Ein Luxus-Chalet als Hobby: Acht Jahre baute Jochen Köhler an seinem Kindheitstraum

VN / 06.05.2026 • 10:18 Uhr
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Jochen Köhler hat es nach acht Jahren endlich geschafft: Er steht hier vor seinem selbst gebauten und entworfenen Blockhaus. VN/JUN

Jedes Wochenende pendelte der Schwabe nach Dalaas, um an seinem Blockhaus zu arbeiten. Aus einer Idee wurde Schritt für Schritt ein außergewöhnliches Projekt.

Dalaas Andere haben Wandern, Angeln oder Fußball als Hobby. Jochen Köhler baute acht Jahre lang ein Blockhaus. In sein Hobby investierte er jede freie Minute. In Anbetracht dessen, dass er in Drackenstein bei Stuttgart wohnt und sich der Baugrund in Dalaas, Obermarias, befindet, war dies kein leichtes Unterfangen. Jedes Wochenende pendelte er nach Dalaas und nutzte jeden Urlaubstag dafür. Vergangenen Sommer wurde das Haus fertig. Entstanden ist ein Luxus-Chalet mit drei Schlafzimmern, einem offenen Wohn-Essbereich, einer Zirbensauna sowie einem Außenbereich mit Grillplatz und Whirlpool.

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88 Baumstämme der Weißtanne wurden verbaut. VN/JUN
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Kein Verkehr: Hier hat man Ruhe. VN/JUN
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Blick von oben in den Wohn- und Essbereich. VN/JUN

Jochen Köhlers ungewöhnliches Hobby begann mit einem Blockhausbaukurs. Seine ersten Versuche in dieser Bauweise waren ein Bett und ein Saunagartenhaus. Dann dachte er größer. Er wollte ein richtiges Blockhaus bauen, ganz nach seinen Vorstellungen. Das Haus sollte freistehend sein, sonnig am Berghang mit schöner Aussicht liegen und absolute Ruhe bieten. Zuerst hatte er das Lechtal im Visier, fand dort aber keinen passenden Bauplatz. Dann wurde er im Klostertal fündig.

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Die Küche hat Jochen Köhler selbst gebaut. VN/JUN
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Den Kamin hat er vom Fachmann anschließen lassen.VN/JUN
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Mit diesem Bett fing alles an: Sein erster Versuch in Blockhaus-Bauweise.VN/JUN

Zweimal aufgebaut

“Das Haus wurde zweimal aufgebaut”, erklärt Köhler: Zuerst in einem Industriegebiet in Deutschland, wo die Stämme vorbereitet wurden. Drei Monate liefen die Motorsägen, vier Wochen lang wurde mit einem Hochdruckreiniger die Rinde entfernt. Ohne seine Freunde hätte er das nicht geschafft. Er baute das Haus probeweise auf, um die Stämme zuzuordnen und zu nummerieren, sodass der zweite Aufbau am Hang leichter gelang.

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In Deutschland wurde das Haus zum ersten Mal aufgebaut, um zu sehen, welcher Baumstamm wohin gehört. privat
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Da die Stämme nur gesteckt sind, kann man das Haus ganz leicht wieder abbauen. privat
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Jeder Stamm bekam seine “Hausnummer”, um ihn beim zweiten Aufbau leichter zuordnen zu können. privat
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Hier im Industriegebiet hatte Jochen Köhler einfach mehr Platz für die Vorbereitung. privat
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Die Fenster kamen erst nach dem Aufbau hinein, indem ein Loch in die Balken gesägt wurde. privat

Köhler suchte jeden Baum sorgfältig aus, denn geradlinige, starke Stämme waren wichtig. Die 88 Baumstämme der Weißtanne, die hier verbaut wurden, sind zwischen 120 und 200 Jahren alt. “Die Holzstämme passen haargenau aufeinander.”

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Sechs Transporte brachten die 88 Baumstämme zum Bauplatz nach Dalaas. privat
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Die engen Kurven waren für die Schwertransporte herausfordernd. privat
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In Obermarias wurde das Haus dann Balken für Balken aufgebaut. Ein Balken wurde jedoch in Deutschland vergessen und Jochen Köhler musste extra noch mal die zwei Stunden zurückfahren, um diesen kürzeren Holzstamm zu holen. privat

Viele Gewerke musste er ohnehin nicht beauftragen, da er das meiste in Eigenregie machte: ein Statiker, zwei Blockhausbauer, ein Elektriker, ein Fliesenleger, ein Heizungsbauer und ein Dachdecker. Die Treppe baute er mithilfe eines Plans vom Fachmann selbst.

