Kommentar: Wer vertritt das Klima im Budget?

VN / 06.05.2026 • 12:45 Uhr
Kommentar: Wer vertritt das Klima im Budget?

Letzte Woche wurden die Eckpunkte des Doppelbudgets für die beiden kommenden Jahre und der Bericht über den Zustand des Klimas in Europa im Jahr 2025 präsentiert. Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt, berichtete Ö1 dazu im Mittagsjournal letzten Mittwoch. Umso wichtiger sei es daher, Klimaprognosen bei jeder politischen Entscheidung mit einzubeziehen, sagte Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus Klimadienstes. Und auch dieses Jahr macht uns, wie 2025, die Trockenheit zu schaffen, wie Herbert Formayer, Klimawissenschaftler an der BOKU in Wien, gleich danach ausführte: „Heuer ist es wesentlich schlimmer als im Vorjahr. Wir hatten einen ähnlich trockenen Winter wie letztes Jahr, aber das Frühjahr ist wirklich außergewöhnlich trocken. Und für die Landwirtschaft ist Trockenheit im Frühjahr besonders problematisch.“

Bemerkenswert ist daher, dass bei der Präsentation der Eckpunkte des Doppelbudgets die Klimawandelanpassung nicht vorgekommen ist. Denn Österreich spürt die Folgen der Klimakrise wie häufigere Hitze, Starkregen, Trockenheit und Hochwasser längst. Klimaresilienz – also die Widerstands- und Anpassungsfähigkeit gegenüber Klimafolgen – braucht rasch höhere Budgets für Bund, Länder und Gemeinden. Um diese Mittel wiederum effektiv einzusetzen, sind belastbare Grundlagen nötig. Was die weitere Entwicklung des Klimawandels betrifft, sind das bei uns aktuell die österreichischen Klimaszenarien 2015 (ÖKS15). Aber: Der Temperaturanstieg erfolgt rascher als in den ÖKS15 abgebildet, wie in den neuesten Empfehlungen zur Nutzung dieser Daten auf www.klimaszenarien.at beschrieben wird.
Dort steht auch: „Die bisher kommunizierten Aussagen für Österreich werden durch die beobachtete Temperaturentwicklung sogar bestärkt: Österreich wird künftig heißer, trockener und von häufigeren Extremereignissen betroffen sein – möglicherweise sogar in einem noch stärkeren Ausmaß, als in den pessimistischsten Szenarien bisher angenommen wurde.“

Womit wir wieder beim Doppelbudget wären: Wer vertritt die Interessen des Klimas und der Klimawandelanpassung – und damit unser aller Interesse an einer lebenswerten Zukunft? Bräuchten wir, ganz der österreichischen Sozialpartnerschaft folgend, nicht eine institutionalisierte Klimakammer als starke Stimme für Resilienz und Sicherheit? Die dafür sorgen würde, dass die Anpassung an die Folgen der eskalierenden Klimakrise im Doppelbudget nicht erneut zu kurz kommt.

Der Vorarlberger Simon Tschannett ist Meteorologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Stadtklimatologie.