Neue Spielboden-Obfrau Abbrederis: “Kultur ist kein ‚Nice-to-have‘”

Alexandra Abbrederis über Kulturpolitik, Netzwerke und Herausforderungen.
Dornbirn Der Spielboden Dornbirn hat eine neue Obfrau. Alexandra Abbrederis wurde bei der Jahreshauptversammlung des Vereins “Forum für Jugend und Kultur – Spielboden” gewählt. Die erfahrene Kulturmanagerin folgt auf Jürgen Thaler, der den Spielboden neunzehn Jahre geprägt hat. Abbrederis verfügt über langjährige Erfahrung in der Kultur- und Kreativszene und kennt die Rahmenbedingungen kultureller Arbeit gut. Kunst und Kultur leisten einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung, entsprechend wichtig sind ihr verlässliche Strukturen und faire Bedingungen für Kulturschaffende. Dabei möchte sie das Team in den kommenden Jahren unterstützen. Die VN-Heimat traf die Neo-Obfrau zum Interview.
Ein Kreis schließt sich. Sie haben Ihren ersten bezahlten Job am alten Spielboden gehabt – wie fühlt es sich an, Jahrzehnte später als Obfrau zurückzukehren?
Gedanklich war ich nie ganz weg. Der Spielboden hat mich stark geprägt – er war immer mehr als ein Veranstaltungsort, sondern ein Ort der Begegnung. Hier kommen Menschen zusammen, erleben Kunst, tauschen sich aus und entwickeln Ideen. Das hat mein Verständnis von Kultur wesentlich geformt. Freundschaften sind entstanden, berufliche Chancen ebenso – etwa durch die Zusammenarbeit mit Martin Gruber und dem Aktionstheater. Auch meine Diplomarbeit entstand in diesem Umfeld. Dem Spielboden bin ich über Jahre verbunden geblieben. Dass ich nun als Obfrau zurückkehre, ist ein besonderer Moment.

Sie kennen die freie Kulturszene seit den 1990er-Jahren. Wie hat sie sich verändert?
Es gibt große Vielfalt und enormes Engagement, gleichzeitig – und das weiß ich aus eigener Erfahrung –, leben viele von Projekt zu Projekt. Prekäre Arbeitsbedingungen sind in der freien Szene der Kulturschaffenden ein Dauerbrenner. Was sich verändert hat, ist das Bewusstsein dafür – und das ist ein erster Schritt. Wer Kunst will, muss Infrastruktur, Orte und Kontinuität ermöglichen. Der Spielboden ist einer dieser wichtigen Orte in Vorarlberg.
Wie wichtig ist praktische Erfahrung “hinter den Kulissen” für kulturpolitische Entscheidungen?
Es braucht nicht nur Erfahrung, sondern auch Verständnis und Leidenschaft für künstlerische Prozesse. Als Kulturpolitikerin sehe ich mich als Anwältin der Kunstschaffenden. Trotz knapper Budgets muss ich mich für faire Bezahlung und gute Rahmenbedingungen einsetzen. Das ist nicht naiv, sondern alternativlos. Wenn wir das nicht machen, wer macht das sonst?
Wie möchten Sie den Spielboden führen, wird man neue Akzente spüren?
Der Spielboden hat mit Heike Kaufmann und dem Team eine starke Basis, ebenso einen gut aufgestellten Vorstand. Ich sehe meine Aufgabe darin, engagierte Menschen zu unterstützen und gute Arbeit zu ermöglichen. Gerade weil Budgets nicht wachsen, sind gute Gespräche mit Partnern entscheidend. Mein Netzwerk aus drei Jahrzehnten Kulturszene möchte ich nutzen, um Brücken zwischen Kunst, Politik und Publikum zu schlagen.
Warum lohnt es sich trotz aller Schwierigkeiten, sich für Kultur einzusetzen?
Kultur ist kein “Nice-to-have”, sondern essenziell für unsere Gesellschaft. Gerade in herausfordernden Zeiten schafft sie Räume für Austausch und gemeinsames Erleben – vor Ort und auf Augenhöhe. Ich möchte den Spielboden als Ort stärken, der sich mit den drängenden Fragen unserer Zeit auseinandersetzt. Das ist ein zentraler Teil seiner Identität als wichtiger alternativer Kulturort in Vorarlberg. cth
Zur Person
Alexandra Abbrederis
Geboren 1971
Wohnort Lochau
Beruf Künstlerische Betriebsleiterin VLT
Hobbies Swingtanzen in Vorarlberg und auf Festivals, lange Bahnreisen