paket „Sprache und Gesellschaft“ standen aktuelle gesellschaftliche Fragen im Mittelpunkt: Die Schülerinnen und Schüler sollten die Bedeutung von Sprachenvielfalt erörtern sowie in einem Leserbrief Stellung zum umstrittenen Thema Sensitivity-Reading beziehen.
Für die Bearbeitung der Aufgaben hatten die Prüflinge insgesamt fünf Stunden Zeit. Bewertet wurden neben dem Inhalt auch Textstruktur, Ausdruck und sprachliche Richtigkeit.
