Angehende Naturführer waren im Rheindelta unterwegs

VN / 07.05.2026 • 13:04 Uhr
Mit dem Fernglas ausgestattet, lernten die Naturführer alles, rund um die heimische Vogelwelt kennen.
Mit dem Fernglas ausgestattet, lernten die Naturführer alles rund um die heimische Vogelwelt kennen.Bernadette von Sontagh

Große Nachfrage nach Naturführer-Ausbildung der Inatura.

Lustenau Es ist Samstagmorgen, kurz vor sechs Uhr. 20 angehende Naturführerinnen und Naturführer aus Vorarlberg treffen sich am Parkplatz beim Sender in Lustenau. Ausgestattet mit Ferngläsern und warmer Kleidung sind sie bereit für einen besonderen Tag mit Biologin Johanna Kronberger, Obfrau von BirdLife Vorarlberg. Sie hat die Gruppe bewusst zu dieser frühen Stunde eingeladen, denn jetzt ist das Vogelkonzert besonders intensiv und die Stimmen der verschiedenen Arten lassen sich am besten unterscheiden. Die Ausbildung zum Vorarlberger Naturführer, organisiert und durchgeführt von der Inatura, dauert fast ein Jahr. In dieser Zeit lernen die Teilnehmenden zahlreiche sehenswerte Naturgebiete kennen, von den Ufern des Bodensees bis zum Piz Buin. Am vergangenen Wochenende führte sie ihr Weg ins Rheindelta.

Interessiert verfolgten die Teilnehmen die Erklärungen von Vogelexpertin Johanna Kronberger.
Interessiert verfolgten die Teilnehmenden die Erklärungen von Vogelexpertin Johanna Kronberger.

Genaues Hinhören gefragt

Gleich zu Beginn des Tages stellte Vogelexpertin Johanna Kronberger die Gruppe vor eine besondere Aufgabe: “Hört einmal genau hin und versucht herauszufinden, wie viele Vogelarten hier singen”, fordert sie die Teilnehmenden auf. Mützen und Stirnbänder wurden gelockert, die Ohren gespitzt. Zu hören waren Blaumeise, Spatz, Zilpzalp, Buchfink, Star, Kohlmeise, Mönchsgrasmücke, Krähe, Pirol, Bachstelze und sogar ein Fasan. Mit dem Fernglas ging es weiter Richtung Schweizer Ried. Dort entdeckten sie das stark zurückgegangene Braunkelchen, das in Wiesen brütet und auf Streuwiesen angewiesen ist. Die Freude über die seltene Beobachtung ist groß. “Es ist faszinierend, was wir alles lernen. Ich habe in dieser Zeit viel Neues über Vorarlberg erfahren”, berichtete Sabine aus Sulz begeistert.

Anhand eines Vogelbuches zeigte sie, woran die Vögel unterschieden werden können.
Anhand eines Vogelbuches zeigte sie, woran die Vögel unterschieden werden können.

Lernen in und von der Natur

Die Ausbildung ist gefragt: “Für das kommende Jahr gibt es bereits über 40 Interessenten”, erzählt Iris Lerch-Beer von der Inatura. Pro Jahrgang werden 20 Teilnehmende aufgenommen – wer sich zuerst meldet, bekommt einen Platz. “Uns ist es wichtig, gut ausgebildete Naturvermittler zu haben. Denn nur, was man kennt, kann man lieben und schützen”, betont sie. Ziel der Ausbildung ist es, naturinteressierten Menschen die Vielfalt und Besonderheiten der Vorarlberger Natur näherzubringen. Das ganze Jahr über erkunden die Teilnehmenden verschiedene Regionen, lernen Tiere und Pflanzen kennen und wachsen mit der Natur zusammen. “Ich bin Wanderführerin und wollte mehr über ökologische Zusammenhänge erfahren, um meinen Gästen mehr bieten zu können”, sagt Elisabeth aus Lorüns. Sie schätzt besonders die Vielfalt der Regionen, die sie während der Ausbildung neu entdeckt hat. “Ich sehe das Ländle mit ganz neuen Augen, das ist wunderschön”, schwärmt sie. Auch Irina aus Lustenau freut sich über ihren Platz im Kurs: “Ich bin gerne in der Natur und möchte meine Begeisterung weitergeben.” Wilma aus Schwarzenberg ergänzt, dass sie am Vortag sogar einen Eisvogel beobachten konnten. Sie schätzt es, mit allen Sinnen draußen zu lernen.

Begeistert beobachteten die Teilnehmenden die Vögel, die hier leben.
Begeistert beobachteten die Teilnehmenden die Vögel, die hier leben.

Vorarlberg und seine Naturschätze entdecken

In Kooperation mit Partnern wie “Natur bewusst erleben” im Kleinwalsertal, dem Naturpark Nagelfluhkette, dem Naturschutzgebiet Rheindelta, dem Biosphärenpark Großes Walsertal, dem Europaschutzgebiet Verwall und den Klostertäler Bergwäldern werden in fünf Modulen vielfältige Themen vermittelt. Dazu zählen unter anderem Blütenpflanzen, Insektenkunde, Geologie, Wald und Waldnutzung, Vogelkunde und Wildtiere. Iris Lerch-Beer freut sich darüber, dass diese Ausbildung gut ankommt und das Interesse daran ungebrochen hoch ist. Anfang Juli zeigen die Naturführer ihr erlerntes Wissen bei einer Abschlussprüfung, ehe sie dann ihr Wissen weitergeben können. BVS

Iris Lerch-Beer von der Inatura freut sich, dass die Fachausbildung derart gut bei den Teilnehmenden ankommt.
Iris Lerch-Beer von der Inatura freut sich, dass die Fachausbildung derart gut bei den Teilnehmenden ankommt.
Der Weg ins Schweizer Ried zeichnet sich durch die Vielzahl an verschiedenen Vögel aus.
Der Weg ins Schweizer Ried zeichnet sich durch die Vielzahl an verschiedenen Vögeln aus.
Kurz vor sechs Uhr in der Früh ging es mit Biologin Johanna Kronberger in das Schweizer Ried.
Kurz vor sechs Uhr in der Früh ging es mit Biologin Johanna Kronberger in das Schweizer Ried.
Für die 20 angehenden Naturführer ging es vergangenes Wochenende ins Schweizer Ried, dort beobachteten sie die verschiedenen Vögel und lernten ihre Besonderheiten kennen.
Für die 20 angehenden Naturführer ging es vergangenes Wochenende ins Schweizer Ried, dort beobachteten sie die verschiedenen Vögel und lernten ihre Besonderheiten kennen.
Vogelexpertin Johanna Kronberger erklärte den Teilnehmenden, welche Vögel im Ried zu sehen sind.
Vogelexpertin Johanna Kronberger erklärte den Teilnehmenden, welche Vögel im Ried zu sehen sind.
Johanna Kronberger veranschaulichte mit ihrem Fernglas ein nistendes Braunkelchen.
Johanna Kronberger veranschaulichte mit ihrem Fernglas ein nistendes Braunkelchen.
Den Vögeln auf der Spur waren die 20 angehenden Naturführer der Inatura.
Den Vögeln auf der Spur waren die 20 angehenden Naturführer der Inatura.