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Sofa und Sessel sind gekauft, den Tisch hat Jochen Köhler aus einer alten Linde selbst gefertigt. VN/JUN
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Auch die Vitrine trägt seine Handschrift. Viele Möbel sind aus Wildeiche. VN/JUN
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Die blühende Mauer und der Blick auf den Roggelskopf: Idylle pur.VN/JUN

Natürliche Baustoffe

“Ab dem Keller wurden nur natürliche Baustoffe verbaut”, betont Köhler: Holz, Lehm, Stein, Hanf, Jute und Schafwolle. Die Stämme sind ausgehöhlt und mit isolierender Schafwolle gefüllt. “Das ist eine uralte Bauweise aus Kanada.” Sechs Tonnen Kalksplitt in der Zwischendecke nehmen die Feuchtigkeit auf und regulieren die Temperatur.

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Hier kann man im Sommer Grillabende verbringen. VN/JUN
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Zuerst wurde die Rinde mit Hochdruckreiniger entfernt, um die Struktur des Holzes zu erhalten – eine “Drecksarbeit”, wie Jochen Köhler sagt. privat
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Die Stämme sind mit Schafwolle gefüllt, damit sie gut isolieren. privat

Damit das Holz an der Fassade nicht verwittert, plante Köhler ein großes Vordach ein, das das Haus vor Nässe schützt. So rechnet er mit einer Lebensdauer von 300 bis 400 Jahren. Das Haus lebt, atmet und knackst: Es hat sich in den acht Jahren um 27 Zentimeter gesetzt, da sich das Holz noch in der Trocknungsphase befindet.

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Die Zirbensauna privat
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Das Badezimmer mit Liege, zwei Waschbecken, Sauna und Dusche. privat

Pläne existierten nur im Kopf

Handwerklich war der 53-Jährige schon immer begabt. “Ich bin so aufgewachsen. Mein Papa hat auch alles selbst gemacht.” Alle Möbel – außer dem Sofa, dem Sessel und der Liege – baute Köhler selbst. Die Möbel sowie die Treppen sind aus Zirbe, Wildeiche, Buche und Esche gefertigt. Seine Ideen müssen erst “fertig durchdacht im Kopf sein”, bevor er sie umsetzen kann.

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Das Bad mit zwei Waschbecken und einer großen Dusche. VN/JUN
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Das WC: Die Wand links ist aus Lehm. VN/JUN

Seine größte Herausforderung beim Bau war der menschliche Faktor: “Auf andere angewiesen zu sein war für mich die Hölle.” Die richtigen Kontakte waren aber gleichzeitig auch der Schlüssel zum Erfolg. Nun hat er sich seinen Kindheitstraum erfüllt: ein Haus in den Bergen.

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Auf der Terrasse kann man es sich auf den Liegestühlen gemütlich machen. VN/JUN
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Kein Lärm, keine vielbefahrene Straße: Hier kann man die Kinder draußen spielen lassen. VN/JUN
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Jochen Köhler war es wichtig, dass das Haus am Sonnenhang steht. VN/JUN
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Acht Jahre sind vollbracht: Jetzt kann sich Jochen Köhler zurücklehnen und seinem anderen Hobby nachgehen: dem Wandern. VN/JUN

Der gelernte Kfz-Mechaniker und Forstarbeiter hatte immer schon ein Faible für Holz und fuhr gerne mit dem Harvester durch den Wald. Mittlerweile ist er Entwickler bei Mercedes. Ein neues Hobby muss er sich nicht suchen, denn er macht jetzt das, worauf er in all den Jahren verzichten musste: Er geht wieder in den Bergen wandern.

Weitere Bilder und Infos zum Chalet “Bomhüsle” finden Sie hier: https://bomhuesle.com/

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Das Rinderfell hat er selbst besorgt, bezogen lassen hat er das Sofa von den Raumausstatter-Lehrlingen.
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Die Möbel sind alle aus Massivholz.
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Selbst die Steine am Kamin und bei der Treppe hat Jochen Köhler selbst gesammelt, geschnitten und angeordnet.
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Jeder Baumstamm passt haargenau auf den anderen Baumstamm. Jochen Köhler hat zwei Blockhausbaukurse belegt, um die Bauweise zu verstehen. VN/JUN
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Hier kann man die Handtücher trocknen. VN/JUN
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Die Treppe hat er selbst gebaut, inklusive der Roten Wand (rote Steine, die rechts eine Linie bilden). privat
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Der Innenausbau war noch sehr viel Arbeit. privat
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Ursprünglich hatte Jochen Köhler nur sechs Jahre für den Bau eingeplant, doch das reichte nicht. privat
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Ein befreundeter Künstler hat diesen Steinbock aus Mosaiksteinen angefertigt. VN/JUN
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Der Besteckkasten ist genauso durchdacht geplant wie die ganze Küche. VN/JUN