Ein Luxus-Chalet als Hobby: Acht Jahre baute Jochen Köhler an seinem Kindheitstraum

Jedes Wochenende pendelte der Schwabe nach Dalaas, um an seinem Blockhaus zu arbeiten. Aus einer Idee wurde Schritt für Schritt ein außergewöhnliches Projekt.
Dalaas Andere haben Wandern, Angeln oder Fußball als Hobby. Jochen Köhler baute acht Jahre lang ein Blockhaus. In sein Hobby investierte er jede freie Minute. In Anbetracht dessen, dass er in Drackenstein bei Stuttgart wohnt und sich der Baugrund in Dalaas, Obermarias, befindet, war dies kein leichtes Unterfangen. Jedes Wochenende pendelte er nach Dalaas und nutzte jeden Urlaubstag dafür. Vergangenen Sommer wurde das Haus fertig. Entstanden ist ein Luxus-Chalet mit drei Schlafzimmern, einem offenen Wohn-Essbereich, einer Zirbensauna sowie einem Außenbereich mit Grillplatz und Whirlpool.



Jochen Köhlers ungewöhnliches Hobby begann mit einem Blockhausbaukurs. Seine ersten Versuche in dieser Bauweise waren ein Bett und ein Saunagartenhaus. Dann dachte er größer. Er wollte ein richtiges Blockhaus bauen, ganz nach seinen Vorstellungen. Das Haus sollte freistehend sein, sonnig am Berghang mit schöner Aussicht liegen und absolute Ruhe bieten. Zuerst hatte er das Lechtal im Visier, fand dort aber keinen passenden Bauplatz. Dann wurde er im Klostertal fündig.



Zweimal aufgebaut
“Das Haus wurde zweimal aufgebaut”, erklärt Köhler: Zuerst in einem Industriegebiet in Deutschland, wo die Stämme vorbereitet wurden. Drei Monate liefen die Motorsägen, vier Wochen lang wurde mit einem Hochdruckreiniger die Rinde entfernt. Ohne seine Freunde hätte er das nicht geschafft. Er baute das Haus probeweise auf, um die Stämme zuzuordnen und zu nummerieren, sodass der zweite Aufbau am Hang leichter gelang.





Köhler suchte jeden Baum sorgfältig aus, denn geradlinige, starke Stämme waren wichtig. Die 88 Baumstämme der Weißtanne, die hier verbaut wurden, sind zwischen 120 und 200 Jahren alt. “Die Holzstämme passen haargenau aufeinander.”



Viele Gewerke musste er ohnehin nicht beauftragen, da er das meiste in Eigenregie machte: ein Statiker, zwei Blockhausbauer, ein Elektriker, ein Fliesenleger, ein Heizungsbauer und ein Dachdecker. Die Treppe baute er mithilfe eines Plans vom Fachmann selbst.



Natürliche Baustoffe
“Ab dem Keller wurden nur natürliche Baustoffe verbaut”, betont Köhler: Holz, Lehm, Stein, Hanf, Jute und Schafwolle. Die Stämme sind ausgehöhlt und mit isolierender Schafwolle gefüllt. “Das ist eine uralte Bauweise aus Kanada.” Sechs Tonnen Kalksplitt in der Zwischendecke nehmen die Feuchtigkeit auf und regulieren die Temperatur.



Damit das Holz an der Fassade nicht verwittert, plante Köhler ein großes Vordach ein, das das Haus vor Nässe schützt. So rechnet er mit einer Lebensdauer von 300 bis 400 Jahren. Das Haus lebt, atmet und knackst: Es hat sich in den acht Jahren um 27 Zentimeter gesetzt, da sich das Holz noch in der Trocknungsphase befindet.


Pläne existierten nur im Kopf
Handwerklich war der 53-Jährige schon immer begabt. “Ich bin so aufgewachsen. Mein Papa hat auch alles selbst gemacht.” Alle Möbel – außer dem Sofa, dem Sessel und der Liege – baute Köhler selbst. Die Möbel sowie die Treppen sind aus Zirbe, Wildeiche, Buche und Esche gefertigt. Seine Ideen müssen erst “fertig durchdacht im Kopf sein”, bevor er sie umsetzen kann.


Seine größte Herausforderung beim Bau war der menschliche Faktor: “Auf andere angewiesen zu sein war für mich die Hölle.” Die richtigen Kontakte waren aber gleichzeitig auch der Schlüssel zum Erfolg. Nun hat er sich seinen Kindheitstraum erfüllt: ein Haus in den Bergen.




Der gelernte Kfz-Mechaniker und Forstarbeiter hatte immer schon ein Faible für Holz und fuhr gerne mit dem Harvester durch den Wald. Mittlerweile ist er Entwickler bei Mercedes. Ein neues Hobby muss er sich nicht suchen, denn er macht jetzt das, worauf er in all den Jahren verzichten musste: Er geht wieder in den Bergen wandern.
Weitere Bilder und Infos zum Chalet “Bomhüsle” finden Sie hier: https://bomhuesle.com/









