“Der heilige Greil”

Sport / 10.05.2026 • 14:51 Uhr
Fußball
In der Altacher Kabine entlud sich schließlich die Anspannung und es herrschte pure Freude. Meier/SCRA

Altach-Cheftrainer Zaric adelt seinen Spielmacher und Torjäger – und der weckt Interesse.

Graz-Altach In der Halbzeitpause hatte Altach-Coach Ognjen Zaric seinem Spielmacher noch gut zugeredet. Der nämlich haderte ob seiner vergebenen Chance nach 14 Minuten, als er allein an GAK-Torhüter Franz Stolz scheiterte. Es folgte ein Zaubertor und die Adelung durch den Cheftrainer. “Eines der besten Tore, die ich live je miterlebt habe”, sagte der 37-Jährige in den Katakomben des Stadions Liebenau im VN-Gespräch. Und mit einem Blick auf den wartenden Patrick Greil schmunzelte er nur und meinte: “Schaut, der heilige Greil!”

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Einmal mehr hat Altachs elffacher Liga-Torschütze die Blicke auf sich gezogen. Mit einem Treffer, der nicht nur das Tor der Runde markiert, sondern das Potenzial für das Tor des Jahres in sich birgt. Und es ist bezeichnend für Greil, mit welcher Demut er danach über sein Tor sprach. Der 29-Jährige ist einer jener Spielertypen, die so wichtig sind für den Fußball. Kein Phrasenerzähler, nein: Greil, der nur kurz eine Akademie-Ausbildung genoss, redet, wie er Fußball spielt. Intuitiv und so, frei von der Leber. Altachs bester Saisontorschütze ist im Gespräch erfrischend ehrlich. Diese Ehrlichkeit gibt es von ihm auch auf dem Spielfeld. Kein Wunder, dass die Fans ihn lieben.

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Der Überbringer der guten Nachricht “Klassenerhalt”: Trainer Ognjen Zaric. gepa

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Klarerweise im Blickfeld

“Für die Umstände haben wir es richtig gut gemacht”, blickte er nach dem Spiel nüchtern zurück. Für ein kurzes Gespräch hatte sich der Offensivspieler aus der Kabine geschlichen, wohl wissend, dass die Heimreise durchaus noch Partypotenzial in sich barg. Auf sein Tor angesprochen, musste selbst der so oft nüchtern wirkende Greil etwas mit der Zunge schnalzen. Selbst wenn er meinte, nicht genau gewusst zu haben, was er in dem Moment dachte. “Es war eigentlich nicht der richtige Zeitpunkt, auch wenn mir zuvor aufgefallen war, dass der Torhüter oft sehr weit vor seinem Gehäuse steht. Aber keine Ahnung, was mich in dem Moment wirklich inspiriert hat …”

"Der heilige Greil"
Steht im Blickfeld, Altachs Patrick Greil. apa

Fakt ist, dass sein elfter Ligatreffer der 20. Scorerpunkt in 34 Spielen für den SCR Altach bedeutet. Eine Zahl, die nicht nur intern gewürdigt wird, sondern selbst auf der Insel wahrgenommen wird. Denn beim FC Millwall, der als drittplatzierter Club der Championship in den anstehenden Play-offs noch um den Premier-League-Aufstieg spielt, ist der Name Patrick Greil – zumindest – notiert. In Altach läuft sein Vertrag bis 2028. Wichtig zudem: Der Familienvater fühlt sich zuhause und pudelwohl. Zumal die letzten Wochen gar nicht so einfach für ihn waren. “Erst die Krankheit, dann der Schlag, ich habe eigentlich meinen Rhythmus völlig verloren. Der Körper war nie wirklich fit, ich habe immer nur geschaut, dass es für den Spieltag reicht.”

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So gesehen tut jetzt die doch etwas längere Vorbereitung auf das möglicherweise letzte Saisonspiel, zu Hause gegen Ried, so richtig gut. Zumal es gilt, die Saison noch zu verlängern. Mit einem Sieg über die Innviertler und einem Remis des WAC gegen Tirol könnte der Sprung auf Platz zwei und somit in das Europacup-Play-off gelingen. Und da hieße der Gegner dann wieder SV Ried …

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Mike Bähre im “Wasserball”-Duell mit Michael Italiano. apa

Es dauerte ein wenig

Die große Sause blieb in den Minuten nach dem Abpfiff aus. Die Spieler schauten in Richtung Betreuerbank und dort, so schien es, war vorerst allein Trainer Ogi Zaric in Jubelstimmung. “Das große Saisonziel ist erreicht”, sprach es danach Mike Bähre aus, “wenn auch ein wenig später als erhofft.” Zudem ärgerte sich der 30-Jährige darüber, dass “wir schon zum dritten Mal ein 2:0 verschenkt haben”. Auch die Tatsache, seinen ersten Sieg im Grazer Stadion verpasst zu haben, wurmte den Deutschen. Dass dennoch ein weiteres Saisonziel, mit dem eventuellen Europacup-Play-off, bleibt, wollte er deshalb auch gar nicht thematisieren. Nur eines war ihm noch wichtig zu sagen: “Ein positiver Druck ist besser als ein negativer.”

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Hatte alles im Griff und war bei den Gegentoren machtlos, Dejan Stojanovic. gepa

Auch Stojanovic im Zwiespalt

Er habe mit Schlusspfiff gar nicht gewusst, ob er sich freuen oder doch über das 2:2 aufregen soll. “Wir haben wieder einmal eine 2:0-Führung hergegeben. Nicht auszudenken, wenn es mehr gebraucht hätte. So sind wir glücklich, dass die anderen für uns gespielt haben”, war Dejan Stojanovic – auch aufgrund der Nässe und Kälte während der Partie – anfangs gar nicht zum Feiern zumute. Zumal er für das Spiel auf dem wohl irregulären Terrain nur ein Wort – “Gekicke” – fand. “Du kannst den Ball nicht einschätzen”, so Altachs 32-jähriger Torhüter im Nachklang. Schließlich fand aber auch Stojanovic das Lächeln wieder. Nicht zuletzt durch den “Geniestreich” (Stojanovic) von Patrick Greil.

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